Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

 Auf Fließbändern marschieren sie zu Tausenden in eine Richtung, mit konstanter Geschwindigkeit, die kleinen Fläschchen mit Impfstoff.
+
Auf Fließbändern marschieren sie zu Tausenden in eine Richtung, mit konstanter Geschwindigkeit, die kleinen Fläschchen mit Impfstoff.

Kolumne

Omnipräsente Nabelschau

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
    schließen

Corona dominiert medial alle anderen Themen. Das hilft unter anderem Lukaschenko und der skandalösen katholischen Kirche.

Sie drängeln sich dicht an dicht. Auf Fließbändern marschieren sie zu Tausenden in eine Richtung, mit konstanter Geschwindigkeit, die kleinen Fläschchen mit Impfstoff. Kaum eine Nachrichtensendung im Fernsehen, die ohne solche Bilder auskommt.

Dann noch schräg von oben gefilmt ein nackter Oberarm, in den eine Injektionsnadel eindringt, wobei der Gesichtsausdruck der Geimpften hinter den Masken unergründlich bleibt. Der Informationsgehalt der Aufnahmen geht gegen null, ihr Neuigkeitswert auch. Eindringliche Appelle, sich impfen zu lassen, sind ebenso unverzichtbar wie der Aufruf, alles zu tun, um dem Coronavirus die Verbreitung möglichst schwer zu machen. Ob aber diese inhaltslosen Bilder und alltäglichen Sondersendungen mit Analysen von Inzidenzwerten und Todeszahlen zur allgemeinen Steigerung der Impflust beitragen?

Pandemiedepressionen werden so nicht gerade gemildert, zumal angesichts eingeschränkter Sozialkontakte, geschlossener Gastronomie und unbespielter Bühnen. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier trifft wohl für viele den richtigen Ton, wenn er markig feststellt, dass die Leute die Schnauze voll haben vom Lockdown. Angela Merkel holt derweil als studierte Physikerin die Überbleibsel ihres naturwissenschaftlichen Denkens unter der Politdenke hervor und stößt damit auf wenig Verständnis. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden wegen ihrer Empfehlungen zur bestmöglichen Corona-Bekämpfung angefeindet wie nie zuvor. Ihre Wahrheiten sind unbequem und folglich für viele schwer zu ertragen.

Denn Homeoffice und Homeschooling nerven jetzt, da die massiven Beschränkungen des täglichen Lebens schon ein Jahr andauern und die Fußballmatchs zu Geisterspielen geworden sind (und das ganz ohne Geister!).

Dass Corona in allen Medien, auf allen Kanälen Dauerthema ist, ist verständlich. Wenigstens kommen dazwischen manchmal erbauliche Meldungen. Wie die, dass Schulklassen Briefe an Menschen in Altersheimen schreiben und damit deren Einsamkeit überbrücken helfen. Doch die omnipräsente Nabelschau auf die pandemische Situation verdrängt so viele andere wichtige Nachrichten. Zur Brutalität von Militär und Polizei in Myanmar und Hongkong bleiben nur ein paar Videoschnipsel, es gibt bisschen was zu Nawalny und Lukaschenkos fortdauernde Gewaltherrschaft ist schon kaum mehr eine Meldung wert.

Verdienten nicht auch Themen wie die üblen Vorgänge innerhalb der katholischen Kirche, die Mut machende Bewegung Maria 2.0, die ständig sich verschlimmernden Zustände in Syrien und in den Flüchtlingslagern viel breitere Aufmerksamkeit in Talkshows und Nachrichten? Oder die skandalöse Weigerung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, sich um die Impfung der Palästinenser:innen im Gazastreifen und Westjordanland zu kümmern, der miserable Zustand unserer Wälder und die Indigene und Weltklima gefährdende Abholzung Amazoniens?

Oder die Ursachenforschung zum Ursprung von Corona? Die wäre besonders wichtig, gilt es doch, nicht nur die aktuelle Pandemie in den Griff zu kriegen, sondern auch, die nächste zu verhindern, zu der andere Viren schon in Lauerstellung liegen. Pandemien resultieren aus unserer globalen ökologischen Krise, aus Artenausrottung und Umweltzerstörung. Dazu gäbe es ausdrucksstarkes Filmmaterial, viel packender als das von nackten Oberarmen, Injektionsnadeln und marschierenden Fläschchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare