Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Solange Corona nicht weltweit zurückgedrängt ist, bleibt Reisen ein Risiko.
+
Solange Corona nicht weltweit zurückgedrängt ist, bleibt Reisen ein Risiko.

Kolumne

Reisen fehlt

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
    schließen

Begegnungen sind wichtig. Nur im direkten Gespräch entsteht ein Gefühl füreinander. Die Kolumne.

Es ist knapp 150 Jahre her, da traf der damalige preußische Reise- und Kriegschronist Theodor Fontane in Straßburg auf einen Amerikaner. Das Zufallsgespräch handelte von diesem und jenem, es war die Zeit deutscher Herrschaft im Elsass. Der Preuße, letztlich obrigkeitsfreundlich gesonnen, hat über diese Begegnung später erstaunt notiert, der Amerikaner habe ihm erklärt: Die Welt, das sei Amerika. Und er, Fontane, habe sich nicht getraut zu widersprechen.

Wahrscheinlich hat ihn Letzteres noch mehr gewurmt als Ersteres. So sind Beobachtende nun mal: Sie nehmen sich zurück, sind vorsichtig, sie beobachten ja. Es war aber ein Gesprächsverlauf, den man sich bis heute gut vorstellen kann. Inneres Kopfschütteln, höfliches Schweigen, der andere bleibt einem eben doch fremd, was nicht nur deutsch-amerikanisch oft so ist. Das Widersprechen ist aber auch da schwierig geblieben, die Trump-Jahre haben es gezeigt. Und man spürt geradezu die deutsche Befangenheit, sobald den Amerikanern etwas missfällt, und sei es eine deutsch-russische Ölpipeline.

Nun kann man einwenden: Joe Biden hat den Pipelinestreit und sogar die horrenden Forderungen nach mehr Militärausgaben ja runtergedimmt, da gibt es weniger zu widersprechen. So weit, so erfreulich. Eine andere Frage ist aber, ob nicht gerade dies eine Zeit wäre, in der Dialog wieder sehr viel engagierter werden müsste. Austausch von Gedanken, Begegnung, sowohl organisiert als auch (oft wichtiger) zufällig, siehe vor 150 Jahren in Straßburg.

Solange Corona nicht weltweit zurückgedrängt ist, bleibt Reisen ein Risiko. Solange die internationalen Klimaschutzziele nicht annähernd erreicht sind, werden auch prinzipielle Vorbehalte gegen Fernflüge ein Thema bleiben. Wie kann unter solchen Bedingungen künftig weltweit persönliches Kennenlernen funktionieren? Von organisiertem Jugendaustausch bis hin zu großen Reisen, zumal Jüngerer: Da gibt es eine reale Gefahr. Da könnte nun etwas dauerhaft wegbrechen.

Von wegen nur wir und nur Amerika: Ferne, zumal arme Länder drohen als Reiseziele noch unattraktiver zu werden, die Menschen dort könnten uns noch gleichgültiger werden. Der Blick auf Russland und China lehrt zudem, wie schnell es auch anderswo gehen kann, dass Menschen mit dem Gefühl aufwachsen, ihr Land sei doch eigentlich gleichbedeutend mit der Welt. Zum Teil ist so etwas Ausdruck der schieren Größe eines Landes, die immer Selbstbezogenheit fördert. Häufig wäre es aber auch beeinflussbar, wenn man das denn künftig noch will: durch wieder mehr Begegnung.

Inzwischen kann wenigstens impfgeschützt wieder passieren, was Fontane vor fast 150 Jahren in Straßburg erlebte: zufällig auf Amerikaner treffen. Die ersten sollen rund um das Brandenburger Tor oder in der Frankfurter Altstadt schon gesichtet worden sein. Man muss dann zwar damit rechnen, dass sie immer noch der Meinung sind, die Welt liege eigentlich vor allem in Amerika. Aber es ist kein Wagnis mehr zu widersprechen.

Man muss dann freilich die Gegenfrage einkalkulieren, warum Europa so oft wie abwesend wirke. Und vor dieser Frage keine Angst haben. Nicht nur, weil Abwesenheit im Alltag manchmal seine Vorteile haben kann. Sondern weil die Frage berechtigt und so ein Gespräch ja im Kleinen genau das ist, was auch im Großen oft fehlt: Anstoß für ehrliche Neugierde und Nachdenken über sich selbst. Nur so entsteht ein Gefühl voneinander. Ohne wieder zu reisen, geht das nicht. Welches neue Gefühl es sein könnte, etwa deutsch-amerikanisch? Das sollte entdeckt werden, solange der nächste Trump noch nicht regiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare