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Hass und Hetze im Handy: Telegram lässt alles zu

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Von: Anetta Kahane

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Ganz sicher muss der politische Druck auf Telegram erhöht werden.
Ganz sicher muss der politische Druck auf Telegram erhöht werden. © Sergei Konkov/dpa

Auf Telegram geht es oft fürchterlich zu. Was können wir tun, damit sich das ändert? Die Kolumne.

Frankfurt - Auf manchen Straßen ist mehr los als auf anderen. Das ist auch bei den sozialen Netzwerken so. Auf einigen wurde in den letzten Jahren viel unternommen, um den Verkehr zu regeln, zu regulieren, um einen einigermaßen zivilen Austausch der Nutzer möglich zu machen. Auf anderen aber, wie bei Telegram, regiert ungezügelter Hass.

Hier darf jeder gegen alle denkbaren Gesetze verstoßen. Waffenhandel, Kinderpornografie, Mordaufrufe, Terrorismus, Rechtsextremisten – Telegram lässt alles zu. Ach ja – die „Querdenker“ sind natürlich auch dabei. In unzähligen Chatgruppen eskaliert die Radikalisierung von Verschwörungsgläubigen, Demokratiefeinden und Hetzern.

Es sind nicht nur Verbrecher und Nazis auf Telegram

Ab und zu mache ich einen Ausflug auf die Telegram-Straße. Viele der Chatgruppen sind öffentlich. In einer zum Beispiel posten die Teilnehmer ständig Beweise dafür, dass die Erde flach ist. Fotos von Sonnenuntergängen sollen das belegen. Weniger harmlose Gruppen sprechen öffentlich von Umsturz, davon, jeden umzubringen, der gegen sie ist. Leute, die als Feinde markiert sind, werden massiv bedroht, ihr Wohnort wird veröffentlicht mit der Aufforderung, dort doch einfach mal hinzugehen. An anderen Stellen kann man Bilder von Gewalt gegenüber Frauen und Kindern sehen, die jedes Vorstellungsvermögen überschreiten.

Die Leute, die so etwas posten und sich in Hassgruppen gegenseitig aufputschen, sind nicht mehr erreichbar. Mit ihnen zu reden, ist also wenig sinnvoll.

Es sind ja nicht nur Verbrecher und Nazis auf Telegram, sondern inzwischen auch Leute, die sich für links halten. Ihr Argument dafür, Telegram zu nutzen: Es sei ja kein US-amerikanisches Netzwerk, also keine böse Datenkrake vom Zuckerberg, sondern ein russisches, auf das der Staat keinen Zugriff habe.

Was für ein Argument! Als ob die Russen lupenreine Demokraten wären. Sie sammeln natürlich keine Daten und wenn, dann nutzen sie die nicht kommerziell, sondern „nur“ politisch. Als ob sie, weil gegen den Westen, nur Gutes im Sinn hätten. Und als ob es deshalb auch für Linke vollkommen egal wäre, in welche Gesellschaft man sich begibt mit all den anderen Hassern gegen den „Westen“.

Telegram-Geschäftsmodell: mit entgrenztem Hass und Hetze auftreten

Telegram kooperiert nicht mit dem Gesetzgeber. Es ist das Geschäftsmodell der Eigentümer, mit entgrenztem Hass und Hetze aufzutreten. Deshalb gibt es hier keine Verständigung darüber, wie Gesetze eingehalten werden können. Radikalisierung innerhalb kurzer Zeit ist gewollt. Dem Unternehmen Telegram sind die Opfer von Cyberangriffen vollkommen egal.

Wie können wir uns davor schützen? Was tut die Bundesregierung? Telegram verbieten? Nein. So etwas tun Diktaturen wie Russland. Versuchen, Telegram mit Anfragen der Behörden zu fluten, wie jüngst vom Bundeskriminalamt vorgeschlagen? Nun, ich fürchte, wenn Telegram bisher die wenigen Anfragen von Staatsanwaltschaften ignoriert hat, wird es das auch mit vielen tun.

Vielleicht könnte man Telegram schwerer erreichbar machen, so wie andere Nazi- und Terrornetzwerke. Zum Beispiel durch eine Veränderung der Suchfunktionen? Auf jeden Fall muss hier etwas geschehen. Dass Telegram unentwegt strafbare Inhalte duldet, kann so nicht hingenommen werden.

Ganz sicher muss der politische Druck auf Telegram erhöht werden. Und bis sich darüber etwas verändert, ist mein Rat: Nehmen Sie eine andere Straße. Auf der hier wird zu viel geschossen. (Anetta Kahane)

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