Wie wohl eine Koalition aus Hering und Möwe laufen würde?
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Wie wohl eine Koalition aus Hering und Möwe laufen würde?

Kolumne

Schaf, Hering oder Dackel

  • vonManfred Niekisch
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Elefant und Esel sind die Symbole der Parteien in den USA. Bei uns ist es schwierig, geeignete Wappentieren zu finden. Die Kolumne.

Sie zieren Fähnchen, Girlanden und Plakate, als Symboltiere der beiden großen Parteien in den USA. Es ist um die 150 Jahre her, dass der Illustrator Thomas Nast mit seinen Karikaturen in US-amerikanischen Zeitungen den Elefanten für die Republikaner und den Esel für die Demokraten etablierte.

Er stammte aus Deutschland, dennoch sind diese Wappentiere auf unsere Vorstellungswelt kaum übertragbar. Der republikanische Elefant legt die negative Vorstellung von einem solchen Tier im Porzellanladen allzu nahe. Ganz zu schweigen von den Vorurteilen und ungerechten Primitiv-Assoziationen bezüglich des Esels der Demokraten.

Keine unserer politischen Parteien hat ein Wappentier oder führt ein solches im Namen. Das ist ein markanter Unterschied zu unseren Eishockey-Clubs. Halt, die Grauen Panther haben sich namentlich zwar eindeutig festgelegt, aber ohne dies bildlich korrekt umzusetzen, denn ihr Panther ist ziemlich schwarz.

US-amerikanischer Esel und Elefant stammen nicht nur aus derselben Feder, sondern tragen auch beide die Farben des Sternenbanners. Analog könnten sich unsere politischen Parteien Wappentiere in Schwarz-Rot-Gold zulegen.

Es müssten keine einheimischen Tiere sein, schließlich sind Elefant und Esel ja auch keine typisch amerikanischen Faunenelemente. Aber bleiben wir bei der Suche ruhig in unserem mit biologischer Vielfalt hinreichend gesegneten Lande. Immerhin gibt es auf nationaler Ebene die Übereinstimmung, dass die Wappentiere der USA und Deutschlands einheimische Adler sind, der in Nordamerika weit verbreitete Weißkopfseeadler und unser mit ihm nahe verwandter Seeadler.

Was aber wären Erkennungstiere für unsere politischen Parteien, um deren Ziele zu illustrieren und Anhänger zu gewinnen? Ein Schaf würde für Friedfertigkeit stehen, zudem für ökologische Kleidung. Aber für welche Partei?

Man könnte in ihm allerdings auch ein wenig intelligentes Herdentier sehen, das zu kopfloser Flucht neigt. Wer will sich so profilieren? Angesichts der aufgeheizten Emotionen und Abschussforderungen wäre es jedoch nur bedingt opportun, mit dem natürlichen Gegenspieler des Schafes, dem Wolf in Zusammenhang gebracht werden.

Der Hering wird zu oft mit Bismarck assoziiert, die Kreuzotter stünde symbolmäßig sicher nicht für Verfechter der Religionsfreiheit. Die niedlichen Eichhörnchen sind böse Nesträuber, was ihre Tauglichkeit einschränkt.

Bei der Gelbbauchunke ist der Wiedererkennungswert mangels Bekanntheitsgrades zu gering. Das Reh ist zu scheu, das Wildschwein zu schädlich, der Feldhamster umstritten. Der Seehund passt nicht zu Bayern, mit dem Wolpertinger könnten sich Nordlichter nicht identifizieren. Der Dackel ist Sinnbild für krumme Beine und liebenswerten Ungehorsam, der Schäferhund für Ordnung und Sicherheit, urdeutsche Tugenden eben. Welches Tier soll da zu welcher Partei passen?

Vielleicht bedarf es tatsächlich eines gewieften Karikaturisten, das zu erarbeiten, so wie es damals in Amerika geschah. Oder sollten unsere Parteien den US-Parteien darin gar nicht nacheifern?

Sonst wären die hierzulande nötigen Regierungskoalitionen nicht mehr beschrieben durch bunte Farbkombinationen. An die Stelle von Ampel oder Jamaica träte auch in den Parlamenten tierisches Durcheinander.

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