1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen

Moore brauchen Nässe

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Manfred Niekisch

Kommentare

Ein Moorsee im Schwindenmoos im Allgäu.
Ein Moorsee im Schwindenmoos im Allgäu. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die deutsche Strategie zum Moorschutz ist verabschiedet. Jetzt muss sie noch umgesetzt werden. Das wäre dringend erforderlich für Arten und Klima.

Feuerland ist voll davon. Zumindest da, wo es keinen Wald gibt. Es geht um die Moore, Ökosysteme, die selbst dort, im Süden des Globus, zerstört werden für den Abbau von Torf, und das obwohl die nächsten Absatzmärkte Tausende Kilometer entfernt sind von dieser Region an der Südspitze Südamerikas.

Die Schäden sind bereits erheblich. Allerdings längst nicht in dem Umfang wie in Deutschland. Hier war und ist es weniger das Abgraben des wertvollen Rohstoffes, sondern mehr die Trockenlegung dieser ansonsten immer feuchten Ökosysteme für die Landwirtschaft.

Heute sind in Deutschland höchstens noch zehn Prozent der einstigen Moorflächen vorhanden. Dabei ist noch nicht einmal differenziert nach all den verschiedenen Moortypen, die sich in ihren Gegebenheiten wie der Torfbildung und Wasserversorgung unterscheiden.

Quellmoor, Kesselmoor, Hangmoor, Versumpfungsmoor und wie sie alle heißen. Sauer oder basisch, nährstoffarm oder nährstoffreich, die Unterscheidungen erschließen sich den spezialisierten Forschenden. In einem aber sind alle Moore gleich wichtig: Sie binden große Mengen Kohlendioxid. Leider nur, solange sie leben.

Nach der Entwässerung verkehrt sich diese Funktion ins Gegenteil. Dann setzen die Moore Treibhausgase frei, die den Klimawandel anheizen. Deswegen ist es gut und höchste Zeit, dass das Bundeskabinett jetzt eine Nationale Moorschutzstrategie verabschiedet hat.

Grundtenor ist, dass noch bestehende Moore geschützt und schon geschädigte wieder vernässt werden sollen. Wenn das gelingt, wäre es ein ganz wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig wäre es ein essenzieller Beitrag zum Schutz von Arten, deren teils wohlklingende Namen sich auf den Gefährdungslisten des Bundes und der Länder finden. Hochmoor-Perlmuttfalter, Moorfrosch, Wollgras und Sonnentau gehören dazu.

Also, warum sollte der Moorschutz jetzt nicht gelingen, wo wir doch eine regierungsseitig ausgerufene Strategie dazu haben? Naja, es ist das alte Lied, dass so eine Strategie der Umsetzung bedarf. Und dass diese umfassend genug angelegt wird, nicht nur auf den (kleinen) Flächen, wo sonst eh kaum etwas wächst oder die zu nichts anderem taugen, als in Ruhe gelassen zu werden.

Die Konflikte sind vorprogrammiert, denn es geht zum großen Teil um landwirtschaftliche Flächen, die für ihre Eignerinnen und Eigner finanziell bedeutend sind. Diese müssen selbstverständlich entschädigt werden, wenn sie Nutzungseinschränkungen oder gar einen völligen Nutzungsverzicht in Kauf nehmen sollen.

Der Bauernverband bringt sich schon mal in Stellung. Ihm ist die Freiwilligkeit das höchste Gut, Klimaschutz steht hintenan. Zudem nährt die Leichtigkeit, mit der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir vor wenigen Monaten ökologische Vorrangflächen für bestimmte Nutzungen freigegeben hat, nicht gerade die Hoffnung auf konsequenten Moorschutz.

Sonst könnte der Strategie ein ähnliches Schicksal beschieden sein wie all den hehren Zielen zum Klimaschutz, die bisher so jämmerlich verfehlt wurden. Die Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft müssen jetzt unter Beweis stellen, dass es ihnen ernst ist mit der viel beschworenen Kooperation. Dann gewännen mit der Moorschutzstrategie der Artenschutz und das Klima.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

Auch interessant

Kommentare