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Eine Teilnehmerin hält ein Plakat mit der Aufschrift „niemals vergessen“ auf der Kundgebung zum Gedenken an den rassistischen Anschlag vor einem Jahr in Hanau.
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Eine Teilnehmerin hält ein Plakat mit der Aufschrift „niemals vergessen“ auf der Kundgebung zum Gedenken an den rassistischen Anschlag vor einem Jahr in Hanau.

Kolumne

Mehr als Tränen von Krokodilen

  • Anetta Kahane
    vonAnetta Kahane
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Ich würde gern sagen, dass es einen Fortschritt gibt, dass es einen Unterschied macht, weil wir die Namen der Opfer von Hanau sagen. Doch gegen Rassismus ist mehr nötig.

Nein, Hanau ist noch nicht vorbei. Eine intensive Berichterstattung am Jahrestag der Morde ändert noch lange nichts an den Versäumnissen der Politik. Das Versagen des Staates war schon nach den Morden des NSU sichtbar. Hanau ist ein Tatort, aber auch ein Symbol. Rassistische Diskriminierung in der Schule, Hasskampagnen gegen Orte wie Shisha-Bars und Menschen, die sich dort treffen, weil sie anderswo immer nur Fremde sind, das Versagen der Polizei. Und eine Art des Umgangs mit den Opfern, die einen das Blut gefrieren lässt.

Vielleicht ist mein Optimismus angeboren, sonst würde er diese Zeit nicht überleben. Er liegt direkt neben Trauer und Zorn. Er wird begleitet von der Erschöpfung darüber, dass immer und immer wieder das Gleiche geschieht. So geht es vielen, die in Deutschland mit Rassismus oder Antisemitismus konfrontiert sind.

Es breitet sich eine Müdigkeit aus, weil sich nichts ändert. Ich finde es befremdlich, wie Politiker:innen betonen können, wie wenig sie sich vorstellen können, was in Hanau geschehen ist. Jeder mit offenen Augen weiß, was in Deutschland gerade passiert. Und jeder Mensch, der Kinder hat kann sich den Schmerz der Eltern von Hanau vorstellen.

Ich stelle mir nur vor, meine Tochter hätte in dem Café gesessen, schwatzend mit ihrer Freundin. Und dann wird sie erschossen. Keine Polizei ist vor Ort, die es hätte verhindern können und danach behandeln sie die Hinterbliebenen mit der größtmöglichen Kälte. Was daran ist nicht zu verstehen?

Hanau symbolisiert einen Klimawandel. Er kommt nicht plötzlich, sondern wächst langsam. Das passiert, wenn Politik und Gesellschaft die immer gleichen Fehler machen. Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft, die gestaltet werden muss. Als erstes, indem Rassismus ernst genommen und systematisch bekämpft wird! Geschieht das nicht, werden irgendwann die Folgen sichtbar. Diese Folgen bedeuten nicht nur, dass weitere Morde passieren. Das ist schlimm genug.

Sie bedeuten, dass der Optimismus verloren geht. Die Hoffnung auf Veränderung in den Minderheiten oder Communitys verschwindet langsam. Und dies öffnet die Türen für Missbrauch. Islamist:innen wie die Sympathisant:innen des „Islamischen Staats“ und Linksextremist:innen und Antisemit:innen wie die MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) benutzen die Morde von Hanau für ihre Zwecke. Die einen nehmen Hanau als Beweis, dass die Demokratie nicht handlungsfähig ist. Die anderen benutzen den Rassismus als Vehikel für ihre Radikalisierung.

Beide sehen, wie viel Heuchelei mit Hanau verbunden ist. Da sind die scheinheiligen Worte der türkischen Botschaft für die Kurden unter den Opfern, die im eigenen Land verfolgt wurden. Da sind die Krokodilstränen von Politiker:innen, die solidarisch sein wollen, aber an der Situation von Menschen, die von Rassismus betroffen sind, nichts ändern. Die Radikalen sehen das und arbeiten sich daran ab. Ach ja, und dann sind da ja noch die Rassist:innen, die über Hanau nur bösartiges Gelächter übrig haben.

Den Klimawandel aufzuhalten bleibt nur wenig Zeit. Ich würde gern sagen, dass es einen Fortschritt gibt, dass es einen Unterschied macht, weil wir die Namen der Opfer von Hanau sagen und nicht den des Täters. Doch um den Klimawandel aus Enttäuschung und Eskalation aufzuhalten, braucht es deutlich mehr als Tränen von Krokodilen.

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