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Atlanta ist die Stadt von Dr. Martin Luther King Jr. Die ewige Flamme nahe seines Grabes soll symbolisieren, dass der Geist der Arbeit des Friedensnobelpreisträgers bis heute weiterwirkt.
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Atlanta ist die Stadt von Dr. Martin Luther King Jr. Die ewige Flamme nahe seines Grabes soll symbolisieren, dass der Geist der Arbeit des Friedensnobelpreisträgers bis heute weiterwirkt.

Kolumne

Hartes Pflaster Atlanta

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Schlachtfeld im Bürgerkrieg, Zentrum der Schwarzen Bewegung: Was würde der Bürgerrechtler Martin Luther King heute zu seiner Geburtsstadt sagen?

In Atlanta, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, ist man ohne Auto ziemlich aufgeschmissen. Doch es ist nötig. Highways, Schnellstraßen und sogar zwei Interstate-Autobahnen, Abfahrten, Gabelungen, Übergänge und Kreuzungen zerteilen die Stadt. Wer hier fährt, tut es auf hartem Pflaster. Der Verkehr ist schnell, die Sprache der Straße rau.

Auf dem Weg zu einem Freund begann es zu regnen. Ich kenne Nieselregen, Landregen, Starkregen. Das hier jedoch war anders. Tropischer Platz-, Sturz- und Dauerregen. Einfach nur gewaltig. Irgendwie schaffte ich es im Schritttempo zum Coffeeshop. Als der Freund mich sah, nass bis auf die Knochen von den zwei Schritten ins Kaffee hinein, meinte er ungerührt nur: Hurrikansaison. Atlanta bekommt den Regen ab, den die Stürme mitbringen.

Dov heißt der Freund, er leitet das Büro des American Jewish Commity in Atlanta. Wir hatten einiges zu besprechen, auszutauschen, zu planen, aber mir ging es vor allem darum, etwas über das jüdische Leben hier zu erfahren. Immerhin leben in Atlanta ungefähr so viele Juden wie in ganz Deutschland. Etwa 130 000.

Die Gemeinden sind sehr gut integriert, Antisemitismus kommt vor, aber nicht so schrecklich viel. Das war nicht immer so. Noch Anfang der 1990er Jahre gab es eine Reihe von Einrichtungen, zu denen Juden und Schwarze keinen Zugang hatten.

Juden gehörten nicht zu den Weißen, in keiner Hinsicht. Und die Tatsache, dass sie immer auf der Seite der Schwarzen Bewegung um das Ende von Rassismus und Gewalt standen, hat in den Augen der Weißen diese Ausgrenzung vertieft.

Atlanta ist die Stadt von Dr. Martin Luther King Jr. Ich hatte einige Tage zuvor sein Grab und die Gedenkstätte besucht. Von hier im Süden aus hat die Schwarze Bürgerrechtsbewegung ihren Anfang genommen. Das Grab von Dr. King zu sehen, hat mich schon sehr berührt.

Weil nichts schwerer ist, als Gewaltfreiheit bei so viel rassistischen Zumutungen beizubehalten. Rassismus ertragen, permanent, immer wieder, immer noch. Und zu seiner Zeit war es noch viel schlimmer.

Dov erzählte mir, wie sehr die jüdische Gemeinschaft in Atlanta noch immer mit den Schwarzen Organisationen verbunden ist. Probleme werden auf kurzem Weg gelöst, gegen Unrecht gemeinsam gehandelt.

Rassismus, Polizeigewalt oder antisemitische Vorfälle – beide Gruppen stehen hier immer zusammen. Atlanta, meint Dov, sei eine der interessantesten Städte in den USA. Es war ein Schlachtfeld im Bürgerkrieg, das Zentrum der Schwarzen Bewegung, es hat hier gebrannt, es wurde gelyncht und gemordet. Ohne Hoffnung für die Schwarzen, dass es jemals andere Zeiten geben könnte.

Atlanta hat sich sehr verändert. Heute wird hier gebaut wie verrückt. Die größte Stadt Georgias wächst weiter, die Mehrheit hier ist Schwarz. Ich weiß nicht, was Martin Luther King heute zu Atlanta meinen würde. Wäre er stolz? Wäre er enttäuscht? Er würde sich sicher freuen, dass die Schwarzen und jüdischen Gemeinden weiter zusammenstehen. Was würde er den engagierten Menschen von Black Lives Matter sagen? Geduld, Leute?

Als ich mich von Dov verabschiede, knallt die Sonne, dass die Straßen dampfen. Ich fahre zurück über das Highwaychaos. Der raue Verkehr, das harte Pflaster, das gewaltige Wetter – ich habe es auf dem Rückweg irgendwie gemocht oder wenigstens etwas besser verstanden.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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