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Kolumnenautor Pitt von Bebenburg
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Kolumnenautor Pitt von Bebenburg

GUT GEBRÜLLT

Nichts zu lachen im Hessischen Landtag

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Es mag Fastnacht sein, aber im Hessischen Landtag ist kaum jemandem zum Lachen zumute. Die Corona-Pandemie, die wirtschaftlichen Sorgen und die heftigen Einschnitte ins Alltagsleben lasten schwer auf dem Land. Zudem steht der Jahrestag des furchtbaren Terrors von Hanau bevor, begangen vor einem Jahr – makabrerweise in der Nacht zu Weiberfastnacht, einem sonst so ausgelassenen Tag.

Doch es gab den einen Moment in dieser Woche, der den Abgeordneten und anderen Menschen im Parlament an Altweiber wenigstens ein Schmunzeln entlocken konnte. Vor den Sitzungen im Landtag lassen sich die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Corona testen. Das ist inzwischen Routine – nicht aber die Aufschrift, die sich die gutgelaunte Testerin der Johanniter mit Filzstift auf ihren weißen Schutzoverall geschrieben hatte.

Beuth und Lorz haben Schlipse eingebüßt

„Helau“ stand da in knallroter Schrift. Kein Kostüm, keine Polonaise, einfach nur: „Helau“. Ein rührende Manifestation des minimalen karnevalistischen Widerstands in trostlosen Zeiten. Eine Erinnerung auch daran, wie ausgelassen dieser Tag in normalen Zeiten gefeiert wird. Daran, dass selbst im ehrwürdigen Landtag an diesem Tag Frauen wie Umweltministerin Priska Hinz den unvorsichtigen oder mutigen Männern die Krawatten abzuschneiden pflegen. Innenminister Peter Beuth, Kultusminister Alexander Lorz und andere haben dabei in früheren Jahren halbe Schlipse eingebüßt, die in die Hinzsche Trophäensammlung wanderten.

Ausgerechnet an Weiberfastnacht tagte in dieser Woche der Innenausschuss, um sich mit der Aufarbeitung der Polizeiarbeit an dem tragischen Abend von Hanau zu befassen. Minister Beuth nannte die rassistischen Morde „eine Zäsur für unser Land“.

Minister Beuth vermisst fröhlichen Rosenmontag

Kurz erwähnte er auch die schreckliche Amokfahrt im nordhessischen Volkmarsen, wo am Rosenmontag vorigen Jahres mehr als 150 Frauen, Männer und Kinder verletzt worden waren. Der rheinländische Karnevalist Beuth weiß, wie gut es vielen Menschen gerade in diesem Jahr täte, für einen fröhlichen Rosenmontag die Sorgen über Bord zu werfen.

„In diesem Jahr ist leider alles anders“, stellt Ines Claus fest. Die CDU-Fraktionschefin ist begeisterte Karnevalistin. Schon vor ihrer landespolitischen Karriere, als die Juristin als Bereichsleiterin der Landtagsverwaltung tätig war, erfreute sie Kolleginnen und Kollegen im Wiesbadener Stadtschloss mit unnachahmlichen Büttenauftritten als „Schlossgeist“.

SPD-Frau Faeser ist bei den Pinguinen Schwalbach aktiv

Auch SPD-Kollegin Nancy Faeser empfindet dem Verzicht auf Sitzungen und Umzüge „schmerzlich“. Die Sozialdemokratin ist Mitglied im Elferrat der Damensitzung der TCC Pinguine Schwalbach und im Hohen Rat der TSG Neuenhain. Am Freitag gaben die beiden Spitzenpolitikerinnen sogar Pressemitteilungen zum Karneval heraus und ermunterten die Menschen, auf neuen Wegen gemeinsam Fastnacht zu feiern. Faeser dankte den Vereinen für ihre kreativen Ideen, damit „die Menschen wenigstens für einen kurzen Augenblick den Zumutungen der Pandemie entfliehen können“.

Claus schrieb: „Wir können die Pandemie oder die Anschläge in Hanau und Volkmarsen nicht weglachen, aber wir können deutlich machen, dass wir trotz der bedrückenden Situationen Zeit und Muße finden, miteinander zu lachen.“ Hinter dem Spaß sieht Ines Claus gar ein politisches Signal: „So machen wir deutlich, dass wir uns weder von Pandemie noch von Terror besiegen lassen.“ Die Frau von den Johannitern hat vorgemacht, dass dazu manchmal ein einziges Wort reicht.

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