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Coronavirus - Äthiopien
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In Äthiopien sind bislang weniger als zwei Prozent der 120 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner gegen Corona geimpft.

Kolumne

Positiv in Addis

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Zur Erinnerung: In Afrika lässt es sich nicht nur sterben, sondern auch leben. Aber müssen wir deshalb so tun, als wäre alles gut? Die Kolumne.

Gelegentlich werde ich von beißenden Zweifeln an meiner Berichterstattung geplagt. Etwa, wenn ich dieser Tage E-Mails mit dem Ausruf: „Und das ausgerechnet in Addis Abeba!“ bekomme.

Die Mailschreiber haben mitbekommen, dass ich mit Covid-19 in einem Hotelzimmer der äthiopischen Hauptstadt festsitze – und sehen mich bereits als nächstes Pandemie-Opfer. Wie sollte man dem fiesen Erreger ausgerechnet auf dem trostlosesten der Kontinente entkommen können?

In meinem Fall: ganz gut. Ich sitze im fünften Stock eines Vier-Sterne-Hotels auf meinem Kingsize-Bett mit Fernseher, Kühlschrank und Internet und rufe den Room Service an, wenn mir nach einem Cappuccino, Orangensaft oder Steak zumute ist. Jeden Tag erhalte ich einen Anruf der freundlichen Rezeptionistin, die sich nach meinem Befinden erkundigt. Der Manager hat den covid-bedingten Superspartarif für die 25 Quadratmeter große Luxuskammer noch weiter reduziert: Offensichtlich will er sich nicht am Elend der Gäste bereichern.

Dass sich meine Symptome schon nach zwei Tagen wieder verabschiedeten, liegt offensichtlich daran, dass ich in meiner südafrikanischen Heimat bereits einmal geimpft wurde – und zwar mit dem Star unter den Impfstoffen, Biontech. Damit befinde ich mich in etwa auf dem Stand meiner Kolleg:innen in Frankfurt oder Berlin. Und das „ausgerechnet in Addis Abeba“.

Zur Person

Johannes Dieterich berichtet für die FR aus und über Afrika.

Hatte ich etwa vergessen zu berichten, dass man in Afrika nicht nur sterben, sondern auch leben kann? Bei der Durchsicht meiner jüngsten Hervorbringungen mit dem inneren Auge stößt zweifellos eine starke Schlagseite zugunsten von Elends- und Konfliktstories auf. Ein Umstand, den Leser:innen – vor allem aus der Tourismusbranche – auch regelmäßig beanstanden.

Ich räume mein Versäumnis ein: Afrika ist kein „shithole“ à la Donald Trump: Es ist ein von der Sonne und der irdischen Natur verwöhnter, wunderbarer Kontinent, mit fabelhaften Menschen und grenzenlosem Potenzial.

Werde ich den Schwerpunkt meiner Berichterstattung also künftig auf Afrikas Sonnenseite legen? Auf keinen Fall! Denn wem außer den Reiseanbietern, den regierungsnahen Spindoktoren und den PR-Abteilungen multinationaler Konzerne wäre damit geholfen? Wie würde bei einem äthiopischen Kleinfarmer, einer Küchenhilfe oder einem Taxifahrer eine Geschichte über die durchaus angenehme Weise ankommen, wie man in einem Hauptstadt-Hotel eine Covid-Infektion auskurieren kann – vorausgesetzt, man hat den ersten Pfizer-Schuss im Oberarm?

In dem 120-Millionen-Einwohner-Staat wurden bislang weniger als zwei Prozent der Bevölkerung geimpft, vom Aufenthalt in einem Vier-Sterne-Hotel können 99 Prozent der Bevölkerung nur träumen. Stattdessen müssen sie damit rechnen, in ihrer beengten Stadtwohnung oder ihrer Lehmhütte auch den Rest der Familie anzustecken. Und wenn sie das Pech haben, in der Tigray-Provinz zu leben, sind sie noch von schlimmeren Gefahren als den vom Virus ausgehenden bedroht: von Massakern, vom Völkermord, vom Hungertod.

Sollten auch Sie zu den Leser:innen gehören, die sich eine „positivere Berichterstattung“ aus Afrika wünschen, müssen Sie mir die Rückfrage gestatten: Positiv für wen?

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