Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schrott im Weltraum.
+
Schrott im Weltraum.

Kolumne

Schrott im Weltraum

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
    schließen

Noch ist das Müllproblem auf der Erde nicht gelöst. Der Gelbe Sack allein reicht nicht. Zunehmend aber gefährdet sich die Raumfahrt selbst durch fatale Kettenreaktionen. Die Kolumne.

Langsam wird das kompliziert mit der Müllbeseitigung. Wie war es doch einstens so einfach und bequem. Alte Kriegswaffen, Atommüll, Schiffwracks ab ins Meer. Dahin konnte man auch die Dünnsäure verklappen. Für den westdeutschen Giftmüll fanden sich schnell kreative Lösungen in Übersee, als mit dem Ende der DDR die Entsorgung in ostdeutschen Deponien nicht mehr möglich war.

Der Export von Plastikmüll und wer weiß noch was allem in andere Kontinente war – und ist noch immer – ein einträgliches Geschäft, zumindest für die Exporteure. Vor Ort dürfen sich Kinder und Erwachsene aus den Müllhalden ein klägliches, stinkendes, gefährliches Minimum zum Überleben zusammenklauben. Entsorgung ist im Wortsinne so verstanden, dass die reichen Länder damit ihre Sorgen los sind.

So konnten die Industrienationen über Jahrzehnte sauberer werden. Der Gelbe Sack macht es auf der Ebene deutscher Haushalte möglich. Allerdings hat die durch ihn geschaffene Erleichterung über eine sachgerechte Entfernung von Müll aus dem Haushalt den zentral notwendigen Gedanken aus den Köpfen verdrängt. Es geht nicht zuallererst darum, Abfall ordentlich loszuwerden. Dem vorgeschaltet muss das Bemühen sein, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. Müll vermeiden lautet das Gebot. Nur was dann noch übrig bleibt, soll in den Gelben Sack. Nicht mit gutem Gewissen, sondern viel mehr mit Bedauern, dass es sich nicht vermeiden ließ.

Zwar sind die Müllprobleme längst nicht gelöst, aber ein Umdenken hat begonnen, und unbestritten werden große Fortschritte gemacht beim Recycling. Müll wird nicht mehr als Abfall verstanden, sondern als Ausgangsmaterial für sinnvolle Weiterverarbeitung und Nutzung. Deswegen nennen Kommunen ihre früheren Müllabgabestellen heute Wertstoffcenter.

Jetzt allerdings befinden wir uns in einer Müllära weit größerer Dimension. Sie begann mit den Sputniks der Sowjetunion vor sechs Jahrzehnten. Geschätzte 330 Millionen künstlicher Partikel irdischen Ursprungs sausen zurzeit durch das All. Es sind die Reste unbrauchbar gewordener Satelliten, zerschellter Raketen und Raumsonden. Das ist schon länger bekannt, doch schießen Russland, die USA, China und viele andere Staaten weiter von ihnen für nützlich gehaltene, selbst gebaute Himmelskörper ins All, ohne sich Gedanken zu machen, was mit dem zwangsläufig früher oder später daraus entstehenden Schrott passieren soll.

Inzwischen müssen Astronauten sich schwer hüten, weil ihnen der ganze Dreck um die Helme fliegt. Selbst die Raumstation ISS musste gerade zweimal evakuiert werden wegen der Gefahr böser Kollisionen.

Erste Stimmen wie die des US-amerikanischen Astronomen Donald J. Kessler warnen, dass die zunehmende Menge an Weltraumschrott die Raumfahrt sogar unmöglich machen könnte. Die Logik ist zwingend: je mehr Schrott im All umherfliegt, desto größer ist die Gefahr von Zusammenstößen, die wiederum zu mehr Schrottteilen führen, was wiederum zu mehr Zusammenstößen führt, die wiederum … und so weiter.

Diese fatale Kettenreaktion zu stoppen, ist kaum zu schaffen, denn das Einfangen der fliegenden Trümmer ist fern der Realität. Und sollte es dereinst gelingen: wohin dann damit? Wir haben doch schon mit dem irdischen Müll genug Entsorgungsprobleme.

Der Autor ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare