Spanien, Mallorca: Tische stehen leer in einem Restaurant.
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Wegen Corona stehen jetzt auch jene Händler vor dramatischen Existenzsorgen, die bislang einigermaßen durchgehalten hatten.

Kolumne

Neue Leere durch Corona: Wie das Virus unser Leben verändert

  • vonRichard Meng
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Die Umwälzungen dieser Tage: Es ist einiges dabei, das man kulturhistorisch nennen könnte. Eine neue Leere bahnt sich ihren Weg – Eine Kolumne.

Die alte Stadt im Hessischen, wo normalerweise die Zeit gerne stillsteht, ist in einer Hinsicht ziemlich futuristisch: Direkt nebeneinander stehen gerade sechs Ladenlokale leer. Nur in einem hat sich jemand die Mühe gemacht, ein Zu-vermieten-Schild ins Schaufenster zu hängen, die anderen fünf Läden sind einfach nur ausgeräumt.

Leerstand in den Städten: Corona-Maßnahmen und Online-Boom machen es Geschäften schwer

Der alte Buchhändler konnte nicht mehr, der junge Bäcker mochte nicht mehr, aus dem Nippesladen ist an anderer Stelle ein Cafe mit angeschlossenem Nippesverkauf geworden. Die alte Straße: nur noch öde, geschäftlich betrachtet.

Nun liegt das hier nicht ursächlich an Corona, sondern im langfristigen Trend. Aber mit Corona wird es vollends weltfremd, auf die Neuvermietung eines Ladens zu hoffen. Jetzt stehen auch jene Händler vor dramatischen Existenzsorgen, die bislang einigermaßen durchgehalten hatten.

In Zeiten von mundschutzgehemmtem Einkaufen und Onlineboom scheint mancherorts außer Friseuren und Draußengastronomen kaum jemand Zukunft zu haben. Jeder Leerstand wirkt da wie ein Vorzeichen der nächsten innenstädtischen Katastrophe, der wirtschaftlichen.

Corona-Sommer: Menschen sind zurückhaltend geworden

Zu den Erfahrungen dieses Sommers muss man zählen, dass die meisten Leute zurückhaltend geworden sind, nicht nur hinsichtlich Abstand oder Einkaufen. Je mehr von der zweiten Welle der Pandemie die Rede ist, desto eindringlicher wird auf Vorsicht gesetzt, desto missmutiger wird das Kopfschütteln über Regelbrecher. Was das mit uns macht? Unternehmungslust jedenfalls zählt nicht gerade zu den aktuellen Grundgefühlen.

Zu den neuen Gewissheiten gehört, dass Reisen der Gesundheit schaden kann. Das sagen sie jetzt alle, die Daheimgebliebenen. Manche verbinden es mit dem Hinweis, es sei ja sogar ganz gut, dass endlich mal Schluss sei mit der überschießenden Freizeitmobilität zulasten der Umwelt. Und sind damit im Verzicht wenigstens irgendwie wieder auf der Seite des Fortschritts.

Bloß kein Übermut, vorsorgen so weit möglich, abwarten: Es wird zum allgemeinen Prinzip. Vernünftig sein im wieder normaler werdenden Alltag, weil ja Vernunft einen selbst und andere schützt. Gewöhnen wir uns da gerade auch an ein Leben ohne Feiern, an Sommer ohne Festivals, an immer weniger Chöre oder gar Theater? Kulturelle Leere hätte man früher dazu gesagt, Virtuelles mal beiseite.

Corona-Maßnahmen: „gelenkte Leere“ bei Spaß und Freizeitaktivitäten

Auch dass Freizeit und Spaß nicht mehr dasselbe sind, scheint sich festzusetzen. Die Schwimmbäder mit ihren abgegrenzten Bahnen, quadratmeterweise berechneten Kapazitätsgrenzen und stundenweisen Einlasstickets stehen sinnbildlich dafür. Toben war gestern. Gelenkte Leere kann man es nennen. Für Regeleinhaltung dankt im Namen des Solidarprinzips der Bundesgesundheitsminister.

In einer anderen alten Stadt haben sie kreativ gerechnet. Im Bad am See dürfen deutlich mehr Besucher sein als rund um die Becken anderswo. So ein See hat auch ohne Bahnenabtrennung viele Quadratmeter Wasserfläche pro Schwimmendem. Offenbar hilft da mal die Natur. Während diese Natur am anderen Ende desselben Orts gerade ziemlich malträtiert wird, in vager Hoffnung auf Gewerbesteuer.

Dort entsteht eine der neuen Kathedralen des Fortschritts in der Onlinegesellschaft. Ein riesiger Kasten, 18 Meter hoch und Hunderte Meter Umfang: ein Güterverteilzentrum. Hunderte Lastwagen werden von da täglich Zehntausende Lieferungen ausfahren. Was wiederum erklärt, warum es in Zukunft noch weniger Chancen geben wird, leerstehende Ladenlokale zu vermieten. Die Umwälzungen dieser Tage: Es ist einiges dabei, das man rückblickend mal kulturhistorisch nennen könnte. (Von Richard Meng)

Beim Fußball ist die Politik kreativ, während der Theaterbetrieb auf Lösungen wartet. Hersteller von Autos könnten hier Gutes tun, statt den Klimaschutz zu hintertreiben. In der Corona-Krise vergisst die Politik die Kultur und Kunst.

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