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Armin Laschet verschenkt Gedichte von Heinrich Heine an seine Kolleg:innen.
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Armin Laschet verschenkt Gedichte von Heinrich Heine an seine Kolleg:innen.

Kolumne

Poesie im Kanzleramt: Armin Laschet verschenkt Heine-Gedichte – dabei wäre andere Lektüre angebracht

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Buchgeschenke im Ausschuss der Koalition können Verwirrung stiften. Statt der Gedichte von Heinrich Heine sollten sich die Politiker:innen mit anderen Inhalten auseinandersetzen.

Es war nicht zu erwarten, dass der CDU-Vorsitzende Armin Laschet bei seiner ersten Sitzung Zwist in den Koalitionsausschuss trägt. Aber schöne Romantik in Buchform war dann doch eine Überraschung.

Die Gedichte von Heinrich Heine sind passend, da Düsseldorf des Dichters Geburtsort und des Politikers Amtssitz ist. Hoffentlich hat Armin Laschet die Bände, mit denen er die Spitzen der Parteien und Fraktionen des Regierungsbündnisses bedachte, in einer Düsseldorfer Buchhandlung gekauft und nicht bei einem großen Versandhandel.

Private Läden brauchen finanzielle und politische Unterstützung derzeit mehr denn je, und Laschet hätte damit auf seinem mühsamen Weg zur Kanzlerkandidatur gleich beides geleistet. Das passende Geschenk zu finden, ist bekanntermaßen nicht immer einfach, auch nicht, wenn es aus der Kategorie „Bücher“ stammt.

Armin Laschet verschenkt Gedichte: Welches Buchgeschenk würde Söder machen?

Kanzlerin Angela Merkel könnte ihr eigenes Buch verschenken. Unter dem Titel „Der Preis des Überlebens“ hätte die geneigte Leserschaft Vergleichsmöglichkeiten, ob die im Jahre 1997 zu Papier gebrachten Ansichten der damaligen Umweltministerin realpolitisch bis heute fortbestehen. Jedenfalls war ihr Satz, dass die Bundesrepublik eine der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte durchlebt, sicher nicht auf Corona geprägt.

Auf welches Buchgeschenk die Wahl von CSU-Chef Markus Söder fallen würde, ist schwer zu ergründen. Ludwig Thoma und dessen „Lausbubengeschichten“ oder Peter Roseggers „Waldbauernbub“ sind zwar urbayerische Klassiker, legten aber die Gefahr unerwünschter Assoziationen allzu nahe und würden ihm deswegen politisch kaum förderlich sein.

Gedichte von Armin Laschet: Größter Lesebedarf besteht, wenn es um Umwelt geht

Mit dem schuhmachenden Meistersinger und gefeierten Dichter Hans Sachs verbände ihn immerhin die Heimatstadt Nürnberg, aber der wirkte rund 300 Jahre vor Heine und käme zudem als Anhänger der Reformation im katholischen Bayern nicht überall gut an.

Ob die Spitzen der SPD im Koalitionsausschuss, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, angesichts der Umfrageergebnisse ihrer Partei überhaupt den Kopf frei haben, um sich diesen über Buchgeschenke zu zerbrechen, ist zu bezweifeln. Und Vizekanzler Olaf Scholz dürfte sowieso schon zu viele finanzielle Belastungen haben, um auch noch über Geschenke nachzudenken.

Aber man könnte einmal überlegen, was die Mitglieder des Koalitionsausschusses am ehesten lesen sollten, außer Heine. Da wird schnell klar, dass größter Lern- und Lesebedarf besteht, wenn es um Natur und Umwelt geht.

Armin Laschet verschenkt Gedichte: Versteckte Absichtserklärung?

Es müssen nicht die 16 Bände von Grzimeks Tierleben sein. Viele deutlich kürzere und noch dazu brandaktuelle, alarmierende Veröffentlichungen vermitteln die dringende Notwendigkeit einer entschlossenen Umweltpolitik. Sie sollten Pflichtlektüre werden auch für politische Amtsträgerinnen und Amtsträger aus den Parteien, die nicht im Koalitionsausschuss sitzen.

Heinrich Heine schrieb 1828 in einem Brief an seinen Freund Varnhagen, er habe Sehnsucht nach der Hauptstadt Berlin. Versteckt Armin Laschet hier listig, wie in einem Danaergeschenk, seine eigene Absichtserklärung an die Kolleginnen und Kollegen im Koalitionsausschuss? Das wäre unklug, denn Heinrich Heine bemerkt im Satz davor: „Ich glaube das thut das Bier.“

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