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Mitglieder der Umweltschutzorganisation BUND demonstrieren. (Symbolbild)
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Mitglieder der Umweltschutzorganisation BUND demonstrieren. (Symbolbild)

Kolumne

Schluss mit Umweltschutz!

  • Maren Urner
    VonMaren Urner
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Hier das „Ich“,dort die Natur oder das Klima? Wir sollten uns von dieser unsinnigen Unterscheidung verabschieden. Die Kolumne.

Wir alle kennen sie. Die mahnenden Worte, die uns zu mehr Umweltschutz auffordern. Begonnen hat es bei den meisten wohl im Kindergarten oder der Grundschule. Als die Erzieher:innen uns einbläuten, dass wir Müll weder auf die Straße noch in Wald und Wiesen werfen sollten. Je nach Generation wuchsen wir im Bewusstsein auf, dass der Wald im Begriff war, zu sterben, das Ozonloch immer größer würde oder die Ozeane voll von Plastik seien.

Wir alle kennen sie. Die mahnenden Plakate, Artikel und Dokumentationen, die uns zeigen, wie schlecht es um den Zustand der Erde bestellt ist. Artensterben, vergiftete Flüsse und schmelzende Gletscher.

Wir alle kennen sie. Die mahnenden Worte, die im Zuge der Klimakrise längst zur täglichen Dosis an medialen Hiobsbotschaften dazugehören. Mit Blick auf den Zustand unseres Planeten sieht es nicht gut aus. Da liegt es auf der Hand, dass wir die Umwelt schützen müssen.

Die einen tun das mit stolzer Brust auf dem Rad sitzend, den Jutebeutel geschultert, in dem die Einmachgläser klappern. Die anderen tun es mehr oder weniger freiwillig, weil mittlerweile auch die Discounter Papiertüten mit einem Mix aus grünem Punkt und grünen Herzchen an der Kasse ausgeben. Und während die notorischen Weltverbesserer es sich mit Zero-Waste-Büchern, gedruckt auf Recyclingpapier, im Tiny House bequem machen, berechnen die selbsternannten Analysten, wie oft eine Plastiktüte wiederverwendet werden muss, damit sie die bedruckte Papiertüte qua verbrauchter Ressourcen schlägt und ob der Jutebeutel wirklich die 42 Waschvorgänge aushält, die nötig sind, um den Energieverbrauch der Herstellung zu rechtfertigen.

Warum tun wir das? Na, das ist doch sonnenklar! Der Umwelt zuliebe!

„Stopp!“ Das möchte ich laut rufen, ja schreien. Immer dann, wenn mir jemand etwas von Umwelt-, Klima- oder Naturschutz erzählt. Immer dann, wenn mich die mahnenden Worte, Plakate und Botschaften auffordern, Umwelt, Klima und Natur zu schützen. Immer dann, wenn mir nahegelegt wird, es gäbe ein „Ich“ und eine „Um-Welt“. So ein Quatsch!

Wie absurd diese Vorstellung ist, erfahre ich, wenn ich auf den Teller meiner nächsten Mahlzeit schaue. Ich erfahre es, wenn ich bei 40 Grad im Schatten ins Schwitzen komme, eingeschneit das Haus nicht mehr verlassen kann oder beim nächsten Sturm fast vom Fahrrad geweht werde. Ich erfahre es, wenn ich einen bewussten Atemzug nehme. Ich bin Teil dieser Welt.

Warum ist diese Erkenntnis so wichtig? Weil unser Gehirn immer und überall gruppiert, ein- und ausschließt. Du gegen mich. Frauen vs. Männer. Links vs. rechts. Radfahrer vs. Autofahrer. Die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen. Allgemein gesprochen, geht es immer um ein „Wir“ gegen „die Anderen“.

Dieses tief in uns verankerte Gruppendenken schafft Zugehörigkeit und Ausgrenzung zugleich. Ständig ordnen wir uns zu und entscheiden – häufig unbewusst –, wem wir vertrauen, wen wir unterstützen, wem wir helfen – und wem nicht. Das Tolle ist: Wir können Gruppen und Zugehörigkeiten neu definieren. Wie alles andere auch, beginnt dieser Prozess in unserem Kopf und äußert sich in unserer Sprache.

Also Hand aufs Hirn: Wir müssen aufhören, zwischen „uns“ und „Umwelt“ zu trennen, und vielleicht besser von einer „Mitwelt“ sprechen. Wir müssen begreifen, dass wir nicht die Umwelt schützen müssen, sondern uns, und vielleicht besser von „Menschenschutz“ sprechen. Wem das alles zu „öko“ oder „grün“ klingt, den frage ich: Wie lange kannst du die Luft anhalten?

Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie und Neurowissenschaftlerin.

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