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Sommersonnenwende: Die Erde gerät immer mehr in Schieflage

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Von: Manfred Niekisch

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Unsere Erde. Wie geht es ihr?
Unsere Erde. Wie geht es ihr? © Sergey Nivens/Imago

Wieder steht die Sonnenwende bevor. Sie gibt Anlass, über die Neigung und den Zustand des Globus nachzudenken. Die Kolumne.

In wenigen Tagen, genauer gesagt am Dienstag kommender Woche (21. Juni), ist mal wieder der längste Tag des Jahres. Sommer-Sonnenwende. Der Tag ist seit Jahrtausenden ein besonderer und wurde schon von den Germanen, Balten, Kelten und in vielen anderen Kulturen als solcher gefeiert. In den Tropen kümmert sich kein Mensch um dieses Ereignis, denn dort gibt es das nicht. Die Region dort ist eingeklemmt zwischen den Wendekreisen. Alle Tage sind gleich lang und die Nächte auch.

Es liegt an der Schieflage der Erdachse, dass unser Globus um die Sonne herumeiert und uns solch astronomischer Sachverhalt die Jahreszeiten beschert. Stünde die Erdachse gerade, bräuchte niemand den Kleiderschrank nach Sommer- und Winterklamotten sortieren.

Sommersonnenwende: Aktuelle weltweite Krisen regen zum Nachdenken an

Bei dem Begriff der Schieflage dürften sich allerdings derzeit ein paar andere Assoziationen in den gedanklichen Vordergrund schieben. Leider unabhängig davon, welche Achsenneigung wo gegeben ist.

Die Schieflagen waren wohl nie ausgeprägter, häufiger, bedrohlicher. Das gilt aktuell weltweit für die Krise bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Wladimir Putins Krieg gegen die Ukraine hat daran erheblichen Anteil. Die durch die Klimaerwärmung bedingte Trockenheit wirkt sich in weiten Teilen der Welt mindernd auf die landwirtschaftliche Produktion aus und tut ein Übriges.

Ukraine-Krieg, Erstürmung des Capitols, Klimawandel: Schieflage der Erde zur Sommesonnenwende

Wenn im in vieler Hinsicht privilegierten Deutschland schon im Mai Aufrufe und Verbote laut werden, kein Trinkwasser zu nutzen, um den Rasen zu gießen oder das Auto zu waschen, ist das ein kleiner, aber deutlicher Hinweis, dass der Klimawandel so einiges in Schieflage gebracht hat.

Ethisch und moralisch sind so manche in der Politik Verantwortliche auf die ganz schiefe Bahn geraten mit abenteuerlich begründeten Abschiebungen nach Ruanda, Verfahren gegen Bootsflüchtlinge rettende Einsatzkräfte, Verteidigung der Erstürmung des Capitols, Verschärfung der Gesetzgebungen gegen Abtreibung, mit Einsatz von Folter, dem Wegsperren oder Verschwindenlassen von Regimekritikerinnen und- kritikern, der wütenden Verwüstung und Vernichtung eines ganzen Landes mit seinen Menschen im Ukraine-Konflikt ach was ließen sich da noch viele Beispiele nennen.

Schieflage der Erde betrifft auch die Menschenrechte

Die weltumspannende Schieflage bei den Menschenrechten weitet sich aus, macht Angst. Und bringt mit den wirtschaftlichen und ökologischen Katastrophen die Erde ins Trudeln. Nicht im astronomischen Sinn natürlich, sondern bezogen auf die menschlichen Gesellschaften, ihre Lebensqualität, ihren Frieden, ihr Überleben.

Der Aufreger Tankrabatt ist ein Rohrkrepierer, von dem eigentlich jeder hätte wissen müssen, dass er nicht funktionieren kann. Er hilft denen, die besonders viel Treibstoff verballern, füttert die Vergaser der Raser, schadet dem Klima und hilft nicht denen, die Unterstützung besonders nötig haben. Da wäre es doch ein Leichtes, ihn wieder abzuschaffen und durch etwas sozial und klimapolitisch Sinnvolles zu ersetzen.

Astronomische Schieflage der Erde ist natürlich: Die anderen sind menschengemacht

Schwieriger ist die Lösung bei den anderen Schieflagen, die wir uns eingebrockt haben. Die sind komplex geworden. Immerhin ist es gut, dass wir nicht an der Erdachse und ihrer Neigung herumfummeln können. Es bleibt also erst einmal bei Sommer- und Wintersonnenwende. (Manfred Niekisch)

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

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