Kolumne

Steile Vorlage

  • vonManfred Niekisch
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Der Bauernverband schießt wieder Eigentore gegen den Naturschutz. Stattdessen könnte er dafür sorgen, Landwirte als Schützer von Klima und Natur zu profilieren.

Eine Steilvorlage ist eine zweischneidige Sache. Im Fußball erhöht sie die Aussicht auf den Sieg, denn sie legt einem Mitspieler eine Torchance auf den Fuß. Doch bei der Übertragung in den allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff ziemlich genau ins Gegenteil verkehrt und beschreibt die Chance, gerade dem Gegner eins vor die Brust zu donnern, der die Steilvorlage selbst lieferte.

Wie auf dem Fußballplatz gibt es auch im politischen Raum Spezialisten für Steilvorlagen. Dazu kann man mit Fug und Recht die Funktionäre des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zählen. In notorischer Unbelehrbarkeit schießen sie Steilvorlagen ab, welchen denen, die sich für eine intakte Umwelt, besseren Schutz des Grundwassers, die Erhaltung der Artenvielfalt einsetzen, Anlass und Argumente liefern, die konventionelle Landwirtschaft als wichtigsten Schadfaktor der Biodiversität bestätigt zu sehen.

Die große Perspektive, Landwirte als die zu präsentieren, welche unsere Ernährung sichern, fruchtbare Böden erhalten, die Kulturlandschaft pflegen, das zu bewahren, was bei vielen Menschen Heimatgefühle auslöst, setzen die Funktionäre damit aufs Spiel.

Bauern arbeiten hart, vor allem kleinere Betriebe kämpfen ums Überleben, sind die ersten, welche Extreme wie Stürme, Trockenheit und andere Folgen des Klimawandels massiv auch wirtschaftlich zu spüren bekommen. Sie verdienen Solidarität und Dankbarkeit. Eigentlich. Stattdessen organisieren ihre Funktionäre Traktorprotestfahrten, wettern gegen ein Glyphosatverbot, treiben die Landwirtschaftsministerien in Bund und Ländern dazu, die dringend erforderliche verschärfte Güllegesetzgebung zu verwässern (was terminologisch nur im übertragenen Sinne passt!) und alles zu bremsen, was den Natur- und Artenschutz voranbrächte.

Da hat nun die Bundesumweltministerin Svenja Schulze endlich einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie in Volksbegehren geforderten, also sowohl fachlich begründeten wie demokratisch legitimierten Insektenschutz voranbringt, und schon steht der Generalsekretär des DBV auf den Barrikaden. Artenreiches Grünland pauschal unter Schutz zu stellen sei nur ein Anreiz, solche Biotope gar nicht erst entstehen zu lassen, schleudert Bernhard Krüsken der Vernunft entgegen.

Au weia! Weiß er noch immer nicht, wie wichtig Grünland auch für den Schutz von Klima und Böden ist? Will er damit denen, die er eigentlich vertreten sollte, bescheinigen, dass sie wertvolle, artenreiche Landschaften von vorneherein verhindern wollen? Oder gar torpedieren? Was sonst soll eine solche Äußerung, in der so etwas wie Drohung mitschwingt. Er kann doch nicht die Landwirte zum Feindbild großer, besorgter Teile der Bevölkerung ausbauen wollen.

Derartige Steilvorlagen werden zum Eigentor. Schließlich gibt es keinen Zweifel, dass die Landwirtschaft noch immer der Hauptverursacher für den Rückgang der Insekten und der biologischen Vielfalt insgesamt ist. Und dass Bienen, Schmetterlinge, Lurche, Wildpflanzen zu echten Sorgenkindern der Bevölkerung geworden sind. Da sollte der DBV, statt sich selbst mit solchen Steilvorlagen zu schaden, den Ball doch eher flach halten.

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