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Tödliches Gold

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Von: Manfred Niekisch

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Goldbarren in unterschiedlicher Größe liegen bei einem Goldhändler in einem Tresor.
Goldbarren in unterschiedlicher Größe liegen bei einem Goldhändler in einem Tresor. © Sven Hoppe

Der Abbau des Edelmetalls mit Quecksilber im Amazonasgebiet ist ökologisch und menschlich eine Katastrophe. Doch es geht auch anders. Die Kolumne.

Gold ist ein wertvolles Material. Und gefährlich. Lebensgefährlich sogar. Nicht für die, welche es in Form von Schmuck in ihren Schaufenstern präsentieren in den Einkaufszentren und Prachtstraßen der Welt. Auch nicht für die, welche es dort kaufen, egal wie, in Form liebevoll ausgewählter Eheringe, als gekonnt gearbeitete Armbänder oder als protzige Halsketten.

Und auch nicht für die Investorinnen und Investoren, die Barren des Edelmetalls als Wertanlage in den Safes der Banken oder im heimischen Tresor hinter dem Spiegel bunkern. Für all sie ist die Gefahr, damit ihr Leben zu riskieren, minimal bis null, egal wie hoch die Kriminalitätsrate im Lande ist. Gold gilt in allen Krisenzeiten als sichere Wertanlage.

Davon zeugt die Geschichte seit Tausenden von Jahren, der prachtvolle Goldschmuck des Priamos, den Heinrich Schliemann in Troja ans Licht holte ebenso wie ein – normalen Sterblichen verwehrter – Blick in die Keller von Fort Knox.

Richtig gefährlich wurde Gold erst, als europäische Seefahrer entdeckten, welche Mengen und Schätze davon die indigenen Hochkulturen Mittel- und Südamerikas verarbeiteten, besaßen, zu schätzen wussten. Dass sie diese den anfänglich verehrten Neuankömmlingen nicht freiwillig überließen, wurde ihnen zum Verhängnis. Gold bedeutete nun für sie Lebensgefahr oder direkte Vernichtung.

Das ist lange her. Heute erreicht die Gefahr, die vom Golde ausgeht, ganz andere Dimensionen. Goldsucher dringen in die Lebensräume der Indigenen, in die tropischen Regenwälder entlang der Flüsse des Amazonasbeckens ein. Sie suchen das Gold in den Gewässern. Dabei zerstören sie die regelmäßig überfluteten Flussufer, die in den Trockenzeiten das wenige verfügbare Ackerland bilden, die wertvollen Flächen, auf denen die Indigenen Nahrung anbauen können.

Die vom Goldwaschen aufgewühlten Sedimente belasten das Wasser, schädigen die Fischerei als weitere wichtige Nahrungsquelle. Besonders schlimm aber ist die Methode, mit denen die Goldgräber das Material ihrer Begierde vom Schlamm der Flüsse trennen.

Durch Zugabe von Quecksilber heften sich die Goldpartikel an dieses flüssige Metall. Dieses verdampft als Gift, gelangt zurück ins Wasser, führt zu hohen Belastungen und richtet direkt oder über vergiftete Fische größte gesundheitliche Schäden an der Bevölkerung der Amazonas-Region an.

Die frühere brasilianische Umweltministerin Marina Silva, als Kind von Kautschukpflanzern im Amazonas-Urwald aufgewachsen, leidet bis heute schwer unter den damals erlittenen Vergiftungen. Und kämpft gegen die Zerstörung ihrer einstigen Heimat.

Wo das Gold nicht in Form von feinen Körnchen, sondern in Klümpchen oder gar Klumpen, als Nuggets vorkommt, in Australien, den US-amerikanischen Bundesstaaten Kalifornien oder Alaska, ist diese brutale, Mensch und Umwelt vergiftende Fördermethode mit Quecksilber nicht notwendig.

Wer Gold kauft, sollte sich dessen bewusst sein. In der Amazonasregion sind die Schäden andauernd, fatal und unübersehbar. Und lebensbedrohlich bis tödlich für die traditionelle Bevölkerung.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

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