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Artistic 3D illustration of corona aerosol *** Artistic 3D illustration of corona aerosol 1044005751Man hofft geradezu, dass es nicht bald Mode wird, das allseits bekannte Coronavirus mit seinen Tentakeln in den Annoncen abzubilden.
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Man hofft geradezu, dass es nicht bald Mode wird, das allseits bekannte Coronavirus mit seinen Tentakeln in den Annoncen abzubilden.

Kolumne

Panzer und Osterfrieden

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Todesanzeigen und Polizeimeldungen erzählen mehr, als man denkt.

Wer fremde Gegenden kennenlernen will, dem sei dort ein Blick in die Lokalzeitung empfohlen. Am besten Polizeimeldungen und Todesanzeigen. Erstere erzählen, meist direkt übernommen, in recht rustikalem, regional eingefärbtem Beamtendeutsch über allerlei tragische Ereignisse und örtliche Regelverstöße. Letztere, die Todesanzeigen, lesen sich wie ein lokales „Who was who“. Und man erfährt was über Lebensstile, Vorlieben, Gebräuche.

In einer jener lokalen Fundgruben erschien kürzlich eine Traueranzeige für einen Herrn mit dem offenkundig passenden Namen Helm. Der war begeisterter Panzermann gewesen, unterzeichnet haben die Annonce die diesbezüglichen „Kameraden und Weggefährten“. Oben, wo anderswo eher ein christliches Kreuz üblich wäre, findet sich im Fall von Herrn Helm die Zeichnung eines Panzers. Kanonenrohr nach vorne, Maschinengewehr nach hinten gerichtet.

Man kann über diese Annonce sicher diskutieren, in städtisch-pazifistischen Milieus eher weniger. Jedenfalls soll sie etwas aussagen über den Verstorbenen – was man von den Anzeigen mit dem christlichem Kreuz nicht immer so sicher sagen kann. Gleich nebendran hat die Redaktion die Anzeige für den verstorbenen Sportfreund Kiesewetter gesetzt. Auch da ist ein Bild die Botschaft. Links neben dem Namen hat jemand einen Fußball reingestellt.

Man hofft geradezu, dass es nicht bald Mode wird, das allseits bekannte Coronavirus mit seinen Tentakeln in den Annoncen abzubilden. Womit denn doch die Frage aufgeworfen wäre, wie sich in derart bildfixierten Zeiten das Abschiednehmen überhaupt weiter entwickeln wird. Zumal die ewigjunge Generation der ehemals Aufmüpfigen, routinemäßig gerne mit der Zahl 68 benannt, langsam in das einschlägige Alter kommt.

So mit seiner Identität ins Bild gesetzt zu werden, wie man gelebt hat: Das ist, siehe Panzerkamerad Helm, geboren 1968 (aber im Osten), nicht ganz ohne. Womöglich wird in der gespaltenen Gesellschaft bald sogar die Todesanzeigenordnung noch ein strittiges Thema. Auch da hilft im Zweifel nur das Prinzip Vielfalt. Sogar deutsche Friedhofsordnungen werden nach und nach ja weltoffener.

Die Dinge sehen rückblickend eindeutiger aus, als sie es waren, im Kleinen wie im Großen. Es ist schwer, im Nachhinein weg vom Mainstream die vielen Ungewissheiten und auch Zweifel zu erklären oder gar ins Bild zu setzen. Bis irgendwann niemand mehr glaubt, dass es sie überhaupt gab. Geschweige denn, dass vieles hätte ganz anders ausgehen können. Geschichtsschreibung, das Privileg der Überlebenden, verwischt Zwischentöne.

So wird das auch mit den vermaledeiten Corona-Zeiten sein. Waren sie wirklich eine Initialzündung, ein Weckruf, wie es sich manche wünschen? Jede Wette: Als trübe, schwer vorstellbare Leidenszeit werden sie in den Annalen vorkommen, wenn sich an nächtliche Kanzlerinnenrunden und selbstgerechte Querdenker schon niemand mehr erinnert. Als trister Tunnel ganz am Ende der Merkeljahre, in dem freie Menschen wie gefangen waren. Als Zeit auch, in der die Trägheit des Staates unübersehbar wurde, was wiederum durchaus als Weckruf hätte verstanden werden können

Das aktuelle Bild dazu? Vielleicht ein ratloser Osterhase. Erst sollte alles ausfallen, was Spaß macht (außer Mallorca und Profifußball), dann hat eine selbstentzauberte Kanzlerin doch noch den Osterfrieden entdeckt. Bleibt als Hoffnung, dass wenigstens die Ostereier schmecken wie immer. Dass nicht erst an Pfingsten ein anderer Geist einzieht. Und dass Herr Helm doch mehr war als ein Panzerfreund.

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