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Friseur FFP2 Maske Corona
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Friseurinnen und Friseure können aufatmen: Ab dem 1. März dürfen sie ihrer Arbeit wieder nachgehen - wenn auch unter strikten Hygieneregeln. (Archivbild)

GUT GEBRÜLLT

Lock’ down

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Wer von der Tribüne ins Rund des Plenarsaals schaut, erblickt einige lichte und sich lichtende Männerhäupter unter den hessischen Landespolitikern. Der Blick bleibt Besucherinnen und Besuchern verwehrt, denn sie sind in Corona-Zeiten im Landtag nicht zugelassen. Dort oben sitzen wir Journalistinnen und Journalisten jetzt gemeinsam mit Abgeordneten, die sonst ihren Platz unten im Saal haben, aber nun gebührenden Abstand halten.

Eines der lichten Häupter gehört dem FDP-Fraktionsvorsitzenden René Rock. Dass der Mann seine Haare nur am Kinn trägt, wird aber nicht der zentrale Grund dafür gewesen sein, dass er sich mit den Worten eingelassen hat: „Das Motto ‚Du hast die Haare schön‘ allein bietet den Menschen keine Perspektive.“ Es geht ihm vielmehr um andere Betriebe. Sie bräuchten „ebenfalls die Planbarkeit, die nun immerhin die Friseurgeschäfte bekommen haben“.

Schon in normalen Zeiten können Friseure Emotionen wecken. Weil die Frisur jeder und jedem buchstäblich nahegeht. Weil wir mit Frisuren viel darüber aussagen, wie wir uns selbst sehen und darstellen wollen. Und weil das bei Politikern und erst recht bei Politikerinnen öffentlich wahrgenommen wird.

Das musste Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier schon vor Jahren feststellen, als er sich entschieden hatte, seine grauen Haare blond zu tönen. „Da können Sie sich wirklich mit großer Mühe, Intensität und Anstrengung für eine hochkomplexe politische Sache engagieren – und da müssen Sie Glück haben, dass es jemand mitkriegt“, seufzte er damals. „Aber wenn Sie plötzlich eine andere Frisur haben, dann ist das ein Ereignis.“

In der übernächsten Woche gibt es in Hessen also Hoffnung auf neue Frisuren. Nach dem Lockdown fallen die Locken. Lock’ down sozusagen. Verbunden mit einem Hoffnungsschimmer für darbende Dienstleister:innen und Geschäfte, dass es auch für sie im Frühjahr wieder losgehen kann. „Nur die Friseurläden am 1. März zu öffnen, das reicht nicht“, urteilt streng Wolf Matthias Mang, der Präsident der hessischen Unternehmerverbände. Auch die Nichtlebensmittelgeschäfte seien hinreichend sicher und sollten rasch öffnen dürfen, findet er.

Mit dem Beispiel der Friseure lässt sich aber auch für andere Öffnungen argumentieren. „Es kann nicht sein, dass Friseure öffnen dürfen, aber für die Siebtklässler und höheren Jahrgänge weiterhin die Schulen geschlossen bleiben und Perspektiven fehlen“, klagt zum Beispiel der SPD-Abgeordnete Christoph Degen.

Nun warten wir gespannt darauf, welche Frisuren bei der nächsten Landtagssitzung zu besichtigen sind, die im März auf uns wartet. Es wäre für eine Frankfurter Zeitung naheliegend, jetzt darüber zu sinnieren, wie viele Struwwelpeter uns dann im Plenum erwarten. Aber dieser Gag ist schon verbraucht. „Auf die Plätze, fertig, los: Alle Struwwelpeter zum Friseur!“, rief ein österreichisches Boulevardblatt, als die ersten Läden Anfang Mai wieder öffnen durften. Kurz danach stellte der Schauspieler Sascha Wussow fest: „Ich sehe ja mittlerweile wie der Struwwelpeter aus.“ Die Süddeutsche Zeitung sinnierte im Dezember, also „in der finalen Vor-Lockdown-Phase“, über Leute, die „sich vor Beginn der nächsten Rübezahl- und Struwwelpeter-Ära noch mal einen zivilisierten Anstrich verpassen“ lassen wollten.

Und wie wird’s im Landtag aussehen? Wir warten ab – sind aber ziemlich sicher, dass zumindest die Haarpracht von René Rock auch im März ausbleiben wird.

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