Plastikmüll an einem Strand
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Weniger Plastikmüll: Gut für die Umwelt, gut für Mensch und Tier. Die deutsche Industrie hat aber mal wieder etwas dagegen.

Kolumne

Plastiksteuer der EU: Die Idee ist gut – und die deutsche Industrie meckert wieder

  • vonManfred Niekisch
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Mit einer neuen Abgabe auf Plastik soll der Umwelt geholfen werden. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat mal wieder etwas dagegen.

Die Idee ist gut, aber sie hätte besser sein können. Das Riesen-Geldpaket, das die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitglieder geschnürt haben, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzufangen, muss irgendwie gegenfinanziert werden. Deswegen enthält das Paket auch den Beschluss zu einer Plastikabgabe.

So weit, so gut, selbst wenn die Einnahmen daraus die Ausgaben bei weitem nicht decken. Gleichzeitig soll damit bewirkt werden, dass weniger Plastik in die Umwelt gelangt. Folgerichtig verlautet aus dem Bundesumweltministerium, dass dieses neue Instrument helfen werde, Europa umweltfreundlicher zu machen.

Plastiksteuer der EU: Für Enwegplastik könnte es endlich schön teuer werden

Mit der Abgabe belegt werden sollen Kunststoffverpackungen, die nicht recycelt werden können. Damit könnte Einwegplastik endlich schön teuer werden. Die Mitgliedstaaten der EU würden dadurch motiviert, ihre Recyclingsysteme kräftig auszubauen. Noch mehr, wenn der Beschluss so ergänzt wird, dass er möglichst alle Einwegprodukte aus Plastik erfasst.

Es gibt wohl (oder hoffentlich!) bundesweit keinen Kindergarten mehr, der das Thema Plastik in der Umwelt nicht schon spielerisch und malend behandelt hätte. Schulklassen machen Aufklärungsprojekte, Bürgerinitiativen fischen Plastikmüll aus Landschaft und Gewässern und für die Wissenschaft ist Kunststoff ein wesentlicher Grund, unser Zeitalter Anthropozän zu nennen. Das Zeitalter, in dem der Mensch die Erde völlig überformt hat, mehr als Erdbeben und andere Naturkatastrophen das je vermocht haben.

Es ist uns sogar gelungen, Mikroplastik in das Gewebe lebender Organismen, darunter Muscheln und Fische, einzuschleusen. Beabsichtigt war das nicht, denn Frutti di mare will der Mensch ja eigentlich genießen, im Risotto oder auf der Pizza. Kosmetika, Reifenabrieb, Kleiderfasern sind die Quellen, aus denen die schädlichen Miniteilchen in die Nahrungsketten gelangen. Aber auch aus dem sichtbaren Plastikmüll, der nicht wiederverwertet wird.

EU-Plastiksteuer setzt nicht am richtigen Ende an

Da setzt die neue Abgabe an. Leider nicht ganz am richtigen Ende. Denn als Berechnungsgrundlage sollen die nicht-recycelten Abfälle von Kunststoffverpackungen herhalten. Viel stärkere Lenkungswirkung hätte es, wenn die Zahlung schon fällig würde beim In-Verkehr-Bringen.

Die großen Plastiknutzer Coca-Cola und Nestlé überschwemmen mit ihren Einweg-Getränkeflaschen und Kaffeekapseln die Märkte und lassen die Müllberge wachsen. Ums Image bemüht, landen sie und andere Firmen zwar gute Werbegags, leisten aber kaum eine spürbare Entlastung der Umwelt.

EU-Plastiksteuer ist gut für die Umwelt: Die deutsche Industrie meckert

Hoffentlich entwickelt das neue System genug Druck auf die Firmen, endlich wegzukommen von diesem ressourcenvergeudenden und umweltschädlichen Einweg-Wahnsinn.

Ohne finanziellen Druck und rechtliche Instrumente scheint es nicht möglich zu sein, dass die einschlägige Industrie sich umstellt. Wie sonst könnte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Joachim Lang, behaupten, diese neue Steuererhöhung sei Gift für Wohlstand und Beschäftigung. Er verwechselt offenbar Wohlstand mit dem Profit einzelner Firmen. Und weiß er noch immer nicht, was Plastik in der Umwelt anrichtet? Wahrscheinlich sind ihm da sogar viele Kindergartenkinder an Wissen voraus. (Manfred Niekisch)

Meere sind zur Kunststoff-Deponie geworden, und die Corona-Pandemie verschärft das Problem in vielen Ländern noch. Doch es ist lösbar - sogar innerhalb einer Generation.

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