Das Phänomen der Demonstrationen rund um Corona beinhaltet auch immer, dass die Polizei auf die Falschen losgeht.
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Das Phänomen der Demonstrationen rund um Corona beinhaltet auch immer, dass die Polizei auf die Falschen losgeht.

Kolumne

„Querdenker in Frankfurt“: Schlimmer geht immer

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Mit versteckter Kamera war ich mal in einer Psychiatrie. Dort bin ich auf mehr Vernunft gestoßen als am Samstag bei der Demonstration der „Querdenker“. Die Kolumne.

Eigentlich wollte ich mich dieses Themas nicht mehr annehmen. Manches ändert sich nämlich nicht, auch wenn man noch so oft drüber schreibt. So auch das Phänomen der Demonstrationen rund um Corona. Einerseits. Andererseits haben mir viele Leute böse Mails geschrieben und mir vorgeworfen, nur zu schimpfen und wohl noch nie bei einer dieser Veranstaltungen gewesen zu sein. Ich solle dies doch einmal tun, dann werde ich schon sehen, dass alles ganz anders sei, als es von den immerfort lügenden Massenmedien dargestellt werde.

„Querdenker“ in Frankfurt: Jede Menge Rechte ohne Deko

In einem Punkt haben sie recht, dachte ich mir, ich war tatsächlich nie da. Am vergangenen Samstag gab es eine jener Demos, praktischerweise bei mir um die Ecke, also ging ich mal hin. Und siehe da, ich musste erkennen, die Leute hatten auch in einem anderen Punkt recht. Es ist tatsächlich anders als ich dachte.

Um eines vorwegzunehmen: Rechte waren jede Menge da, aber ohne Deko. Also keine Bilderbuchnazis mit Reichskriegsflagge und Hitlergruß. Kein Wunder, die sollen ja auch nicht reisen, wegen Corona und so. Und übernachten dürfen sie nur aus dringenden beruflichen Gründen. Daran hielten sie sich offensichtlich und blieben in ihren Löchern. Geht doch.

Einerseits. Andererseits war das schade. Denn das Fehlen dieser braunen Kameraden machte mir die Sache nicht leichter. Mit ihnen fehlte mir nämlich auch die Angriffsfläche für Kritik. Zumindest auf den ersten Eindruck. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sahen nämlich aus, als wären sie gerade auf dem Weg vom Vormittagsshoppen zum Nachmittagsschoppen. Bis sie den Mund aufmachten.

Mehr Venunft in der Psychatrie als auf einer „Querdenker“-Demo

Bevor ich nun lange beschreibe, sei vorausgeschickt, dass ich einmal für „Report Baden-Baden“ vier Wochen lang mit versteckter Kamera in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Anstalt saß. Und mit Verlaub gesagt: Ich bin dort auf mehr Vernunft gestoßen als am Samstag bei dieser Demo. Um es noch deutlicher auszudrücken: Ich war fassungslos.

Und ich musste erkennen, dass alles, was ich in den Massenmedien gelesen, gehört und gesehen hatte, tatsächlich die Bezeichnung „Lügenpresse“ verdient. In Wahrheit ist nämlich alles viel fürchterlicher als in der öffentlichen Berichterstattung. Das ist alles geschönt. Pfui!

„Querdenker“: Wie bescheuert sind die dann alle?

Ich bin gerade sehr froh, mich in einer Kolumne zu befinden, denn in keiner anderen journalistischen Form könnte ich meinem Entsetzen so gebührlich Ausdruck verleihen. Also: Wie können denn so viele, augenscheinlich ganz normale Menschen so einen gigantischen Haufen Schwachsinn fühlen, denken und reden? Wie geht das denn in einer aufgeklärten Gesellschaft?

Wie kann man Sätze sagen wie: „Sie dürfen nicht den Massenmedien glauben, Sie müssen sich informieren. Gehen Sie mal ins Internet, dort gibt es Google, da steht alles drin!“ Oder „wollen Sie denn noch mehr tote Kinder?“ Oder angesichts weltweit 1,3 Millionen Covid-19-Toten „jede Erkältung ist schlimmer!“. Und wie kann man eines der demokratischsten Systeme der Welt als Diktatur beschimpfen? Wie bescheuert sind die denn alle?

Jetzt kommen sicherlich Vorwürfe, ich habe absichtlich nur das gesehen, was ich sehen wollte. Dem kann ich jetzt schon entgegentreten und mit Fug und Recht behaupten: „Nee, Leute, so etwas wollte ich mit Sicherheit nicht sehen.“

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