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Annalena Baerbock: Erst Hoffnungsträgerin, dann besonders hinterhältig von einem Sockel geschubst, auf dem sie noch gar nicht war.
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Annalena Baerbock: Erst Hoffnungsträgerin, dann besonders hinterhältig von einem Sockel geschubst, auf dem sie noch gar nicht war.

Kolumne

Bundestagswahl: Mein ganz persönlicher Berliner Wahlkampf

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Ein Wechselwähler zwischen Rot und Grün erzählt vor der Bundestagswahl seine Geschichte. Die FR-Kolumne.

In Berlin-Friedenau fällt mir ein Autobahnschild auf, das auf erhabene Weise über die vielen Wahlplakate zur Bundestagswahl dominiert. Eins der Grünen sendet die Botschaft, Parkplätze in Parks verwandeln zu wollen. Es zeigt zwei alte Menschen, die Boule spielen, aber die Farben sind derart schmutzig-matt, dass ich das Motiv erst erkenne, als ich mir das Foto, das ich mit dem Mobiltelefon gemacht habe, noch einmal ansehe.

Die Anspielung, dass endlich etwas gegen den anmaßenden Platzverbrauch der Autofahrer im öffentlichen Raum unternommen werden müsse, kommt derart unfroh daher, dass ich mich frage, ob der Trend, gerade bei Luxuskarossen grelle und cremige Farben zu wählen, bereits eine Reaktion auf die allgemeine Vertreibungsstimmung gegen Autofahrer aus dem Stadtbild darstellt.

Bundestagswahl 2021: Renate Künast bekommt meine Erststimme

Ich habe nichts gegen die Grünen. Schon möglich, dass ich Renate Künast mit meiner Erststimme ausstatte. Sie hat eine lange politische Karriere hinter sich, in der sie einige Zeit beliebt war. Dann aber zog sie viel Abneigung auf sich, vielleicht weil sie schon so lange dabei ist. Das Bedürfnis nach Abwechslung ist gefräßig.

Das Umschlagen von politischer Sympathie in ihr Gegenteil ist ein auffälliges Phänomen. Nicht immer geschieht das so abrupt wie im Fall von Annalena Baerbock, die zur Hoffnungsträgerin stilisiert wurde und nun besonders hinterhältig von einem Sockel geschubst wird, auf dem sie noch gar nicht war.

Bundestagswahl: Mal bekommt die SPD, mal die Grünen eine Stimme

Die Enttäuschung, die über ihre vermeintlichen Verfehlungen kommuniziert wird, scheint vor allem die Selbstenttäuschung Unzufriedener über eine implodierende Projektion zu sein. Offenbar dauert ein Wahlkampf viel zu lang, um Sympathien und Haltungen unbeschadet über die Zeit zu bekommen.

Wechselwähler war ich übrigens immer nur zwischen Grün und Rot. Ich war nie in der Versuchung, Piraten oder Schlimmeres zu wählen. Und natürlich leide ich mit der SPD, die auf eine Stammwählerschaft von 20 Prozent zusammengeschrumpft ist.

Bundestagswahl: Das Geständnis eines Freundes, mal die FDP gewählt zu haben

Ein Freund hat mir einmal gestanden, 2013 FDP gewählt zu haben. Nicht aus Überzeugung, eher aus einem Gefühl heraus. Danach ging es ihm aber schlecht damit. Es erinnert mich an meinen Vater, ein konservativer Katholik, der uns Kindern nie verraten hat, was er wählt. Nach der Bundestagswahl 1969 aber gestand er, FDP gewählt zu haben. Als die jedoch eine Koalition mit der SPD einging, war er über den Verrat empört. Ihm war, als sei seine Stimme entführt worden.

Wir unterliegen der Illusion, eine rationale Entscheidung zu treffen, aber die Vernunft ist vor Emotionen nicht sicher. Eines nachmittags stand Orkan Özdemir mit seinem Sohn vor unserer Wohnungstür. Er ist der Direktkandidat der SPD des Bezirks Tempelhof-Schöneberg für die Abgeordnetenhauswahl.

Er wolle nicht stören, sagte er freundlich, sich nur vorstellen. Ich war nicht reaktionsschnell genug, ihn hereinzubitten. Über was hätten wir auch reden sollen? Ich wünsche viel Erfolg, rief ich ihm noch nach, um nicht allzu abweisend zu erscheinen. Da war die Gelegenheit aber bereist verpasst, mein staatsbürgerlicher Impuls hatte ebenso versagt, wie mein journalistischer. Orkan Özdemir hat als Wahlkampfmaterial ein Rezept seiner Mutter hinterlassen, für einen Kisir-Bulgursalat. „Friedenau im Herzen“ steht darunter als Slogan. (Harry Nutt)

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