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Vor 66 Millionen Jahren gab es bereits ein Artensterben - 12 Millionen Jahre brauchte die Erde danach, um wieder ins Gleichgewicht zu gelangen.
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Vor 66 Millionen Jahren gab es bereits ein Artensterben - 12 Millionen Jahre brauchte die Erde danach, um wieder ins Gleichgewicht zu gelangen.

Kolumne

Menschengemachte Ausrottungswelle: Das große Artensterben wiederholt sich

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Die Universität Gießen hat eine Studie zum Massenaussterben von Tieren und Pflanzen veröffentlicht. Auf eine Erholung der Bestände kann nicht gewartet werden. Die Kolumne.

Alles wird gut! Nicht sofort, aber vielleicht in ein paar Millionen Jahren. So lang wird es wohl dauern, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist zwischen der Zahl aussterbender Tier- und Pflanzenarten und der neu entstehender Arten. Das besagt zumindest eine Studie, die ein interdisziplinäres Wissenschaftsteam unter Leitung der Universität Gießen in der letzten Woche veröffentlicht hat.

Es verglich die aktuelle Biodiversitätskrise mit dem letzten großen Massensterben, als ein Meteoroideinschlag auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán drei Vierteln aller Arten der Erde den Garaus machte. Allen voran den Dinosauriern.

Klimawandel, Waldzerstörung, Umweltverschmutzung: Das Artensterben ist menschengemacht

Das war vor 66 Millionen Jahren. Gigantische Wolken aus Gas und Asche verdunkelten die Erde und erstickten das Leben. Die Forschenden schätzten, wie lange es damals dauerte, bis sich das Leben von diesem globalen Rums erholte. Immerhin währte die anschließende Aussterberate erst einmal fünf Millionen Jahre, danach begann eine Erholungsphase. Insgesamt brauchte unser Globus zwölf Millionen Jahre, um wieder ein gewisses Gleichgewicht zwischen aussterbenden und neuen Arten herzustellen.

Berechnungen zeigen aber auch, und das ist eine schlechte Nachricht, dass das Artensterben heute sehr viel schneller erfolgt als damals und deswegen die Erholungsphasen noch deutlich länger dauern könnten. Und eine zweite schlechte Nachricht folgt auf dem Fuße: Die aktuelle Ausrottungswelle wird erst einmal noch lange weiter rollen, selbst wenn wir deren Auslöser sofort stoppen.

Tier- und Pflanzenarten weltweit8 Millionen (5,5 Millionen Insekten)
Tierarten vom Aussterben bedroht1 Million
Tierarten mit unzureichendem Lebensraum5,9 Millionen

Waldzerstörung, Landwirtschaft, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Übernutzung, die Liste der Ursachen ist lang und alle sind sie menschengemacht. Darin liegt aber auch die Chance.

Die Menschheit kann das selbst gemachte Artensterben stoppen

Gegen einen Meteoriten wären wir völlig machtlos und selbst vereinte Anstrengungen von Wladimir Putin, Xi Jinping und Joe Biden, unterstützt von Ursula von der Leyen, Angela Merkel und derzeit noch Jogi Löw, könnten ihn nicht verhindern, aber unseren selbst gemachten Artenverlust kann die Menschheit gemeinsam stoppen, indem sie etwas pfleglicher mit unserer Umwelt und sich selbst umgeht. Nur ist das bisher, entgegen allen internationalen Abkommen und Beteuerungen, nicht geschehen.

Noch eine schlechte Nachricht. Die Autoren dieser Studie (tatsächlich ist keine Frau dabei!) vollzogen ihre Überlegungen an der derzeitigen Situation von Organismen des Süßwassers. Und auf das ist der Mensch bekanntermaßen unbedingt angewiesen. Jetzt ist es ganz besonders in Gefahr, weil die Lebensgemeinschaften, die es beherbergen und gesund erhalten, zu kippen drohen.

Menschen sind auf Artenvielfalt angewiesen

Wenn es aus dem Studium der Geschichte des Lebens auf der Erde eine positive Erkenntnis gibt, dann die, dass es schon fünf große Aussterbewellen gab, auf die regelmäßig Erholungsphasen mit ganz neuen Arten und Ökosystemen folgten.

Doch auch das kann nicht wirklich trösten. Denn das geschah viele Zigmillionen Jahre, bevor sich die ersten Menschlein entwickelten. Diese sind aber heute auf Gedeih und Verderb auf die Artenvielfalt angewiesen, inmitten derer sie entstanden sind. Und wer von uns will schon zwölf Millionen Jahre warten, um zu sehen, ob auch nach der jetzigen sechsten Aussterbewelle alles wieder gut wird. (Manfred Niekisch)

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