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Safari in Afrika im Jahr 1909. Kaum jemand spricht davon, wer die Krankheiten auf den Kontinent brachte.
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Weiße auf Safari in Afrika im Jahr 1909. Kaum jemand spricht davon, wer die Krankheiten auf den Kontinent brachte.

Kolumne

Nashorn, Leopard und Omikron

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Europa war so freundlich, Afrika von großen Teilen seiner Tierwelt zu „befreien“. Mit dem Virus wird das so nicht gehen. Die Kolumne.

Meine Tochter, deren Hautfarbe etwas dunkler als Chanels idealer Bräunungsgrad ist, erlebt dieser Tage häufiger, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln jemand zur Seite rutscht, sobald sie Platz nimmt – man weiß ja nie. Schließlich ist es bereits das zweite Mal, dass aus Afrika eine neue Viren-Variation kommt: Wer eine dunkle Hautfarbe hat, gilt als verdächtig.

Afrika ist für Überraschungen immer gut, wusste schon Plinius der Ältere. Gut sind die Überraschungen so gut wie nie. Handelt es sich doch meist um Viren, Flüchtlinge oder Terroristen. Der Karikaturist einer spanischen Publikation brachte es in einer Zeichnung auf den Punkt: Da paddelt ein halbes Dutzend brauner Covid-Viren im Schlauchboot übers Mittelmeer – man kann nur hoffen, dass das Schlauchboot noch rechtzeitig kentert.

Als in Südafrika vor knapp drei Wochen die Entdeckung Omikrons bekanntgegeben wurde, war der britische Struwwel-Boris der Erste, der die „nötige“ Entschiedenheit an den Tag legte. Er ließ den Flugverkehr zwischen Kapstadt und London stoppen, obwohl noch längst nicht feststand, wo die Variante ursprünglich herkam.

Zur Person

Johannes Dieterich berichtet für die FR aus und über Afrika.

Afrika kurzentschlossen vom Menü zu nehmen, kommt beim europäischen Volk jedoch immer gut an. Später stellte sich heraus, dass sich Omikron längst im Brexit-Königreich verbreitet hatte. Trotzdem blieb der Flugbann bestehen. Wäre doch gelacht, wenn man sich durch die Vernunft von seinen liebgewordenen Überzeugungen abbringen ließe. Afrika ist nun mal schmutzig, gefährlich und ansteckend. Punkt.

Wer die Corona-Viren nach Afrika brachte, davon spricht indessen niemand. Es waren die Europäer, die dem benachbarten Kontinent schon vor 100 Jahren die verheerende Spanische-Grippe-Pandemie sowie Pest und Syphilis eingebrockt hatten. Stattdessen wird in Europa gerne davon geredet, dass die Kolonialmächte dem dunklen Erdteil Elektrizität und Eisenbahnen bescherten, außerdem Flinten und Schnaps und den gekreuzigten Jesus. Während uns Afrika derzeit mit Virus-Varianten bombardiert, geben wir gönnerhaft Vakzine zurück – oder auch nicht. Zumindest, wenn wir welche übrig haben, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft.

So wie wir den Afrikaner:innen auch halfen, mit gefährlichen Feinden aus dem Tierreich fertig zu werden: den Löwen und Leoparden, Nashörnern und Elefanten, die regelmäßig über die Massai herfielen. Mit unseren Büchsen haben wir die Biester auf ein erträgliches Maß reduziert, sodass sie jetzt in Reservate passen, wo man sie besser fotografieren oder auch jagen kann.

Heute stellt das Großwild für die Menschheit keine wirkliche Gefahr mehr da. Jetzt sind es die klitzekleinen Lebewesen, die die Krone der Schöpfung zu Fall oder doch zum Verrutschen bringen.

Viren lassen sich im Gegensatz zu Löwen nicht in Reservaten halten. Sie suchen sich ihre überrumpelten Gastgeber:innen auch nicht nach deren Herkunft oder Hautfarbe aus und sind genauso mobil, wie jene bleiben wollen. Deshalb ist es so idiotisch, vor Fremden in der U-Bahn wegzurutschen oder einen Flugbann zu erlassen: Wir sind als Menschen herausgefordert und nicht als Arier.

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