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Meister der Technik

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Von: Johannes Dieterich

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Wir Deutschen werden in aller Welt als Meister der Technik verehrt – einen Schuh, den man sich gerne anzieht. Bis man eines Tages wieder mal in Deutschland ist und die Therme in der Wohnung verreckt.
Wir Deutschen werden in aller Welt als Meister der Technik verehrt – einen Schuh, den man sich gerne anzieht. Bis man eines Tages wieder mal in Deutschland ist und die Therme in der Wohnung verreckt. © Jörg Sarbach/dpa

Reparaturen in Afrika und Deutschland gelingen höchst unterschiedlich gut. Unser Autor hat Erfahrungen gesammelt. Die Kolumne.

Ich sitze mit mehreren Afrikanern im Auto und gebe mich – schon meines Akzents wegen – als Deutscher zu erkennen. Nach zweistündiger Fahrt bleibt die klapprige Karosse stehen. Der Fahrer öffnet schimpfend die Haube: Alle steigen aus und versammeln sich um den noch heißen Motor.

Die Blicke sind angestrengt auf das zum Stillstand gekommene Wunderwerk der Technik gerichtet, eine Debatte entsteht. Plötzlich sagt einer: „The German!“ – und alle treten respektvoll einen Schritt zurück. Ich bin mit dem maroden Fahrzeug alleine gelassen.

Wie die Batterie oder der Kühler aussehen, weiß ich: Zur Not kann ich auch eine Sicherung und die Reifen wechseln. Mit den meisten der in den Motorraum gestopften Teile kann ich allerdings nichts anfangen, und an die Elektronik traue ich mich erst recht nicht ran. Aber jetzt sind alle Hoffnungen auf mich gerichtet: Als Landsmann der Herren Porsche und Daimler soll ich die Lösung des Problems in den Genen haben.

Hoffnungen zu zerschlagen, ist eines der schmerzhaftesten Gefühle, mit denen man konfrontiert sein kann: So muss sich ein Arzt angesichts eines sterbenden Patienten fühlen. Gesenkten Haupts trete jetzt ich zwei Schritte zurück – die Afrikaner treten vor und haben das Problem in einer halben Stunde gelöst. In diesem Fall mit einem verbogenen Schraubenzieher und einem Stück Draht. Ein anderes Mal erlebte ich, wie ein Lasterfahrer seinen alten Mercedes mit einem in den Motorraum gerammten Holzscheit wieder flottmachte.

Wir Deutschen werden in aller Welt als Meister der Technik verehrt – ein Schuh, den man sich gerne anzieht. Bis man eines Tages wieder mal in Deutschland ist und die Therme in der Wohnung verreckt. Schon einen willigen Handwerker zu finden, braucht Tage: Klempner müssen sich in Deutschland derzeit wie Messiasse fühlen.

Der erste Installateur ist ein anständiger Mensch, der nach zweistündiger Suche seine Niederlage einräumt. Wenigstens baut er noch schnell ein Teil ein, das ohnehin dringend ausgewechselt werden musste, sagt er. Macht 120 Euro. Der zweite Klempner stellt sich als Ex-Berufssoldat und Amateur-Kickboxer heraus. Er schafft es, dass die Therme nach vierstündiger Kampfsport-Attacke außer beim Heizen auch als Warmwasserspender versagt. 450 Euro. Der dritte Installateur kommt vom Hersteller der Therme: Er rät angesichts des 22 Jahre alten Geräts dringend von jeglicher Reparatur ab. Anderntags taucht ein Kollege von ihm auf und stellt fest, dass ein Kabel falsch angeschlossen war. Seitdem fließt zumindest das warme Wasser wieder. Für die Heizung müsse eine Platine ausgetauscht werden, meint er: Allerdings seien für die Saurier-Therme keine Ersatzteile mehr erhältlich. Totalschaden, plus 550 bereits investierte Euro.

Übers Internet finde ich einen freundlichen Nordhessen, der Platinen repariert. Mein inzwischen fünfter Installateur hat davon noch nie was gehört. Zweimal muss die Ur-Platine zwischen Klempner dem Fünften und dem Nordhessen hin- und hergeschickt werden: Seitdem tut es das Ding wieder. Gesamtkosten: mehr als 1500 Euro.

Nach Johannesburg zurückgekehrt, versagt alsbald meine Spülmaschine. Ich rufe meinen simbabwischen Installateur an, der die Maschine sogleich abholt. Am nächsten Tag meldet er sich mit einem Kostenvoranschlag. Weil die Platine repariert werden müsse, könne es zwei Tage länger dauern, entschuldigend sich Wiseman. Kosten: knapp 100 Euro.

Johannes Dieterich berichtet für die FR aus und über Afrika.

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