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Anzeichen einer beginnenden Massenpsychose
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Anzeichen einer beginnenden Massenpsychose.

Kolumne

Schroff statt verständnisvoll bei Rechten und Corona-Leugnern

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Es fällt zunehmend schwer, gelassen zu bleiben. Bei den Trumps dieser Welt kann man schon mal die Contenance verlieren. Kolumnist Michael Herl über seine Sicht.

Eigentlich bin ich ja mit dieser Weisheit bislang gut gefahren. „Michael, Du kannst mit allen Leuten reden“, gab mir mein Vater einst mit auf den Weg. Das klingt nach Binse, ist aber manchmal eine hohe Bürde.

Als junger Mensch war das gar nicht mal so problematisch. Man will ja lernen, erkennen, ausprobieren und verstehen. So auch, warum andere so sind, wie sie sind. Sie nicht vorverurteilen, sondern versuchen, hinter diese häufig fürchterliche Verkrustung zu gelangen, um so das wahre Innere zu sehen.

Ein hehrer Vorsatz – und leider von Jahr zu Jahr schwerer einzuhalten. Zu stereotyp werden die Erfahrungen mit bestimmten Typen Mensch, zu ausladend die Schubladen, die dazu einladen, andere schnell und zu oberflächlich geprüft hineinzustopfen. Nur wenige Menschen behalten sich ihre Offenheit bis ins hohe Alter. Es sind wohl jene, die man dann als „gütig“ bezeichnet.

Meine persönliche Güte wurde zuerst von alten Rechten auf eine schwere Probe gestellt. Von Menschen, die jungen Antikriegsdemonstranten ein hasserfülltes „Ihr gehört doch alle ins Gas!“ entgegenbellten und nach anfänglichem Reden keinerlei Einsicht zeigten.

Erst Stunden oder gar Tage später bröckelten die Fassaden und gaben den Blick frei auf Berge von den Resten zerbrochener Träume und einem von Kriegen und Entbehrungen zerstörten Leben – und auf einen plötzlich entstandenen Neid auf junge Leute, die etwas taten, wozu man selbst vor vielen Jahrzehnten nicht die Courage aufbrachte, nämlich Widerstand leisten.

Meine persönliche Güte blieb unangetastet. Erst recht viele Jahre später, als ich erstmals mit jungen Rechten in Kontakt kam. Blasse Bübchen in Karl-Marx-Stadt, die abends hordenweise „Fidschis klatschen“ gingen und tagsüber gelangweilt an einer Bushaltestelle rumhingen.

Man musste kein Sozialpädagoge sein, um zu erkennen, dass die Burschen in Wahrheit nicht irgendwelche Vietnamesen verletzten wollten, sondern eine wie auch immer geartete Obrigkeit bestrafen, weil sie ihnen keine Perspektive für ihr junges Leben bot.

Weil Landschaften nicht blühen, wenn man dort für ausreichend Bananen und Farbfernseher sorgt und stattliche Autobahnkreuze baut, aber ehedem funktionierende Sozialgefüge zerstört. Mit diesen Jungs hatte meine persönliche Güte keinerlei Probleme.

So lernte ich dank der Weisheit meines Vaters viele Jahrzehnte lang durch reden zu verstehen oder zumindest im Ansatz nachzuvollziehen. Das gelang mir bei fast allen Menschen, außer vielleicht bei jenen, die mir partout die Existenz eines Gottes glaubhaft machen wollten – und neuerdings anderen Verschwörungstheoretikern, den Corona-Verharmlosern.

Und da, das muss ich gestehen, bin ich mit meiner Güte am Ende. Denn ich will nicht verstehen, was ich nicht verstehen kann. Wenn mir jemand in brütender Hitze von andauerndem Schneefall erzählt, denke ich halt eher an Psychiatrie als an Verständnis.

Und ja, ich werde neuerdings schroff. Wenn ich lauter kleine Trumps erleben muss, die bewusst die Wahrheit verdrehen, sehe ich darin keine Marotten, sondern Anzeichen einer beginnenden Massenpsychose. Und dass die sogenannte Alternative für Deutschland da munter mitmischt, tut nicht Wunder. Denn ein solches Phänomen hatten wir schon einmal im Deutschland. (Von Michael Herl)

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