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Annalena Baerbock.
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Annalena Baerbock.

Kolumne

Annalena Baerbock verdient Unterstützung: Nutzt die Gelegenheit!

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wird medial demontiert. Das verdient Einspruch – und zwar über das gönnerhafte Einmischen der politischen Konkurrenz hinaus. Die Kolumne.

Meine jüngste Freundin ist acht Jahre alt, aber bald werde sie neun, schiebt sie (nennen wir sie Lola) schnell hinterher. Mindestens so viele Berufswünsche hat sie bereits erwogen. Über Modedesignerin, Kindergärtnerin bis hin zu Schauspielerin, Model oder Akrobatin. Journalistisches Talent hat sie ebenfalls, finde ich, ihre älteste Freundin, eine Art Zusatzoma.

Jedenfalls ist Lola eine hartnäckige Fragenstellerin. „Hast du schon mal Leute aus dem Fernsehen interviewt?“, hält sie mir einen Strumpfball als imaginäres Mikro vor die Nase. „Zum Beispiel Angela Merkel?“ In Lolas Grundschule in Berlin hatten sie zuvor über „die mächtigste Frau in Deutschland“ gesprochen. Ihre von „Ariella, der Meerjungfrau“ gespeiste Fantasie hat das schwer beflügelt.

Nur, der Realität hielt sie nicht stand. Als zufällig beim Einschalten der Tagesschau just die Kanzlerin auftaucht, entfährt es Lola: „Ist das Angela Merkel? Die habe ich mir ganz anders vorgestellt.“ Wie denn? „Na jung und schön und mit Pferdeschwanz.“ Eine Vorstellung, der Annalena Baerbock schon näherkommen dürfte.

Vor der Bundestagswahl: Annalena Baerbock dürfte den Kampf ums Kanzleramt schon verloren haben

Seien wir ehrlich, auch die Erwachsenenwelt ist nicht gerade frei davon, sich von Aussehen und Image beeinflussen zu lassen. Der Hype um die Kür der grünen Kanzlerkandidatin zu Beginn rührte doch nicht zuletzt daher, nach den bedächtigen Mutti-Jahren womöglich eine Regierungschefin zu bekommen, die eingefahrene Verhältnisse ins Tanzen bringen könnte. In etwa so wie die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacina Ardern. Die eine Ausstrahlung besitzt, die über das linksliberale Milieu hinaus Wähler:innen begeistern würde.

Es dürfte beim Konjunktiv bleiben. Die Chance, zu beweisen, was sie draufhat, wird Annalena Baerbock als Kanzlerin, wie es aussieht, nicht erhalten. Ihre mediale Demontage scheint kaum noch zu stoppen. „Bild“ und Co., den Wächtern der Unfehlbarkeit, sei Dank. Klar hat sich Baerbock Patzer geleistet. Auch wenn sich die Vorwürfe, ihren Lebenslauf aufpoliert und für ihr Buch „Jetzt“ abgekupfert zu haben, bei näherem Besehen als Peanuts entpuppen. Aber bei Kampagnen geht es ja bloß darum, jemanden in die Defensivecke zu drängen. In diesem Falle eine Frau, die sich je nach Gusto als zu karrieristisch, zu dilettantisch, zu unprofessionell hinstellen lässt.

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Annalena Baerbock verkörpert vieles von dem, wofür wir früher auf die Straße gegangen sind

Selbst im Bekanntenkreis ehemaliger Spontis, die sonst meist grün gewählt haben, ist zu hören: „diesmal nicht“. Weil man sich von einer schwarz-grünen Koalition nichts verspreche. Weil es überdies besser sei, wenn die Union mindestens zwei Parteien für eine Regierungsmehrheit brauche, die ihr dann gemeinsam die Stirn bieten könnten. Weil eine grüne Kanzlerin eine Illusion, vor allem aber eine Selbstüberschätzung sei.

Wie bitte? Verkümmert eure feministische Ader ausgerechnet jetzt, da sich die Gelegenheit bietet, mit eurer Stimme eine Kandidatin aus dem progressiven Lager zu unterstützen, die Mut und Sachverstand bewiesen hat? Die dazu eine Menge von dem verkörpert, wofür wir früher auf die Straße gegangen sind? Ganz abgesehen davon, dass die von meiner achtjährigen Freundin hochgeschätzten Attribute wie jung und schön nichts davon ausschließen.

Klar gibt es respektable Gründe, auf dem Stimmzettel andere Parteien anzukreuzen. Aber die hochgejazzte Fehlersuche, um Baerbock auf Kleinformat zu stutzen, verdient Einspruch – und zwar über den gönnerhaften der politischen Konkurrenz hinaus. (Inge Günther)

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