Klimapolitik schleift nicht, weil sich nicht genug Leute für die Klimakrise interessieren – ganz im Gegenteil.
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Klimapolitik schleift nicht, weil sich nicht genug Leute für die Klimakrise interessieren – ganz im Gegenteil.

Klimabrief

Lieber Max, das Problem bist nicht du!

  • vonHelena Marschall
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Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Du hast Dich nie für die Klimakrise interessiert – aber das ist okay. Während ich auf Frankfurter Straßen stand und einen riesigen Fridays-for-Future-Demozug angeführt habe, saßest Du zu Hause und hast gezockt und für dein Abi gelernt. Du und Deine Freunde wurden mir immer zum Vorwurf gemacht. Wie oft musste ich mir anhören, dass meine Generation doch nur scheinheilig sei oder dass ich ja nicht für uns alle sprechen könnte.

Als im September 1,4 Millionen Menschen in ganz Deutschland auf Fridays-for-Future-Demos waren, wurde dauernd über Dich und die anderen gesprochen, die nicht da waren. Dabei wird vergessen, dass 1,4 Millionen, die für die Einhaltung längst unterschriebener Verträge auf die Straße gehen müssen, 1,4 Millionen zu viele sind. Es wird vergessen, dass jede junge Person, die auch nur an einem Freitag ihre Bildung opfert, weil die Regierung nicht liefert, eine zu viel ist.

Menschen, die Dich für Dein fehlendes Wissen über die Klimakrise kritisieren, vergessen was für eine Belastung dieses Wissen ist. Sie denken nicht daran, wie anstrengend und aufreibend es ist, sich jeden Tag über unser verbleibendes CO2-Budget und immer nähere Kipppunkte Sorgen zu machen. Sie denken nicht daran, dass ich vielleicht sogar neidisch auf Dich bin, weil Du Dir diese Gedanken einfach nicht machst.

Der aller größte Fehlschluss aber ist, dass Du das Problem seist. Denn das bist Du ganz eindeutig nicht. Konsequente Klimapolitik schleift nicht, weil sich nicht genug Leute für die Klimakrise interessieren – ganz im Gegenteil: Über 50 Prozent der Bevölkerung machen sich mehr Sorgen um die Klimakrise als um irgendetwas anderes. Die gesellschaftlichen Mehr- heiten und der moralische Imperativ konsequente, wissenschaftsgeleitete Klimapolitik zu machen sind längst da – auch ohne Dich.

Fridays for Future

Der Gegner bist nicht Du. Die Gegner sind aus- beuterische Kohle- und fossile Unternehmen, die ihren Profit über unsere Zukunft stellen und eine Bundesregierung, die an gesellschaftlichen Verhältnissen vorbei regiert und 57 Milliarden Euro pro Jahr in umweltschädliche Subventionen steckt.

Wenn Du Dich weiter nicht interessierst, Max, dann ist das okay. Die Zeit rennt uns aber davon und deswegen haben wir keine andere Wahl als wieder auf die Straße zu gehen. Am 25. September streiken wir überall auf der Welt – bist Du diesmal vielleicht dabei?

Viele Grüße,

Helena Marschall

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