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Wir sehen jetzt ein größeres Bestreben, Schwarzes Leben sichtbar zu machen.
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Wir sehen jetzt ein größeres Bestreben, Schwarzes Leben sichtbar zu machen.

Kolumne

Rückblick auf das Jahr 2020: Viel gelernt für die Zukunft

  • Hadija Haruna-Oelker
    VonHadija Haruna-Oelker
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Der Anschlag von Hanau, Black Lives Matter, Corona und Hygiene-Demos. Was lernen wir aus 2020 für das neue Jahr? Ein Rückblick.

Müde. Das habe ich zum Jahreswechsel in vielen Posts gelesen. Besonders müde war ich im vergangenen Jahr im Sommer. So viel geredet, erklärt, mich abgearbeitet und nicht selten gedacht: Geht’s noch? Wie werden wir wohl in einigen Jahren auf 2020 blicken?

Mit den rassistisch motivierten Morden in Hanau hat es am 19. Februar angefangen. Jetzt ist es knapp ein Jahr her, dass die öffentliche Empörung nach dem Anschlag doch sehr verhalten klang.

Corona verdängt alles – doch Tragödie um George Floyd entfacht neue Rassismusdebatte

Im März verdrängte Corona alles und ein Thema wie Rassismus sowieso. Doch als ein weißer Polizist den Schwarzen George Floyd nicht mehr atmen ließ, setzte das im Mai eine ungeahnte Bewegung in Gang. Wer hätte gedacht, dass die Black- Lives-Matter-Proteste auch in Deutschland eine neue Rassismusdebatte entfachen würden. Sie schuf Raum für die ungehörten Geschichten, brachte die Verbindung nach Hanau, gab der Dekolonisierungsbewegung einen Schub, führte zu Entscheidungen. Zum Beispiel, dass die M-straße in Berlin endlich umbenannt und nach Anton Wilhelm Amo benannt wird, dem ersten Philosophen und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland. Einst ein Sklave aus Ghana. 1703 geboren.

Was wird 2021 hängenbleiben von den vielen Vorsätzen, jetzt mit Rassismus aufräumen zu wollen? Nicht wenige haben sich schließlich 2020 der Sache mit Schwarzen Bildern auf Instagram angeschlossen. Manche, weil’s Trend war. Aber popkulturelles Phänomen hin oder her: Die Aktion brachte Aufmerksamkeit und manchen ein neues Bewusstsein, wie es echte Mitstreiter*innen brauchen.

In Parlamenten, Ämtern, Theatern und Redaktionen fehlt die Diversität

Wir sehen jetzt ein größeres Bestreben, Schwarzes Leben sichtbar zu machen. Neue, diverser besetzte Formate in den Medien, auch mir fällt meine Arbeit jetzt leichter. Weniger schambesetzte Gesichter, in die ich blicke, wenn ich über Rassismus spreche. Highlight.

Halten wir also fest: Viele, kleine Schritte. Aber auch, dass es die Studie zu Rassismus bei der Polizei nicht geben wird. Noch nicht, muss aber. Und dass in Sachen struktureller Wandel im Bildungssystem und anderen Institutionen und Arbeitsfeldern noch viel zu tun ist. In unseren Parlamenten, Ämtern, Theatern und Redaktionen fehlt die Diversität und der Prozess von Zugeständnissen dauert zu lange. Es wird Zeit für eine Quote.

2021 könnte ein Jahr werden, um das 2020 Gelernte festzuschreiben

2020 wurde auch das Urteil von Halle gesprochen. Das im Fall des Mordes an Walter Lübcke folgt in diesem Jahr. Was wird noch passieren, um aufzuhalten, was sich auf der politisch rechten Seite im vergangenen Jahr Bahn gebrochen hat, auch weil Corona und die Kritik an politischen Maßnahmen einiges an Menschen zusammenbringt, die nichts Gutes im Sinn haben und die Pandemie in ihrem Sinne instrumentalisieren?

Erinnern wir uns an die Bilder der Hygiene-Demos (was für ein Name) mit Tausenden von Anhänger:innen, die kein Problem damit hatten, mit Aktiven rechter Milieus zu protestieren. Die damit einen Widerstand ausgebaut haben, der sich gegen die plurale Gesellschaft in Gänze richtet. Gegen Menschen, die vermeintlich anders sind als die Norm. Menschen, die sich für Gendersternchen oder diskriminierungsfreie Sprache aussprechen. Klassiker-Diskussion auch 2020.

So ist der gesellschaftliche Konsens wieder ein Stück weiter nach rechts gerückt und der Weg hin zu gleichberechtigtem Leben bleibt anstrengend. Aber die Voraussetzungen sind besser geworden. 2021 könnte deshalb ein Jahr werden, um das 2020 Gelernte festzuschreiben. Ich bin gespannt. (Hadija Haruna-Oelker)

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