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Rettende Moore und Auen

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Naturschutz ist Klimaschutz - das erkennt jetzt endlich auch das Bundesministerium für Umwelt. Neu ist die Idee aber nicht.

Das sollte sich ganz schnell ändern! Das Allwissensmedium Wikipedia kennt das Akronym ANK bisher als Autokennzeichen von Anklam, als Code für eine japanische Fluglinie und selbstverständlich auch – für alle, die ihre Betriebswirtschaftslehre verinnerlicht haben – als Kurzwort für Anschaffungsnebenkosten.

Wenn man bedenkt, dass es erst wenige Tage her ist, seit Bundesumweltministerin Steffi Lemke ihr eigenes ANK vorgestellt hat, erscheint etwas Geduld mit der Onlineenzyklopädie akzeptabel. Jedenfalls könnten die drei Buchstaben bzw. was sie verkörpern noch ganz besondere Bedeutung gewinnen. Sie stehen für das „Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz“. So simpel die Idee ist, hat es doch lange gedauert, bis die Spitzen bundesdeutscher Politik der Logik nun endlich Folge leisten – oder das zumindest ankündigen.

Klima profitiert von Biodiversität

Das trotz aller Beteuerungen auch in Deutschland krachende Verfehlen der Klimaziele soll nun aufgefangen werden, indem die Natur unterstützt wird. Und zwar dabei, einfach die natürlichen Ökosysteme wirken zu lassen beziehungsweise wieder zu befähigen, ihre klimaschützenden Effekte zu entfalten. Eckpunkte dazu sieht das ANK vor in der Wiedervernässung von Moorböden, dem Schaffen einer verbindlichen Strategie zum Meeresschutz, Maßnahmen zum Verbot von Holzeinschlag in öffentlichen Wäldern, der Renaturierung von Flussauen.

Das alles sind Forderungen und Vorschläge, welche die deutschen Naturschutzverbände schon seit langem auf der Liste haben. Noch immer kann sich die Bundesumweltministerin dort weitere Anregungen holen. Das ermöglicht wunderbare Klimaschutzaktionen, die zugleich ein ebenso wichtiges, aber gegenüber dem Klimaschutz unterbewertetes Riesenproblem mit angehen können: nämlich den Verlust der Vielfalt des Lebens, der Biodiversität.

Erst Putins Krieg bringt Energiespar-Appelle

Vier Milliarden Euro sollen für das ANK ab sofort zur Verfügung gestellt werden, bis 2024. Da will man erst einmal gar nicht herumnörgeln, wie wenig das ist im Vergleich zum neuen Verteidigungshaushalt. Freuen wir uns erst einmal, dass mit dem ANK eine riesige Chance geschaffen wird für unsere Umwelt und Lebensqualität.

Wir wollen auch nicht bemäkeln, dass es dieses brutalen Putin-Kriegs bedurfte, bis Deutschlands neue politische Spitzen nun laut dazu aufrufen, massiv Energie einzusparen. Gerade beim Gas, als Übergang zu Kraftwerken, die ganz ohne fossile Brennstoffe, allein mit erneuerbaren Quellen auskommen. Mit etwas mehr Voraussicht bezüglich unschöner politischer Abhängigkeiten und klimatisch ungünstiger Energieimporte hätte man auch das so brisant gewordene Nord-Stream-2-Vorhaben gar nicht erst aus der Taufe heben müssen.

Zeitenwende durch Naturschutz

Was die Umsetzung des ANK angeht, wäre allerdings angesichts der bisherigen Erfahrungen mit unerfüllten Ankündigungen und unzureichenden Initiativen zum Schutz von Klima und Biodiversität eine gewisse Skepsis verständlich. Es könnte aber durchaus sein, dass die jetzige Bundesregierung wirklich verinnerlicht hat, wie Natur und Klima zusammenhängen und sich wechselseitig schützen lassen. Und entsprechend handelt. Vielleicht entwickelt sich ANK dann zum Kürzel für den Aufbruch in die überfällige Zeitenwende.

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