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Ein Maskentölpel?
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Ein Maskentölpel?

Kolumne

Maskentölpel, Fink und Laschet

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Vogelnamen sind manchmal ungerecht. Der Ministerpräsident von NRW sollte aber nicht überhören, was die Spatzen von den Dächern pfeifen.

Manche Vögel tragen ihren Namen zurecht. Das Rotkehlchen, selbst Nichtwissende ahnen es, hat eine rote Kehle. Kein Erklärungsbedarf besteht auch beim Gartenrotschwanz oder der Schwarzkopfmöwe. Was tut der Kernbeißer? Richtig, er beißt Kerne. Bei anderen führt der Name in die Irre. Etwa beim afrikanischen Schneeballwürger, der, wissenschaftlich bewiesen, keine Schneebälle würgt.

Manche Vögel müssten ihre vom Menschen oktroyierten Bezeichnungen als ehrenrührig empfinden, wenn sie denn darum wüssten. Dazu gehören die Tölpel, Vögel der Meere, die weder ungeschickt noch einfältig sind. Dass sie höchst elegante Flieger sind, haben die Namensgeber geflissentlich übersehen und den etwas unbeholfenen Gang herangenommen, um sie herabzuwürdigen.

Aktuell trifft es eine Art aus der Vogelfamilie der Tölpel besonders schlimm, nämlich den Maskentölpel. Eigentlich über den tropischen Ozeanen unterwegs, mit kontrastreich schwarz-weißem Gefieder, muss er nun erleben, dass Massenvorkommen seiner menschlichen Namensvettern in Kassel und anderen Städten auftreten.

Und dort sogar Fahnen in den Farben seines Gefieders, ergänzt um Rot, mitführen. Den Vögeln sei zum Trost zugerufen, das ist nicht tölpelhaft, sondern beängstigend und hoffentlich weiterhin der großen Mehrheit der Deutschen höchst peinlich.

Überhaupt scheinen Peinlichkeiten in diesen Tagen gehäuft aufzutreten, nicht nur in Form von Corona-Leugnern. Es löst, ganz konform mit der „peinlich“-Definition im Duden, ein Gefühl des Unbehagens, der Beschämung aus, wenn erst Geschrei und Chaos um Ruhetage angezettelt wird und dann alles zurückgenommen werden muss.

Es erzeugt Unbehagen, wenn Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten im Fleckerlteppich Deutschland sich nicht einigen können auf Restriktionen und Öffnungskonzepte, wenn sich Politiker mit Maskenhandel bereichern, oder auch wenn der dilettantisch agierende Verkehrsminister Andreas Scheuer und der wackelnde Gesundheitsminister Jens Spahn die Impfkampagne retten sollen. Doch Unbehagen kommt nicht nur pandemiebedingt auf.

Es steht fest, dass Deutschland aus der Kohle aussteigt. Wegen des Klimas. Wie groß ist da das Unbehagen, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung unter ihrem auf der Liste möglicher Kanzlerkandidaten stehenden Ministerpräsidenten Armin Laschet mit dem Braunkohle-Tagebau Garzweiler nach wie vor zulässt, dass Dörfer plattgemacht werden. Heimat von Menschen? Egal, es geht um die Kohle!

Da tritt an die Stelle des Unbehagens die berechtigte Befürchtung, dass der Politiker Laschet, wenn er denn Bundeskanzler werden sollte, die Klimapolitik ganz vor die Wand fährt. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass das Weiterbaggern der Braunkohle klimapolitischer Wahnsinn ist.

Im Übrigen können Grünfink, Rotmilan und Gelbspötter ganz nach Vogelart darauf pfeifen, dass ihre Namen in Deutschland farbenpolitisch konnotiert sind. Mehr als peinlich dürfte es aber für Rotkardinal, Dompfaff und Mönchsgrasmücke sein, würden sie aufgrund ihrer Namen mit aktuellen Skandalen im Menschenreich in Verbindung gebracht werden.

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