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Schluss mit dem Vertrösten

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Von: Manfred Niekisch

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Ziel der Konferenz ist es unter anderem, die Plastikflut in den Meeren zu stoppen.
Ziel der Konferenz ist es unter anderem, die Plastikflut in den Meeren zu stoppen. © Andrey Nekrasov/dpa

Endlich findet die Konferenz zur Biodiversität statt. Die Zeit drängt. Bedauerlich ist, dass private Initiativen die Vorbereitungen nicht begleiten dürfen. Die Kolumne.

Corona ist schuld. Zumindest nahm das die Führung Chinas als Argument, um die mit viel Hoffnung erwartete 15. Konferenz der Vertragsstaaten zur „Konvention über Biologische Vielfalt“ (CBD) im Herbst in Kunming ein weiteres Mal zu verschieben.

Eigentlich hätte dieses Weltereignis schon 2020 stattfinden sollen, doch eine Verschiebung jagte die andere. Schließlich reichte es den Umweltministerinnen und -ministern der G7-Staaten, und bei weitem nicht nur ihnen. Der politische Druck auf das fernöstliche Riesenreich wurde zu groß. Deswegen hat dessen Regierung jetzt einem merkwürdigen Kompromiss zugestimmt. China bleibt Ausrichter der Konferenz, stimmt aber alles eng mit der kanadischen Regierung ab.

Manfred Niekisch.
Manfred Niekisch. © Michael Schick

Warum Kanada? Weil die Konferenz dort stattfinden wird, in Montreal. Im Dezember dieses Jahres. Nicht erst nächstes Jahr und nicht in Kunming, worauf die chinesischen Verschieber zunächst bestanden hatten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sekretariates der CBD bis hinauf zu ihrer höchsten Chefin dürfte es freuen, denn sie können am Ort bleiben und brauchen keine Unterlagen durch die Welt zu schleppen: Der Sitz ihres Büros ist Montreal.

Beim Luftverkehrsaufkommen für diese Konferenz über Natur- und Umweltschutz dürfte das jedoch kaum entlastend ins Gewicht fallen, denn es werden Tausende von Teilnehmenden aus der ganzen Welt erwartet. Ob es wenigstens gelingt, das Ereignis, wenn es denn schon so viel CO2 in die Luft blasen wird, plastikfrei und mit möglichst geringem Papierverbrauch durchzuführen, wird sich erweisen.

Jedenfalls geht es bei der Veranstaltung um sehr viel. Denn es soll ein Abkommen verabschiedet werden, mit dem unter anderem 30 Prozent der Meeres- und Landflächen der Erde unter Schutz gestellt werden. Die Plastikflut soll ganz gestoppt werden. Schon 2030 soll der Einsatz von Pestiziden weltweit um zwei Drittel gesenkt sein.

Besonders aber soll nun endlich die dramatisch zunehmende Ausrottung der biologischen Vielfalt erheblich reduziert werden. So ein Ziel gab es schon einmal. Es sollte bis 2010 erreicht sein. In vier aufeinanderfolgenden Sitzungen zum Strategischen Plan der Konvention wurde dies bestätigt, zudem von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Ziel verabschiedet, und all das, nachdem 2002 die Mitgliedsstaaten der Konvention dieses „Target 2010“ als höchste Priorität definiert hatten.

Die damals millionenfach verteilten Anstecknadeln und Aufkleber haben heute allenfalls noch aus der Zeit gefallenen Nostalgiewert. Das Ziel wurde krachend verfehlt. So ist es nur logisch, dass auch das Ziel der Reduktion der Armut, zu dem der verbesserte Schutz der Biodiversität beitragen sollte, nicht erreicht werden konnte. Fest steht, dass für die jetzt in den Fokus genommenen Ziele sehr entschlossenes politisches Handeln erforderlich ist und dass dabei das Engagement der Zivilgesellschaft, der Organisationen von Indigenen und Naturschutzverbänden unverzichtbar ist.

Doch bei der am vergangenen Dienstag begonnenen Vorbereitungskonferenz in Nairobi wurden überraschenderweise nur wenige der eigens angereisten privaten Organisationen zugelassen. Sie waren es vor allem, die bei den früheren Verhandlungen zielführende Beschlüsse der Regierungen einforderten. Soll das diesmal verhindert werden?

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

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