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Aufpassen sollte der Feldhase derzeit
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Aufpassen sollte der Feldhase derzeit.

Kolumne

Luchs und Hase

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Aufpassen ist angesagt, damit niemand später sagen kann, er trage den Namen des Langohrs.

Bis September hat er jetzt erst einmal Ruhe, der Feldhase. Seine Verpflichtungen als Osterhase hat er erfolgreich abgewickelt. Zumindest für die Menschlein, welche eiergefüllte Nester gesucht und gefunden haben. Von Jägern hat er momentan nichts zu befürchten, denn bis September ist Schonzeit, und das bereits seit Januar.

Aufpassen sollte der Feldhase derzeit dennoch. Denn wie das Bundesamt für Naturschutz gerade vermeldet, hat die Zahl der Luchse in Deutschland wieder zugenommen. Rund 130 erwachsene Individuen sind es inzwischen. Das ist durchweg erfreulich, selbst für Fans des Feldhasen, der zu den Lieblingsspeisen der pinselohrigen Katze zählt.

Hasen kann die Wiederkehr des Luchses nämlich nicht im Bestand gefährden. Wissenschaftliche Studien belegen, dass es eher die Populationen der Beutetiere sind, welche die Bestände der Beutegreifer kontrollieren, nicht umgekehrt. Je mehr Futter Luchs und Konsorten zur Verfügung steht, desto besser geht es ihnen. Hase kontrolliert Luchs könnte man sagen.

Der Luchs ist kein Hetzjäger, sondern späht seine Beute sorgfältig aus, schleicht sich an und überrascht sie mit einem letzten Sprung. Der Luchs muss aufpassen wie ein Luchs, alle Sinne einsetzen, damit er Erfolg hat, und Hase, Frischling, Reh und Fasan müssen Gleiches tun, wenn sie ein Zusammentreffen mit ihm überleben wollen.

Die Redewendung vom luchsmäßigen Aufpassen hat die Zeiten überdauert, in denen die größte Katze unserer Region fast völlig verschwunden war. Längst ist der Begriff der Kategorie Wald und Wild entwachsen.

Aufpassen, die Ohren spitzen, ganz genau hinsehen ist wichtiger denn je, jetzt da das Virus fast den Alleinvertretungsanspruch in den täglichen Nachrichten für sich reklamieren kann. Es geht um kaum mehr anderes als Inzidenzen, Impfstrategien, Nebenwirkungen, Lockdown und Todeszahlen. Und des Deutschen Sucht nach Urlaub. Alles nahe liegend und manches sogar wichtig, aber so viele andere unsere Zeit prägende Fakten benötigten Aufmerksamkeit.

Dass der sonnenköniglich regierende türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen Platz auf dem Sofa zuweist und mit dem Austritt aus der Istanbul-Konvention den größeren Rahmen seiner frauenfeindlichen Politik aufzeigt, wurde gerade noch wahrgenommen.

Sein größenwahnsinniger Plan eines Kanals vom Marmarameer zum Schwarzen Meer hätte längst weltweiten Alarm auslösen müssen, geriet aber erst in die Schlagzeilen, als das Projekt genehmigt wurde und er Offiziere, die sich gegen das Projekt aussprachen, als Putschisten kriminalisierte.

Und wenn ein schwimmendes Containermonster spektakulär den Suezkanal verstopft, wird schnell in den Hintergrund gedrängt, was eigentlich mit den hunderten von Jungrindern passiert, die auf verrotteten Transportkähnen wochenlang durch das Mittelmeer geschippert wurden. Das Grauen schon hinter den normalen Tiertransporten wird fast unsichtbar. Und warum wird nicht mehr über die Hunderte politischen Gefangenen in Belarus berichtet?

Aufpassen wie ein Luchs ist angesagt, damit nicht vor lauter Pandemie die Vergehen gegen Menschenrechte, Umwelt und Tierschutz übersehen werden. Damit man rechtzeitig erkennt, wie der Hase läuft und später niemand sagen kann, sein Name sei Hase gewesen.

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