Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ohne Doktor nach Rom?
+
Ohne Doktor nach Rom?

Kolumne

Ohne Doktor nach Rom

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
    schließen

Die Aberkennung des begehrten Titels bedeutet nicht das Ende der Karriere, zumindest nicht in der Politik. Die Kolumne.

Der Doktor kommt gleich. Was für ein beruhigender Satz für krank Darniederliegende. Es ist üblich, dass Ärztinnen und Ärzte so angesprochen werden, selbst wenn sie den „Dr.“ gar nicht haben.

Es hängt jedoch keinesfalls vom Titel ab, ob sie gut arbeiten. Das gilt gleichermaßen für manch anderen Beruf und auch für Politikerinnen und Politiker. Schon gar nicht ist bei ihnen dieser akademische Grad eine Garantie für gute Politik.

Jedenfalls ist er so begehrt, dass so manche glatt betrogen haben, um sich und ihren Namen damit schmücken zu dürfen. Sie haben von anderen abgeschrieben und das hinterhältig als eigene Geistesleistung deklariert. Zu Recht wurde ihnen der Doktortitel aberkannt, wenn die illegalen Tricksereien herauskamen. Man droht fast den Überblick zu verlieren, wer alles davon betroffen ist. Es sind sogar Bundesministerinnen und -minister darunter.

Den ministerialen Reigen eröffnete 2011 spektakulär der damals amtierende Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), ihm folgte 2013 Annette Schavan (CDU), als sie ausgerechnet das Ministerium für Bildung und Forschung leitete. Und jetzt macht die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) damit Schlagzeilen.

Angesichts all seiner anderen Peinlichkeiten ist kaum verwunderlich, dass auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beim Thema Doktortitel ungut in Erscheinung trat. Er führte diesen als CSU-Generalsekretär unter anderem im bundesweiten Wahlkampf. Man kam schließlich dahinter, dass er ihn in Prag mit Dünnbrettbohrerei erworben hatte und sich nur in Berlin und Bayern hätte „Dr.“ nennen dürfen. Als dann noch Plagiatsvorwürfe dazukamen, schmiss er den Namenszusatz 2014 ganz hin.

Es heißt akademisch so schön, die Doktorarbeit diene zur Erlangung der Doktorwürde. Sich diese zu erschleichen, ist zumindest eine Beleidigung für all jene, die sich mit ehrlicher Anstrengung und eigener Geistesleistung den „Dr.“ erarbeiten. Und es ist geeignet, das Vertrauen in die Wissenschaft insgesamt zu schädigen. Plagiate sind, auch Herr von Guttenberg musste es erfahren, zudem strafrechtlich relevant. Ob ihm das als promoviertem Juristen, Dr. jur., nicht bekannt war?

Allerdings könnte man den Eindruck bekommen, so ein unehrlich erworbener Doktortitel sei lediglich ein Kavaliersdelikt. Andreas Scheuer scheint politisch ohnehin nicht zu stolpern, schon gar nicht über seinen verlorenen „Dr.“. Er kann jetzt nur seinen Namen nicht mehr damit aufhübschen.

Ex-Verteidigungsminister Dr. zu Guttenberg promovierte einfach ein zweites Mal. Allerdings haben sich der ihn betreuende Professor und die englische Universität Southampton, an der ihm dieser Coup gelang, gleich danach getrennt.

Franziska Giffey versucht gerade, ihre künftige Rolle in der bundesdeutschen Politik mit einem freiwilligen Verzicht auf den Titel zu sichern. Stattdessen könnte sie doch die Karriere von Annette Schavan einschlagen.

Die trat nach der Aberkennung ihres Doktortitels wegen vorsätzlicher Täuschung zwar als Bildungsministerin zurück, wurde dafür aber belohnt mit dem komfortablen Posten der deutschen Botschafterin beim Vatikan. Vielleicht hat sie dort ja ihr Vergehen an höchster Stelle beichten können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare