Kolumne

Ölpest und Permafrost

  • vonManfred Niekisch
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Der internationale Streit über fossile Energieträger nimmt zu. Die Umweltschäden auch.

Sorgen bereiten sie uns schon länger, die fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas. Nun rücken sie immer mehr in den Mittelpunkt internationaler Auseinandersetzungen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist auf Kollisionskurs unterwegs in Richtung Griechenland, mit einem Forschungsschiff und seiner schwer bewaffneten Marine. Ihm geht es um Macht und die Erschließung von Erdgasquellen im östlichen Mittelmeer.

Da springt die Europäische Union ihrem hellenischen Mitglied schnell zur Seite und überlegt Sanktionen gegen Erdogan. Aber nicht allzu heftig, denn sie will ja den Flüchtlingspakt mit der Türkei nicht noch weiter komplizieren. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schickt ihm immerhin zum Schutz der griechischen Interessen seine Militärs entgegen, die der türkischen Regierung zeigen sollen, wo der Barthel den Most holt. Oder ein EU-Staat sein Gas.

Derweil pfeift der US-amerikanische Präsident Donald Trump fröhlich auf das Völkerrecht und droht all denen mit Strafzöllen, die mit der Gaspipeline North Stream 2 verbandelt sind und kein Problem darin sehen, dass der Lieferant Russland ist. Eine stabile Gasversorgung aus dem Osten läuft amerikanischen Anti-Putin-Interessen zuwider und den Hoffnungen, den gleichen Stoff, mit Fracking aus dem US-Untergrund gepresst, auf dem Weltmarkt und speziell in Europa vermarkten zu können.

All diese militärisch-diplomatischen Krisen spielen sich vor dem Hintergrund ab, dass wir längst um die klimaschädlichen Wirkungen von Erdöl und Erdgas wissen und deshalb eigentlich schleunigst weg müssten von den fossilen Brennstoffen.

Die politischen Spannungen zeigen, dass wir noch sehr weit davon entfernt sind, uns allmählich unabhängig zu machen von Gas und Öl. Wegen Auslaufmodellen würde wohl sonst kein Land den Frieden in Gefahr bringen.

Schließlich hat sich Erdöl immer mehr zum wohl wichtigsten industriellen Rohstoff entwickelt und ist als solcher unverzichtbar geworden. Mit den bekannten erheblichen Kollateralschäden an Umwelt und Gesundheit.

Besonders auffällig und hässlich sind die Folgen der Ölpest, wie sie gerade vom japanischen Frachter Wakashio ausgehen, der vor Mauritius auf Grund gelaufen ist und das Meer und wertvollste Ökosysteme und Touristengebiete an Land zumindest auf Jahrzehnte hinaus schwer schädigt.

Dabei war die ausgelaufene Menge Treibstoff mit über 1000 Tonnen im Vergleich zu anderen Unglücken noch relativ gering. Die 17-fache Menge Dieselöl ergoss sich bei Norilsk in die sibirische Landschaft, als im Mai dieses Jahres ein Öltank im aufgeweichten Permafrostboden wegsackte.

Dieser Unfall war nicht die Folge menschlichen Versagens eines Einzelnen. Das Auftauen der gefrorenen Böden ist bedingt durch den Klimawandel. Und der ist, wir wissen es, die Folge kollektiven Fehlverhaltens. Nämlich all derer, die fossile Brennstoffe nutzten und nutzen. Ja, vor 100 Jahren konnte man die Folgen nicht vorhersehen, aber heute haben wir Gewissheit, was wir uns da eingebrockt haben.

Wenn einst kein Ölteppich mehr die Meere und Strände verseucht und Permafrostböden ihrem Namen wieder alle Ehre machen, dann wäre die Zeit fossiler Energienutzung wohl überwunden.

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