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Der NDR hatte mit einem meist mitternächtlichen Sendeplatz selbst dafür gesorgt, das Publikum knapp zu halten.
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Der NDR hatte mit einem meist mitternächtlichen Sendeplatz selbst dafür gesorgt, das Publikum knapp zu halten.

Kolumne

Tendenz zum Mainstream

  • Klaus Staeck
    vonKlaus Staeck
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Die Öffentlich-Rechtlichen dünnen ihr Literaturprogramm aus. Zynisch in Lockdown-Zeiten, wo ja gerade das Lesen noch geht. Die Kolumne.

Im Dezember lief im NDR-Fernsehen nach über dreißig Jahren die letzte Ausgabe des „Bücherjournals“. Natürlich, so wurde enttäuschten Zuschauerinnen und Zuschauern beschieden, würden Bücher und deren Besprechungen noch in anderen Sendungen „unterschiedlicher Kulturformate“ vorkommen. Die Sendung habe ja ohnehin nur einen marginalen „Marktanteil“ von 2,5 Prozent gehabt. Dass der NDR mit einem meist mitternächtlichen Sendeplatz selbst dafür gesorgt hatte, das Publikum knapp zu halten, wurde nicht weiter erwähnt. Außerdem habe die ARD ja mit „Druckfrisch“ ein Literaturmagazin, das diese Themen bestens abdecke. Ich mag Denis Scheck und seine originelle Sendung, aber ich bezweifle, dass es ihm recht wäre, als Killerargument für die Kulturprogramme seiner Kolleginnen und Kollegen herhalten zu müssen.

In Zeiten, da der öffentlich-rechtliche Rundfunk immer öfter nach seiner besonderen Funktion und seinem Kulturauftrag gefragt wird, genügt es einfach nicht, auf die fantastischen Einschaltquoten von bis zu 20 Prozent für seine zu jeder Zeit und in jedem Regionalprogramm wiederholten Quizshows zu verweisen. Das tägliche „Wer weiß denn sowas“ und „Gefragt – gejagt“, getoppt von gleichnamigen XXL-Shows, mögen den Quotenzählern rauschhafte Befriedigung verschaffen. Aber irgendwann muss auch hier einmal die Frage gestattet sein: Genügt euch das?

In einem aktuellen „Zeit“-Interview hat die frühere Abteilungsleiterin für Fernsehfilm und Kino beim WDR, Barbara Buhl, die Tendenz der Öffentlich-Rechtlichen zum Mainstream beschrieben, der nur noch das Populärste bedienen will. Sie fordert fern von allem Quotenfetischismus eine Debatte zwischen Menschen, die fürs Fernsehen arbeiten, mit denen, die es schauen: „Nur die Zuschauer können uns verändern!“

Eine immer stärkere Einengung, Popularisierung und Formatierung des Programms schwäche die Rechtfertigung, dass wir uns dieses System weiter zu leisten bereit sind. Denn es gehe hier nicht um die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern darum, „dass er wieder ganz zu sich kommt“. Wer in den Rundfunkanstalten nur in dem Verständnis lebt, sich auf einem Markt zu bewegen, der vergisst, dass dieses öffentlich finanzierte Medium von der gesamten Gesellschaft bezahlt wird.

Ich erinnere mich an Proteste und Argumente der „Radioretter“. Sie hatten sich vor gut zehn Jahren zusammengetan, um das beliebte WDR3-Kulturradio vor seinen Reformern zu schützen. Für ein leichter konsumierbares Häppchenangebot opferte der Sender sein anspruchsvolles Kulturprogramm. Jetzt gab es erneut Signale aus dem gleichen Funkhaus, wonach aus den noch verbliebenen Resten die tägliche Buchrezension gestrichen werden solle. Die meist freischaffenden Literaturkritikerinnen und -kritiker erhielten offenbar per E-Mail eine Nachricht, die sie an ihrer beruflichen Daseinsberechtigung zweifeln ließ. Natürlich werde es auch in Zukunft „Gespräche über Bücher“ geben.

Man ahnt die Länge: 2:30 Minuten als rechtes Maß für ein durchhörbares Programm, keine Zeit für differenzierte Wertungen, eher für schlichte Kaufempfehlungen. Im offenen Brief an die WDR-Intendanz heißt es: „Es fällt uns schwer, diese Entscheidung in diesen Zeiten nicht als zynisch aufzufassen. Zeiten, in denen die Sendeanstalten mit den von ihnen Abhängigen solidarisch sein sollten. Zeiten, in denen Literatur eines der wenigen kulturellen Erzeugnisse ist, das auch im Lockdown wahrgenommen werden kann, sofern die Vermittlungsformen intakt bleiben.“

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