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Späte Anerkennung für Buffy Sainte-Marie

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Von: Harry Nutt

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Die Musikerin Buffy Sainte-Marie 2021 in Ottawa.
Die Musikerin Buffy Sainte-Marie 2021 in Ottawa. © Justin Tang/Imago

Die Sängerin Buffy Sainte-Marie musste als Indigene lange mit Repressionen leben. Selbst Pete Seeger zwang sie, mit ihm zu streiten. Die Kolumne.

Als vor ein paar Monaten die US-amerikanische Sängerin und Songschreiberin Buffy Sainte-Marie kurz nach ihrem 81. Geburtstag ein Interview für ein kleines Privatprogramm gab, kam darin auch der bevorstehende Kanada-Besuch des Papstes zur Sprache. „Ich hoffe“, scherzte Buffy Sainte-Marie, „er bekommt bessere Flüge als ich.“ Es war eine Anspielung auf die schwierigen Verkehrsverbindungen zwischen ihrem Heimatland Kanada und ihrem heutigen Wohnort Hawaii.

Kurz darauf sorgte der Besuch des Oberhauptes der Katholiken für Schlagzeilen. Die Entschuldigung für die Verbrechen seiner Kirche an der indigenen Bevölkerung in Kanada wurde als zu schwach kritisiert. Zudem löste das Tragen eines Federschmucks anhaltende Diskussionen rund um das Thema kulturelle Aneignung aus.

Buffy Sainte-Marie, 1941 in einem Cree-Reservat der kanadischen Provinz Saskatchewan geboren, ist ein Opfer jener von der katholischen Kirche betriebenen Zwangsassimilation. Der kanadische Staat wusste von den Misshandlungen in den kirchlichen Einrichtungen und billigte die erzwungene Anpassung von indigenen Kindern an die weiße Mehrheitsgesellschaft. Buffy Sainte-Marie teilte das Schicksal vieler Kinder aus indigenen Familien. Sie wurde von ihren leiblichen Eltern getrennt und wuchs bei einer Familie in Sebago im US-Bundesstaat Maine auf.

Ihre Geschichte in der Folk-Musik ist Legende, sie schrieb Hits wie „Universal Soldier“, mit dem Donovan 1965 berühmt wurde. Und es war Buffy Sainte-Marie, die das Talent von Joni Mitchell entdeckte und der Kollegin zu den ersten Schritten in ihrer Karriere verhalf.

Weniger bekannt ist eine Konfrontation mit Pete Seeger, dem ehrwürdigen Übervater aller Folkies. Als Buffy Sainte-Marie einmal mit ihm und anderen ein Konzert geben sollte, weigerte sie sich, in Woody Guthries „This Land Is Your Land“ einzustimmen.

Als Angehörige des Cree-Volkes erschien ihr die Zeile „Dies Land ist mein Land“ wie Hohn. Das Gleichheitspathos einer universalistischen Linken schien nichts mit ihr zu tun zu haben. Ja, das Land sollte ihr gehören, befand Buffy, aber so war es leider nicht.

Pete Seeger war entsetzt und bewegte Buffy Sainte-Marie dazu, schließlich doch auf die Bühne zu kommen. Die Worte aber kamen ihr nicht über die Lippen. Pete Seeger, so Buffy, habe erst Jahrzehnte später begriffen, um was es ihr in diesem Augenblick ging. „Der netteste Mensch der Welt hatte keine Ahnung vom Schicksal der indigenen Bevölkerung in Nordamerika.“ Sie sei in den 70er Jahren die Erste gewesen, die das Wort Genozid für die Ausrottung der indigenen Bevölkerung verwendet habe.

Zudem habe sie lange nicht davon gewusst, dass sie vom FBI auf einer schwarzen Liste geführt wurde, die verhinderte, dass ihre Songs im Radio gespielt wurden. Als ihr Song „Up Where We Belong“, den Jennifer Warnes und Joe Cocker in dem Film „An Officer And A Gentleman“ sangen, 1983 mit einem Oscar für den besten Song ausgezeichnet wurde, war dies zugleich das erste Mal, dass eine indigene Künstlerin den Preis der Academy erhielt.

Harry Nutt ist Autor.

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