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Emmanuel Macron (2.v.r.), Präsident von Frankreich, jubelt neben Wladimir Putin (2.v.l.), Präsident von Russland, und FIFA-Präsident Gianni Infantino (l).
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Emmanuel Macron (2.v.r.), Präsident von Frankreich, jubelt neben Wladimir Putin (2.v.l.), Präsident von Russland, und FIFA-Präsident Gianni Infantino (l).

Kolumne

Linker und rechter Fußball?

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Das Spiel mit dem Ball ist einfach. Die Antworten, die es bereithält, nicht. Die Kolumne.

Beim Fußballschauen wird man schnell zum schlichten Gemüt. Seit Beginn der Fußball-Europameisterschaft (EM) habe ich ein gesteigertes Vergnügen daran, Mannschaften scheitern zu sehen, die von antiliberalen Machtmenschen regiert werden. Putin, Orban, Erdogan, Duda – sie alle werden bei dieser EM keine Gelegenheit mehr erhalten, sich im Lichte sportlicher Erfolge ihrer Mannschaften feiern zu lassen. Gut so.

Das ist naiv, ich weiß. Im Fall der Ungarn folgte auf meine Schadenfreude sogleich das schlechte Gewissen. War ich nicht sogar gerührt, als der ungarische Torhüter Peter Gulacsi seiner Enttäuschung über das Ausscheiden seiner Mannschaft freien Lauf ließ?

Gulacsi passt nicht ins Gesinnungsschema, in dem Mannschaften als Repräsentanten nationaler Stereotypen und problematischer politischer Entwicklungen betrachtet werden. Wiederholt hat er sich für die Rechte sogenannter Regenbogenfamilien eingesetzt, was in konservativen Kreisen in Ungarn nicht gut ankam. Wäre es – im übertragenen Sinn – nicht angemessen, dass einer wie er die bunte Armbinde des deutschen Torhüters Manuel Neuer als solidarisches Zeichen der Freiheit jeglicher sexueller Orientierung fortträgt?

Bei der Verwendung von Farbsymbolen setzt man auf einfache Unterscheidungen. Falsch und richtig, gut und böse. Auf ganz ähnliche Weise hatte der argentinische Nationaltrainer César Luis Menotti einst von rechtem und linkem Fußball gesprochen. Als rechts betrachtete er die reine Erfolgsorientierung, das Gewinnen um jeden Preis.

Menotti zog die Idee eines linken Fußballs vor, in dem das schöne Spiel zum Selbstzweck wird, wenn die Strategien spontan und unberechenbar bleiben und nicht einer militärischen Logik von Befehl und Gehorsam unterliegen.

Der linke Fußball dient dem ästhetischen Genuss, der rechte hingegen gilt als Rumpelfußball, wie der Spielstil deutscher Mannschaften in den 90er Jahren bezeichnet wurde, der zwar erfolgreich, aber nicht sehr ansehnlich war.

So sympathisch Menottis Unterscheidung auch sein mochte: Plausibel war sie schon damals nicht. Ironischerweise war es der Maradona-Entdecker Menotti, der mit seiner Mannschaft 1978 – gegen die schön spielenden Niederlande – Weltmeister geworden war und damit auch der brutalen Militärjunta seines Landes diente.

Das Verhältnis von Fußball und Politik ist seit jeher ambivalent. Natürlich kann man die Uefa dafür kritisieren, dass sie mit fadenscheinigen Begründungen und dem Verweis auf die Neutralität des Sports die symbolische Beleuchtung eines Stadions unterbindet.

Aber dabei sollte der kritische Zeitgenosse nicht vergessen, wie verzweifelt diese Neutralität vor nicht langer Zeit angemahnt wurde, als die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan den türkischen Staatspräsidenten Erdogan zum Fototermin trafen.

Plötzlich gerieten Neutralität und Nationalität in ein seltsames Spannungsverhältnis. Selbst das Bild vom schönen Sport lässt sich nicht länger in einfache Dichotomien von glücklichen Helden und tragischen Verlierern zwingen.

Und spielen die fußballspielenden Weltstars Mbappé und Cristiano Ronaldo schon linken Fußball, weil sie es besonders gut können? Oder ist ihr unbedingter Wille, dies auch im Gehalt ausgedrückt zu bekommen, hässlich und rechts? Das Spiel ist einfach, die Antworten, die es bereithält, nicht.

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