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was bedeutet Mut eigentlich? Und wer ist mutig?
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Was bedeutet Mut eigentlich? Und wer ist mutig?

Kolumne

Nur Mut!

  • Maren Urner
    vonMaren Urner
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Vor 65 Jahren wehrte sich Rosa Parks gegen die Diskriminierung der Schwarzen in den USA. Wir können von ihr lernen – gerade im Jahr der Pandemie. Die Kolumne.

Am 1. Dezember vor 65 Jahren beginnt eine soziale Revolution. Ohne Geschrei und Lärm, ohne Verletzungen und Waffen. Während der abendlichen Rushhour setzt sich eine afroamerikanische 42-jährige Näherin des lokalen Kaufhauses wie nach jedem Arbeitstag auf einen für Schwarze vorgesehenen Platz. Doch als der Fahrer sie bittet, nach hinten zu rücken, weigert sie sich.

„Es war so unglaublich, dass diese Frau – diese eine Frau – den Mut hatte, Platz zu nehmen, und sich weigerte, aufzustehen und ihren Platz einem weißen Herrn zu überlassen“, beschreibt ein junger Mann die Szene später. Rosa Parks bleibt sitzen. Heute gilt sie als Mutter aller Bürgerrechtsbewegungen. Weil sie sitzen geblieben ist, hat sie ihre Stimme erhoben. Weil sie sitzen geblieben ist, ist sie für alle Diskriminierten aufgestanden.

War Rosa Parks mutig? Immerhin deklarierte das Henry Ford Museum ihren 100. Geburtstag 2013 acht Jahre nach ihrem Tod zum „Nationaltag des Mutes“. Aber was bedeutet Mut eigentlich? Und wer ist mutig?

Ich denke aktuell viel über Veränderung nach. Darüber, wie wir Neugier und Mut stimulieren können, um der Corona-Pandemie und der Klimakrise besser zu begegnen. Dabei bin ich auf einen Satz gestoßen, der mir selbst Mut macht: Eines Tages klopfte die Angst an die Tür. Als der Mut aufmachte, war niemand da.

Ist Mut also die Abwesenheit von Angst? „Ich weiß nicht, warum, aber ich fühlte mich nicht ängstlich“, so beschreibt Rosa Parks ihre stille Revolution 15 Jahre später. Vielleicht ist Mut also eher eine veränderte Wahrnehmung. Während die drei anderen Fahrgäste der Aufforderung des Fahrers, sich umzusetzen, folgten, blieb Rosa Parks sitzen. Vielleicht weil sie ihre Angst hinter sich gelassen hatte. Vielleicht weil sie ein Ziel erreichen wollte, dem die Angst im Wege gestanden hätte. „Ich hatte mich entschieden, dass ich ein für alle Mal wissen wollte, welche Rechte mir als Mensch und als Bürgerin von Montgomery, Alabama zustanden.“

Welchen besseren Ort kann es geben, diese These zu überprüfen, als das Gehirn? Tatsächlich haben Wissenschaftler der renommierten Stanford-Universität jüngst zeigen können, dass das Gehirn zwei unterschiedliche Netzwerke hat, die angesichts von Gefahren aktiviert werden können.

Vereinfacht gesagt gibt es dort oben ein „Angst-Netzwerk“ und ein „Mut-Netzwerk“. Je nachdem, welches aktiv ist, reagieren wir ängstlich oder mutig. Auch wenn die „Versuchspersonen“ der Studie Mäuse waren, die in einer Art virtueller Realität einem simulierten Greifvogel ausgesetzt waren, verfügt das menschliche Gehirn sehr wahrscheinlich über eine ähnliche Aufteilung.

Vielleicht haben wir einfach zu häufig Angst. Wir haben Angst, anders zu sein. Drei der vier Fahrgäste haben sich umgesetzt. Angst, neugierig zu sein, also gierig auf das Neue, weil wir uns verändern müssten. Und Veränderung ist erst mal anstrengend.

Was aber, wenn wir soeben ein Jahr erleben, in dem so vieles plötzlich ganz anders ist? Ein Jahr, in dem wir uns alle verändern mussten. Ein Jahr, das uns die Chance unseres Lebens gibt, unser „Mut-Netzwerk“ nicht nur warmlaufen zu lassen, sondern täglich zu trainieren. Bis es wie von selbst anspringt, wenn wir Gefahren und Herausforderungen begegnen. Bis es unsere neue Gewohnheit geworden ist, mutig zu sein.

Nun neigt sich dieses Jahr dem Ende zu, und wir alle wissen, was das bedeutet. Statt des neuen Diät- oder Fitnessplans schlage ich vor: Lasst uns trainieren, mutig zu sein. Denn eines haben der Mut und ein Virus gemeinsam: Sie sind ansteckend.

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