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An prominenter Stelle: In der Nähe des „Blauen Sofas“ waren rechte Verlage platziert.
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An prominenter Stelle: In der Nähe des „Blauen Sofas“ waren rechte Verlage platziert.

Kolumne

Räume des Widerstands

  • Hadija Haruna-Oelker
    VonHadija Haruna-Oelker
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Zeichen setzen gegen rechts: Das müssen wir auch in Kunst und Kultur. Aber wie? Die Kolumne.

Wie man es macht, macht man es verkehrt, wird mancher jetzt wenige Wochen nach der Buchmesse resümieren. Schon fast ist die Debatte um rechte Verlage verhallt. Noch ein paar hinterherdümpelnde Kommentare: War es nachvollziehbar, Verständnis mit den Schwarzen Autorinnen und ihrem Boykott gehabt zu haben? Oder eher die Buchmesse verteidigen, die es mit der Ausladung aufgrund mangelnder rechtlicher Chancen gar nicht erst versucht hat, sich aber auch nicht darum gekümmert hat, ein ungemütliches, „kontrolliertes“ Abseits für die Rechten zu suchen?

Ehrlich: Auch ich habe keine Lust, Rechten mehr Aufmerksamkeit zu schenken als nötig. Aber nicht über sie zu reden, bringt auch nichts. Schließlich sind sie da, als Teil unserer Geschichte und Gegenwart. Wünschenswert wäre, dass sie an so wenig öffentlichen Orten wie möglich aktiv wären. Aber dem ist leider nicht so, im Gegenteil. Sie weiten ihre Räume.

Das sehen viele nicht und andere fokussieren lieber auf die Gefahr von links. So lebt sich’s entspannt in der Mitte, die im Übrigen eine „geforderte“ ist, wie die letzte Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt. Weil ihr der Rechtsextremismus, Populismus und Rassismus inzwischen so sehr zusetzt, dass sie selten so gefordert war wie jetzt.

Haltung und Handlung wären also gefragt, aber die werden im Umgang mit Rechten und Rassismus ganz unterschiedlich gesehen. Es ist wie mit der Kunst und ihrer Rezeption. Nehmen wir als Beispiel die Werke der Schwarzen Künstlerin Kara Walker, die aktuell in der Frankfurter Schirn zu sehen sind. Seit Ende der 90er provoziert sie mit ihren Arbeiten beim Publikum unterschiedliche Gefühle, weil sie das Leiden Schwarzer Menschen und rassifizierende Stereotype verarbeitet.

In ihren comicartigen Zeichnungen bedient sie sich historisch belasteter Motive: Schwarze überzeichnete Frauen, nackt, mit großen Brüsten, Lippen und Hinterteilen in unterwürfigen Positionen. „Satire als Kritik der Wahrnehmung“ heißt es im Ausstellungstext. Walker will das Publikum konfrontieren, aufmerksam machen. Die Frage ist, ob sie es damit schafft, Rassismus nicht nur zu reproduzieren, sondern ins Bewusstsein zu rufen, zu „reclaimen“. Schlussendlich entscheidet das Publikum, ob die Rück-Aneignung gelingt, die die Unterdrückung überwindet.

Die Buchmesse und Walker. Zwei unterschiedliche Beispiele, doch werfen beide die Frage auf: Wie mit Rassismus, Menschenfeinden und ihrer Gewalt umgehen? Welche Form finden, um sich verantwortlich zu zeigen? Anerkennend, dass es die Bedrohten gibt und dass es meistens sie sind, die eine Diskussion darüber anstoßen. Nicht ohne Grund werden ihre Proteste lauter, weil sie so lange nicht mitgedacht wurden. Heute reden sie mit, wenn es um Kunst, Kultur oder eben die Buchmesse geht.

Es sind auch ihre Räume, und in diesen treten sie inzwischen nicht mehr vereinzelt auf. Es geht für sie nicht mehr darum, toleriert, sondern mit all ihren Unterschieden akzeptiert zu werden. Sie sind ein heterogener Chor kritischer Stimmen und unterschiedlicher Meinungen mit einem breiten Repertoire an Forderungen. Eine davon hat die Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels, Tsitsi Dangarembga, so treffend in ihrer Preisrede formuliert, als sie eine „neue Aufklärung“ forderte.

Die Welt verändert sich stetig und damit ist auch das letzte Wort in Sachen Buchmesse nicht gesprochen. Weil es sich hierbei nicht nur um Gefühle Einzelner handelt, sondern darum, wer sich wehrhaft zeigt. Wir werden die Rechten nicht los, wenn wir uns an sie gewöhnen oder sie aushalten. Mit tickenden Zeitbomben haben wir genug Erfahrungen gemacht.

Zehn Jahre ist es her, dass sich der NSU selbst enttarnte, der Unterstützerkreis ist auf freiem Fuß. „Faschismus entsteht, wenn nicht genug Antifaschisten da sind“, sagte der Lyriker Max Czollek kürzlich beim Auftakt des laufenden Textland-Literaturfestivals. Und damit hat er recht.

Hadija Haruna-Oelker ist Politikwissenschaftlerin und Autorin.

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