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Tja, und dann dieses Weihnachten.
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Tja, und dann dieses Weihnachten.

Festtagskolumne

Corona-Weihnachten mit Nebenwirkungen

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Das Fest der Liebe ist ein Hotspot für Fallstricke. Dennoch feiern die Leute, und warum? Das Leben ist eine einzige Nebenwirkung. Nicht nur wegen Corona. Frohes Fest!

Eigentlich kennt man das ja. Da wird einem vollmundig etwas versprochen, und erst hinterher merkt man, dass die Sache einen Pferdefuß hat, wie der Volksmund so schön sagt. Er spricht auch von einem Haken, von Fallstricken, einer Krux, oder er sagt: „Die Küken werden im Herbst gezählt.“

Weihnachten in Zeiten von Corona - eine einzige Nebenwirkung

Selten also kommt das Gute in edler Reinheit daher, häufig hat es auch Pestiöses im Gepäck. „No risk no fun“, weiß da der Angelsachse, der Sachse spricht von „Kein Vergnügen ohne Gefahr“, und der Sachse ist sensibel. Die Erfahrung von vierzig Jahren DDR lehren Vorsicht, da glaubt man so schnell mal gar nichts – geschweige denn irgendwelchen Obrigen, die das Allheil in Gestalt einer Impfung verkünden. Man kennt sich doch aus mit Nebenwirkungen.

Nehmen wir als Beispiel doch mal das Bett. Also den Ort, der nicht nur in Sachsen Wärme und Geborgenheit verheißt, wo wir gerne rumlümmeln, lesen, frühstücken, chatten, kuscheln, fernsehen, krümeln, wild kopulieren oder uns und andere zärtlich streicheln. Einerseits. Andererseits lauert dort auch der Sensenmann, denn die meisten Leute versterben ebenda. Ein Aufenthalt im Bett birgt also die Gefahr enormer Nebenwirkungen, vor der uns allerdings kein Beipackzettel warnt.

Heiraten trotz aller Risiken - und jenseits des gesunden Menschenverstands

Also steigen wir jeden Abend wieder wonnig hinein, schlummern selig dahin und denken nicht im Traum daran, womöglich nicht wieder aufzuwachen. „Morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder geweckt“, singt der Volksmund. Die Einschränkung sollte uns warnen, denn sie impliziert, dass der Schöpfer manchmal keinen Bock hat, uns vergisst, selbst noch in den Federn liegt oder anderweitig beschäftigt ist, etwa mit dem Streicheln seiner selbst oder anderer, um nur ein Beispiel zu nennen. Die alsbaldige Folge: Zettel am Zeh.

Man sollte sich also vorsehen und nichts und niemandem trauen – erst recht nicht üblichen Verdächtigen wie den seriösen Medien. Allerorten lauern uns nämlich Nebenwirkungen auf, vor denen uns abgesprochenerweise niemand warnt. Verliebtstein zum Beispiel kann zu Magengrummeln führen, Schlaflosigkeit und Sehnsuchtsschluckauf.

Sex birgt die Gefahr von Steißbeinprellungen, Schweißausbrüchen, Kurzatmigkeit und klebrigem Bettzeug. Kein Standesamt der Welt warnt als mögliche Folge von Eheschließungen vor Panikattacken, Langeweile, Libidoverkümmerung, Monotonie, Wesensveränderung, Grübelzwang oder Freundeskreisverlust. Das müsste einem eigentlich der gesunde Menschenverstand sagen. Doch was machen die Leute? Sie heiraten.

Tja, und dann dieses Weihnachten. Vor Gefahren in Zusammenhang mit diesem von überzogenen Erwartungen überladenen gesellschaftlichen Ereignis wird seit Jahrzehnten gewarnt. Etwa vor Völlegefühl und Nachbrand, ferner vor Melancholieattacken, Intonationsverirrungen, Abhusten beim Absingen, Glühweinintoxikation, Ganszwang, Dickdarmverknödelung sowie Tränenausbrüchen in Folge von aktiven oder passiven Fehlbeschenkungen, Soßenversalzungen, Fonduebestückungsverlusten oder Vergessen des Innereienbeutels im Abdominalbereich der Pute.

Das Fest der Liebe ist also im Grunde ein Hotspot für Pferdefüße, Haken, Kruxe und Fallstricke. Doch was tun sie dennoch, die Leute? Sie feiern. Was sagt uns das? Das Leben ist eine einzige Nebenwirkung. Frohes Fest! (Michael Herl)

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