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Das Cover vom „Süddeutsche Zeitung Magazin“ vom 05.02.2021. Warum löst die Aktion #actout eine kontroverse Debatte aus?
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Das Cover vom „Süddeutsche Zeitung Magazin“ vom 05.02.2021. Warum löst die Aktion #actout eine kontroverse Debatte aus?

Kolumne

Kritik an Outing-Initiative #actout: Homosexuellen wird Kalkül unterstellt

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Leider sind Rollenklischees hierzulande immer noch entscheidend. Oder warum löst die Aktion #actout eine kontroverse Debatte aus?

  • Mit der Initiative #actout haben sich 185 Schauspieler:innen lesbisch, schwul, bi, trans*, queer, inter und non-binär geoutet.
  • Auch der Schauspieler Ulrich Matthes hat sich als homosexuell geoutet.
  • Kritiker:innen scheinen zu befürchten, TV-Gewohnheiten von 1955 mit der Lebensrealität von 2021 anreichern zu müssen.

Ulrich Matthes dürfte einer der bekanntesten deutschen Schauspieler sein. In der Serie „Das Boot“ hat er gespielt, ebenso im „Tatort“; als heteronormativer Familienvater geht er auch durch – jede Rolle ist seine. Fragt sich, wie lange noch.

Immerhin hat er sich kürzlich als homosexuell geoutet, gemeinsam mit 184 Schauspieler:innen, die mit ihrer Initiative #actout mehr Sichtbarkeit einfordern. Eigentlich eine einfache Kiste. Menschen machen ihre sexuelle Identität zum Thema.

#actout: Schauspieler:innen wird sonst von Outing abgeraten

Und bevor es jetzt wieder heißt, wie egal es doch sei, wer mit wem schlafe, überhaupt seien wir ja hier in Deutschland und nicht in Katar: 185 Leute haben sich nicht aus Langeweile zusammengetan, um ein Manifest zu formulieren, das sie der heterosexuellen Normativität als gleichberechtigten Part zur Seite stellt: „Wir sind hier und wir sind viele! Wir sind Schauspieler:innen und identifizieren uns unter anderem als lesbisch, schwul, bi, trans*, queer, inter und non-binär.“

Fakt ist, dass Schauspieler:innen von einem Outing abgeraten wird, da es berufliche Nachteile mit sich bringt. Der alleinerziehende Papa mit drei Kindern und Gemüsegarten wird als der offen schwul lebende Herr X eher seltener besetzt als derjenige, der in der Öffentlichkeit dem Klischee zumindest nicht entgegensteht. Dass es zum Berufsbild gehört, potenziell alles spielen zu können, ist offenbar noch nicht überall angekommen.

#actout: FAZ unterstellt Outing-Initiative „Kalkül im Ringen um Aufmerksamkeit“

Wer kann etwas gegen die kulturelle Öffnung der Gesellschaft haben? Wem nimmt Frau Y etwas weg, wenn sie auf Instagram ein Bild mit sich und ihrer Freundin posten will, ohne berufliche Einschränkungen zu fürchten?

Niemandem, aber Gleichstellung zu diskreditieren, da hat sich beispielsweise die Feuilleton-Frau der FAZ, Sandra Kegel, beeilt. Wobei sich hier die Frage stellt, ob sie den Punkt nicht versteht oder einfach nicht verstehen will. „Kalkül im Ringen um Aufmerksamkeit“ unterstellt sie gar und weist darauf hin, dass einer wie Ulrich Matthes mit „Dauerpräsenz“ glänze. Könnte natürlich daran liegen, dass Matthes sich all die Jahrzehnte seines Berufslebens eben nicht geoutet hat. Aber man sollte sich auch gedanklich nicht zu weit aus der Komfortzone wagen.

#actout: Wer sagt, dass es keine „Boy meets girl“-Storys mehr gibt?

Einen drauf setzt FAZ-Kollege Edo Reents. Der unterstellt einen Eingriff in die Kunstfreiheit; außerdem könne man es diesen Künstler:innen sowieso nur schwer recht machen.

„Boy meets girl“ – die Befriedigung der normativen Seele wird wegzensiert? Also nur so und nicht anders. Wer sagt denn, dass die „Boy meets girl“-Storys künftig auf dem Index landen? Wenn von mehr Diversität auf den Leinwänden und im Theater die Rede ist, heißt das doch nicht, dass die Storys der Heteros künftig nur noch für Zuschauer:innen ab 18 verschlüsselt im Darknet abrufbar sind.

Kritik an #actout: Behauptete „Cancel Culture“ wabert mit

Was ist das bitte für ein schräges Bashing, das #actout als „eine Umerziehung des Massengeschmacks“ bezeichnet, indem das „Gutgemeinte die Ästhetik“ frisst?

Es ist diese Altherrenrhetorik von der behaupteten „Cancel Culture“, die hier untergründig mitwabert. Scheint es doch in erster Linie um die Furcht zu gehen, TV-Gewohnheiten von 1955 mit der Lebensrealität von 2021 anreichern zu müssen. Im SPD-Kulturforum auf Youtube bezeichnet Sandra Kegel ihren Kommentar gar als „so was wie Ideologiekritik“, verkauft somit aus ihrer Hetero-Normativität heraus Outing als politisch befrachtetes Weltbild.

Gleichberechtigung einzufordern ist also „Ideologie“? Ich bin ja selten sprachlos. (Katja Thorwarth)

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