Söder-Augen können nicht lügen
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Söder-Augen können nicht lügen.

Kolumne

Markus Söder schürt Corona-Panik - mit einem klaren Ziel

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Wie viel Markus Söder verträgt dieses Land? Dies scheint der allgegenwärtige bayerische Ministerpräsident gerade wissen zu wollen. Die Kolumne.

Corona ist die Zeit der starken Männer. Nichts gegen die Performance von Kanzlerin Angela Merkel in den letzten Monaten, aber man könnte sie ja demnächst nicht einmal wählen, nur um den einen zu verhindern: Markus Söder.

Das ist der CSU-Mann aus dem schönen Franken-Land, der seine audiovisuelle Präsenz gefühlt mit dem Anstieg der tagesaktuellen Fallzahlen steigert. Er ist der bayerische Alles-Checker, der Volkströster – oder einfach der Mann für alle Corona-Fälle.

Söder-Augen können nicht lügen, auch wenn es diesbezüglich ab und an in Bavaria mal etwas uneinheitlich zuging: Schulschließungen hier, Kita-Öffnungen da, Fallzahlen scheinen im konkretem Fall Weißwurscht. Muss eine fränkische Eiche natürlich nicht jucken, wenn irgendwelche Rotzlöffel inklusive Eltern an diversen Maßnahmen rumkritteln.

Markus Söder will keine Panik verbreiten - macht es aber

Markus Söder sieht seinen nächsten Job vermutlich sowieso breiter aufgestellt: als König vom Franken-Land aka Bayern aka Deutschland aka Europa. Oder visioniert er sich doch eher als Global-Kaiser, der es – aus den Corona-Ruinen auferstanden – als der einzige Markus – richtig anpackt?

„Ich will keine Panik machen und auch keine Angst verbreiten“, formuliert er in Big-Daddy-Manier auf Instagram, womit er exakt nur eins verbreitet: Panik. Weil er ja derjenige ist, der den Leuten sagt, dass es jetzt echt eng wird, und es keinen Sinn „mache“, einen „falschen Optimismus“ zu kommunizieren.

Habe ich etwas verpasst? Kein Mensch, der in der aktuellen Corona-Debatte ernst genommen wird, verbreitet „Optimismus“. Mit dem Optimismus-Begriff macht Markus Söder sich zum mahnenden Kümmerer und Übervater, der die Leute vor, ähm, zumindest keinem „falschen Optimismus“ schützt.

Markus Söder prangert plötzlich Unvernunft in der Corona-Krise an

Aber den Mahner kann er gut, und die gesenkte Stimme führt dann zum bayrischen Corona-Grusel. Und wenn einer oder einem der doch etwas eigenwillige Söder-Blick zu viel ist, können sie die Augen verschließen oder zur Not die Brille absetzen. „Leichtsinn und Unvernunft haben leider diese Entwicklung begünstigt“, also die Corona-Entwicklung, sagt Markus Söder, der Chefvertreter einer Partei, die sich mit Unvernunft und Leichtsinn eigentlich am besten auskennt.

Wo anfangen? Bei der Anzahl der Menschen, die durch CSU-Politiker (Alkohol am Steuer) getötet wurden? Oder bei Andreas Scheuer (Geschwindigkeitsbeschränkung „gegen jeden Menschenverstand“ (A.S. 2019), der genau wie viel Millionen losgelöst von Corona verbrannt hat? Doch das hat ja alles nichts mit der Corona-Politik zu tun.

Markus Söder verspricht uns den Morgen nach Corona

Aber mit Markus Söder, dem Mann, der gerne bundesweit auf den Tisch haut. Er will ziemlich sicher Kanzler werden, und zeigt sich dauerpräsent mit dem immer gleichen Habitus der bräsigen Nervensäge, die eine Mischung ausstrahlt aus Rotkäppchen und Wolf. Das ist definitiv kein Vernunftkonzept, vielmehr geht es um Markus Söder. Und es geht um die Frage, wie viel ‚Söder‘ dieses Land verträgt.

Der scheint auf CDU-Männer zu spekulieren, die sich sowieso gerade gegenseitig schwächen (Armin Laschet, Norbert Röttgen – beide NRW – und noch ein andrer, Name entfallen). „Es gibt einen Morgen nach Corona“, verspricht Markus Söder. Wie und wann auch immer dieser Morgen definiert wird. Sicher dürfte sein, dass der Corona-König eins vergisst: Preußen wählen keine Bayern – und vermutlich auch keine Franken. Tja.

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