Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In einer Zeit in der sich selbst die Ungelenksten in die Sättel schwingen, sind Fahrradwerkstätten dementsprechend beliebt.
+
In einer Zeit in der sich selbst die Ungelenksten in die Sättel schwingen, sind Fahrradwerkstätten dementsprechend beliebt.

Kolumne

Megacooler Brother

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
    schließen

Was kann man tun, wenn die geliebte Fahrradwerkstatt dichtmacht? Und das während der Corona-Krise, in der sich alle auf die Sättel schwingen.

Eigentlich finde ich, mich für mein Alter recht gut gehalten zu haben. Ich laufe zwar keinen Marathon und sehe auch nicht so aus. Aber immerhin brauche ich noch kein E-Bike, um im strömenden Radverkehr einer Stadt ohne bedeutende Erhebungen ganz passabel mitschwimmen zu können. Das reicht mir.

Auf höhere Berge nur wegen des Fahrens zu fahren, hielt ich schon immer für unsinnig, zumal die dort betriebenen Lokale in der Regel nur betrieben werden, weil sie sich auf höheren Bergen befinden. Selten nur verfolgen die Betreiber ein darüber hinausgehendes gastronomisches Interesse. Warum auch. Die Gäste kommen sowieso.

Entweder regelmäßig, weil sie gerne auf höhere Berge fahren – oder nie wieder, weil sie erfahren haben, wie blödsinnig es ist, auf höhere Berge zu fahren. Ich komme nie. Ich verfüge über genügend Fantasie, mir eine Radfahrt auf höhere Berge ausreichend vorstellen zu können.

Zudem habe ich im Laufe meines Lebens erkannt, dass Vorurteile nicht immer Vorurteile sind, sondern häufig Erwartungen, die dem gesunden Menschenverstand entsprechend schlicht realistisch sind und keines empirischen Beweises bedürfen. Es mag für einen Dreijährigen lehrreich sein, auf die heiße Ofenplatte zu fassen, deswegen muss aber ein Sechzigjähriger noch lange nicht mit dem Rad auf höhere Berge fahren.

Dennoch habe ich mich für mein Alter recht gut gehalten, wie ich meine. Ich finde mich sogar cool, um mal einen Begriff aus dem Leben der Jüngeren zu benutzen, obwohl mir dessen Definition noch immer etwas schleierhaft ist.

Ich finde auch, dass er häufig etwas zu inflationär verwendet wird – obwohl ich nicht recht weiß, was er zu bedeuten hat. Vielleicht wissen das die Benutzer auch nicht so richtig und wenden ihn deswegen so flächendeckend an. Sie tun das wie beim Schiffeversenken oder beim Entenschießen mit der Schrotflinte. Irgendein Korn wird sein Ziel schon finden. Cooler ausgedrückt nennt man das „Trial-and-Error-Verfahren“.

Vollkommen daneben traf beispielsweise vor einiger Zeit eine junge Kollegin. Mein alter Genosse Horst hatte seine Fahrradwerkstatt aufgegeben, und ich stand plötzlich vor einem neuen Problem. Und das zu einer Zeit, als sich plötzlich selbst die Ungelenksten auf die Sättel schwangen und dies feierten wie die Wiedergeburt des Erlösers. Entsprechend begehrt waren die Werkstätten.

In meiner Not fragte ich die junge Kollegin, ob sie denn einen Tipp habe. „Ja schon“, meint diese, „aber ich weiß nicht, ob Du cool genug dafür bist.“ Ein kapitaler Fehlschuss, der mich dennoch traf, und zwar mitten ins Herz. Obercool, für wie ich mich halte, bin ich natürlich sofort dahin.

Und zugegeben, etwas befremdet war ich schon. Beim Genossen Horst hatte es Apfelwein und selbst gebrannten Schnaps gegeben, dort kredenzte man hausgerösteten Kaffee und vegane Snacks.

Aber die jungen Menschen nahmen sich sachkundig meines Fahrrads an und verzichteten sogar auf despektierliche Bemerkungen darüber. Angesichts des Abnutzungszustands der Reifen hatte man nämlich erkannt, dass es sich bei mir nicht um einen Corona-Neuradler handelt, sondern um einen Vielfahrer, einen Brother sozusagen. Und das ist doch megacool, oder? Nun ja, ein wenig stolz war ich schon.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare