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Besiegt ist die Pandemie trotz Impfung noch längst nicht.
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Besiegt ist die Pandemie trotz Impfung noch längst nicht.

Kolumne

Nach den erlösenden Stichen

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Dank des Corona-Vakzins bin ich bis August immun. Ein für alle Mal raus aus der Gefahrenzone sind wir Geimpfte also nicht.

Das Gewimmel vor der Postfiliale im Jerusalemer Ostteil schreckt mich nicht. Zu Monatsbeginn ist der Andrang besonders groß, wenn sich hier am French Hill, einer Schnittstelle zwischen jüdischen und arabischen Parallelwelten, viele Palästinenser:innen neben den im Online-Kauf bestellten Paketen auch ihre Sozialhilfe abholen.

Daran habe ich nicht gedacht, als ich beschloss, schnell noch zwei Strafzettel wegen Falschparkens bei der Post zu bezahlen. Aber die Wartenummer habe ich schon gezogen. Und im Pulk draußen bis zum Aufruf zwischen all jenen auszuharren, die mit Atemmaske unterm Kinn oder unter der Nase umherstehen, muss mich nicht weiter beunruhigen.

Schließlich hat mich just an diesem Morgen ein israelischer Arzt beglückwünscht, dass ich nun – acht Tage nach meinem zweiten Impftermin – auf dem Höhepunkt meiner Immunität gegen Covid-19 sei. Die werde in den nächsten sechs Monaten peu à peu nachlassen.

So steht es auch in meinem von der Impfarena in Jerusalem ausgestellten „Vaccination Certificate“, laut dem am 1. August das Haltbarkeitsdatum meiner Immunisierung abläuft. Vermutlich muss die Impfung dann aufgefrischt werden. Aber vor was ist man schon lebenslang geschützt? Eben!

Ein für alle Mal raus aus der Corona-Gefahrenzone, wie ich zunächst etwas blauäugig gehofft hatte, sind wir Geimpfte also nicht. Ähnlich wie radioaktive Atome unterliegen offenbar auch die per Vakzin herangezüchteten Antikörper einer Art Zerfallsgesetz, nur leider mit recht kurzer Halbwertszeit, wie so vieles Wünschenswerte im Leben.

Besiegt ist die Pandemie jedenfalls noch längst nicht. Das Virus, das alle Welt in Atem hält und Zigtausenden denselben geraubt hat, ist doch noch ein recht unbekanntes, mutierendes Wesen. Immerhin, es scheint bezähmbar mittels Impfstoffen, Ärmelaufkrempeln und Vorsichtsmaßregeln.

Bislang gibt es von alldem nicht genug. Das gilt selbst für Israel, wo an Vakzinen kein Mangel herrscht. Die hiesige Impfkampagne unter dem wohlklingenden Motto „Gemeinsam Schultern“ weist zwar einen weltweit unerreichten Rekord auf. Ein gutes Drittel der neun Millionen Einwohner:innen ist erstmalig geimpft, 20 Prozent haben bereits die zweite Dosis.

Aber inzwischen macht sich eine Unlust breit, vor allem in der jüngeren Generation, sich das Pfizer/Biontech-Serum spritzen zu lassen. Die Nachfrage in den Impfzentren sinkt, ausgerechnet nun, da jede(r) im Alter von 35 Jahren aufwärts drankommt und als Nächstes die über 16-Jährigen an der Reihe sind.

Die einen schätzen das Risiko, sich anzustecken, persönlich als eher gering ein. Die anderen meinen, das Angebot laufe ja nicht weg, und verschieben die Impfung auf später. Umgekehrt höre ich von Freunden in Berlin, die mächtig vergrätzt über die Warterei sind, wenn sie erst im August einen Impftermin erhielten, könnten sie es auch ganz sein lassen. Wenigstens entgehe man damit der Gefahr von Spätfolgen, der großen Unbekannten im Impfroulette.

Ich halte mich lieber an die positiven Nebenwirkungen im Hier und Jetzt. Zwei Stiche in den Oberarm wirken impfpsychologisch Wunder. Die Angst, auf einer Intensivstation zu landen, verflüchtigt sich. Die privaten Beziehungsdebatten über zu viel Leichtsinn versus zu viel Panikmache haben sich vorerst ebenso erledigt. Das Leben hat uns wieder, seufze ich still im Gedränge vor der Post und sehne mich zurück ins Homeoffice.

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