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Eine Gegendemonstrantin bringt ihre Ablehnung gegen die „Querdenken“-Bewegung und die AfD mit einem Schild mit der Aufschrift „FCK Querdenker“ und „FCK AfD“ zum Ausdruck.
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Eine Frau protestiert gegen die „Querdenken“-Bewegung und die AfD. (Archivfoto)

Kolumne

Rechtsextreme und Impfgegner: Soll man mit „denen“ reden?

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Demokratie tut halt manchmal weh. Doch sie ist jeden Schmerz wert. Die Kolumne.

Eigentlich sehe ich mich – so wie letzte Woche, als es um übermäßigen Fleischkonsum ging – abermals in der Situation, mich zu einer Meinung überwinden zu müssen. Denn manchmal ist es nötig, emotionale Empfindungen zu unterdrücken, um schiere Vernunft walten zu lassen. Dafür gibt es etliche Beispiele, allen voran das Thema Todesstrafe.

Soll jemand, der – um einen extremen Fall zu konstruieren – Kinder quälte, folterte und unter fürchterlichen Schmerzen sterben ließ, dafür mit seinem Leben zahlen? Oder Menschen wie führende Handlanger Hitlers, die für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich waren?

Dialog mit Rechtsextremen und Impfgegnern: Der Bauch sagt „nein“, der Kopf sagt „ja“

Der Bauch grummelt, der Kopf aber sagt laut „Nein!“. Niemand darf andere gegen deren Willen töten. Der Kopf meint sogar, schon der Entzug von Freiheit sei mehr als grenzwertig. Gefängnisse sollte es demnach nicht geben dürfen.

Längst nicht so drastisch, aber eine ähnliche Herausforderung ist die Frage, ob rechtsnationale Parteien wie die sogenannte Alternative für Deutschland verboten werden müssten. „Klar“, schreien da Bauch und Herz, der Kopf aber verneint abermals.

Gerade weil sie unsere Demokratie zerstören wollen, müsse diese stark genug sein, solche Leute auszuhalten. Verbote seien immer der falsche Weg. In der Tat. Müssen Zwangsmaßnahmen angewendet werden, ist schon vorher einiges falsch gelaufen. So wie die wichtigste Arbeit einer Feuerwehr die Brandvorbeugung ist.

Trotz Unterschieden sind Rechtsextreme und Impfgegner eine demokratiegefährdende Allianz

Demnach wurden in unserer globalen Gesellschaft viele Fehler gemacht. Denn die Demokratien dieser Welt glimmen nicht nur, sie lodern. Auch und erst recht in Deutschland. Von außen wird sie von diktatorischen Machthabern in Polen, Ungarn, der Ukraine, der Türkei und anderswo bedroht, von innen durch besagte Rechtsextreme im Verbund mit Impfgegnern.

Jene soll man zwar zu Recht nicht alle in einen Topf mit den Nazis werfen, sind doch die einen politisch motiviert und die anderen egoistisch. Dennoch bilden beide Gruppen eine demokratiegefährdende Allianz. Und da kommt nun der Punkt, an dem ich mich wieder zu einer Meinung zwingen muss.

Mit Rechtsextremen und Impfgegnern reden? Gesellschaft und Politik haben zu wenig Beziehungsarbeit geleistet

Ich will und kann einerseits nicht mehr mit Leuten diskutieren, die unumstößliche wissenschaftliche Erkenntnisse treudoof als Lüge abtun und dadurch ihre persönliche sogenannte Freiheit über den Schutz der Allgemeinheit stellen. Andererseits halte ich Meinungsvielfalt für eines der höchsten Güter in der Geschichte der Menschheit, das unbedingt geschützt und verteidigt werden muss. Was also tun?

Befänden wir uns in einer Partnerschaftsberatung, würde man uns wohl vorwerfen, zu wenig Beziehungsarbeit geleistet zu haben. Ein Bund fürs Leben wird halt nicht ewig allein von Liebe getragen, er will gepflegt werden und ständig beobachtet. Das erfordert Bereitschaft, Sensibilität, Offenheit, Selbstkritik – und immer wieder Kommunikation. Vor allem letztere aber haben wir schleifen lassen. „Wir“, das sind „die Politik“, aber auch jeder und jede Einzelne.

Rechtsextreme und Impfgegner: Demokratie tut weh, ist aber jeden Schmerz wert

Ich habe mir nun fest vorgenommen, wieder mehr mit Leuten zu reden, die offensichtlich der Macht der asozialen Medien anheimgefallen sind, werde versuchen, sie mit Fakten zu überzeugen und ihnen – wenn auch zähneknirschend – keine Vorwürfe machen. Demokratie tut halt manchmal weh. Doch sie ist jeden Schmerz wert. (Michael Herl)

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