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Kehrmaschinen: In einer mit Lärm ohnehin reichlich angefüllten Umwelt nerven die umhängbaren Krachmacher gewaltig. Doch mehr als das: Ihre zahlreichen schädlichen Wirkungen für Tiere, Pflanzen und sogar die menschliche Gesundheit sind erheblich.
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Kehrmaschinen: In einer mit Lärm ohnehin reichlich angefüllten Umwelt nerven die umhängbaren Krachmacher gewaltig. Doch mehr als das: Ihre zahlreichen schädlichen Wirkungen für Tiere, Pflanzen und sogar die menschliche Gesundheit sind erheblich.

Kolumne

Röhrende Rüssel

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Laubbläser machen Krach, schaden der Umwelt und unserer Gesundheit. Wenn das Laub nicht liegen bleiben darf, hilft der Besen weiter. Die Kolumne.

Endlich sind sie verstummt, all die Radau machenden Rasenmäher. Ihre Aktivitätsphase ist, saisonbedingt, für dieses Jahr abgeschlossen. Jetzt könnte eigentlich die vorweihnachtliche, süddeutsch romantisch genannte stade Zeit beginnen. Doch von der kann keine Rede sein, weil nun kommunale Betriebshöfe, Hausmeisterdienste und Gartenbesitzer mit Laubbläsern und Laubsaugern ohrenbetäubend laut herbstliche Sauberkeit zu erreichen versuchen. Rechen und Besen, das stille Kehren scheinen fast gänzlich der Vergangenheit anzugehören.

In einer mit Lärm ohnehin reichlich angefüllten Umwelt nerven die umhängbaren Krachmacher gewaltig. Doch mehr als das: Ihre zahlreichen schädlichen Wirkungen für Tiere, Pflanzen und sogar die menschliche Gesundheit sind erheblich. So erheblich, dass das Bundesumweltministerium und seine nachgeschalteten Fachbehörden, das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unisono vom Einsatz dieser Geräte abraten.

Dass die durch Verbrennungsmotoren angetriebenen Kraftpakete die Luft und unsere Lungen mit ihren Abgasen belasten, dürfte zum banalen Allgemeinwissen gehören. Aber auch abgasarme Bläser haben ihre dunklen Seiten, denn sie wirbeln Feinstaub im Straßenbereich und auf Gehwegen auf und blasen am Boden abgelagerten Dieselruß, den Abrieb von Reifen und Bremsen in unsere Atemluft. Zusammen mit Pilzsporen, tierischen Exkrementen und anderem Unrat entsteht ein ausgesprochen ungesundes Gemisch von fliegenden Partikeln, selbst in anscheinend gut gepflegten Parkanlagen.

Wissenschaftliche Studien haben nicht nur ergeben, dass mit der Laubbläserei im Vergleich zum Kehren mit dem Besen ein Mehrfaches an Feinstaub aufgewirbelt wird, sondern auch, dass es dadurch in der Tat zu einer gesundheitsgefährdenden Erhöhung der Keime in der Luft kommen kann.

Außerdem pusten die röhrenden Rüssel mit orkanartiger Geschwindigkeit Kleintiere wie Insekten, die doch eigentlich in Laubhaufen überwintern könnten und wollten, durch die Luft in den Tod. Noch ungesünder für die Tierwelt sind Laubsauger, die ihre eingesogenen Inhalte auch gleich häckseln.

Vielleicht brauchen wir eine neue Ästhetik, damit Laub auch einfach liegen bleiben darf, wo es nicht sicherheitsrelevant stört. Dünger für den darunter liegenden Boden und Verstecke für Kleintiere sind nur zwei gute Argumente, gefallene Blätter einfach liegen zu lassen.

Die Verschlechterung der eh schon ungesunden Luftverhältnisse in Städten und an Verkehrswegen, die Verlärmung der Umgebung, zusätzliche Belastungen der sowieso unter Druck stehenden Welt der Krabbeltiere scheinen auch für sich umweltbewusst gebende Kommunen noch keine hinreichenden Argumente zu sein, ihren Straßenreinigungskräften wo immer möglich einfach Besen und Rechen in die Hand zu drücken.

Das dürfte für die fleißigen Menschen in Orange nicht belastender sein als mit lauten, schweren und stinkenden, blasenden und saugenden Rucksäcken die natürlichen Folgen des Herbstes wegzupusten. Mit Besen und Rechen dauert das länger und wird etwas teurer? Mag ja sein, aber damit kaufen sich die Städte und Gemeinden bessere Luft, weniger Krach und ein bisschen Naturschutz. Und wie kehrende und bekehrte Privatleute können sie zu all dem das gute Gefühl haben, das aussterbende Handwerk der Besenbinder zu unterstützen.

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