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Adiletten und Abstandsregeln: Willkommen im Sommerloch!
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Adiletten und Abstandsregeln: Willkommen im Sommerloch!

Kolumne

Ohne Sommerloch kein Sommer

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Wo sind eigentlich die Geschichten, mit denen die nachrichtenarme Zeit überbrückt wird? Hier ist eine.

Eigentlich haben wir ja August – und im August ist ja eigentlich Sommer. So richtig Sommer. Mit einer erbarmungslosen Sonne am Himmel, mit knappem Wasser und mit viel Stöhnerei über die Hitze. Er ist ja eigentlich der Sommermonat schlechthin, dieser August.

In Italien beispielsweise, da haben in den zwei Wochen vor und nach dem „Ferragosto“, dem 15. August, alle Schulen, Ämter, Kinos, Theater und die meisten Geschäfte geschlossen. Dann sind die Strände voller Einheimischer, und auf den Straßen der Städte sieht man nur Touristen und Hunde. Ähnlich ist es in Frankreich, wo landesweit zur gleichen Zeit die Sommerferien ausgerufen werden, genauso wie in Spanien, Portugal und Griechenland.

Nicht so in Deutschland. Dennoch haben auch wir nun August, und eigentlich müsste Sommer sein. In diesem Jahr jedoch ist alles anders. Der Sommer bleibt aus. Nicht wegen des eher frühlingshaften Wetters, sondern weil ein Loch fehlt. Das Sommerloch. Und wo kein Sommerloch, da kein Sommer.

Der Grund dafür ist einfach. Früher war die Ferienzeit arm an Nachrichten. Da aber Zeitungen und Sendungen gefüllt werden wollen, bauschte man so allerlei kleine Vorkommnisse zu spektakulären Legenden auf. Mal paddelte ein Krokodil namens Sammy durch einen Baggersee, mal gurgelte im Spucknapf eines Zahnarztes ein Geist namens Chopper, mal hüpfte das entflohene Beuteltier Manni durch die Gazetten, mal fraß der Hecht Kuno einen namenlosen Dackel, und schließlich wurde der Bär Bruno zum Problem Edmund Stoibers. All das hatte sich pünktlich zu Herbstbeginn erledigt.

Nicht so in diesem Jahr. Corona, die Überschwemmungen und die Kanzler/innenfrage sind alles überschattende Themen, jegliche Geister und Viecher bleiben unbekannt und ungetauft. Nicht mal einst so epochale Ereignisse wie eine Fußball-EM oder die Olympischen Spiele reißen die Nation vom Hocker. Das ist nur allzu verständlich – aber doch ein bisschen schade.

Also betrachte ich es mal als meine Pflicht, alte journalistische Traditionen am Leben zu erhalten und grabe hier und jetzt ein Sommerloch – um es auch gleich mit einer vollkommen wert-, sinn- und nutzlosen Meldung wieder zu befüllen. Sie lautet: Ich hatte eine Erscheinung! Erklärt ist sie schnell. Bekanntlich halte ich ja Fußbekleidungen wie zum Beispiel Flip-Flops für ein absolutes No-Go, um diesen Begriff mal ausnahmsweise zu verwenden.

Denn ein menschenwürdiges Gehen ist mit diesen Schlappen unmöglich, sie lassen die graziöseste Frau (von Männern will ich hier gar nicht reden) wirken, als trampele sie zur Nachlese hinter einem Kartoffelernter durch die Furchen der Wetterau.

Unlängst aber wurde mein Weltbild heftig erschüttert. Fiel mir doch eine hübsche junge Frau in einem edlen, vermutlich teuren, grauen Kostüm auf, wie sie elfengleich durch ein Gartenlokal schwebte. Ich sah an ihr herab und erblickte an ihren Füßen: Adiletten! Und ich sage Ihnen: Das passte so dermaßen wenig zusammen, dass es schon wieder ein stimmiges Bild ergab.

Ich war baff, sprach sie an und sagte es ihr. Die Dame freute sich sehr und bedankte sich herzlich. Und Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, Sie haben jetzt Ihr so arg vermisstes Sommerloch – samt Füllung. Das muss nun aber auch reichen.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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