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Kolumne

Segnung für homosexuelle Paare: Liebe gewinnt gegen Papst Franziskus und Birgit Kelle

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Wenn Priester homosexuelle Paare segnen, dann senden sie das richtige Signal. Auch, wenn sie einige gegen sich aufbringen. Die Kolumne.

An einem Wochenende im Mai schien die Zeit stillzustehen. Man hörte die Vögel nicht mehr zwitschern, die Sonne verdunkelte sich, ja selbst die Maiglöckchen ließen ihre glockenförmigen Blüten verschämt in die braune Erde sinken. Was war passiert?

Unter dem Hashtag #liebegewinnt hatten es Priester in katholischen Gotteshäusern gewagt, homosexuellen Paaren den Segen zu erteilen. Gegen den Befehl von Papst Franziskus, der dieses Anliegen im März explizit negativ beschied: „Gott“ könne die „Sünde nicht segnen“ – den Einzelnen durchaus, aber nicht die vollzogene Sünde in Gestalt einer Partnerschaft.

Die LGBT-Szene ist „in die Kirche einmarschiert“? Mitnichten, noch immer untersagt der Papst es katholischen Priestern, die „Sünde zu segnen“.

Das Fegefeuer dürfte diesen Frevel beizeiten seiner gerechten Strafe zuführen, weshalb sich die fundamental-christliche Rechte auch fix ihr neues Feindbild gebacken hat: das der „Gutchristen“. Es ist eine Wortschöpfung der Kreuzritterin Birgit Kelle, die primär im Kampf gegen jegliche Form von Gender und Feminismus agiert.

#liebegewinnt: Birgit Kelle tobt

Der „Gutchrist“ soll den Gutmenschen in die katholische Kirche assoziieren, und letzterer ist bei Verfechter:innen patriarchaler Roll-Back-Strukturen schon länger auf dem Index: Gutmenschen sind verhasst, werden sie doch als divers, empathisch und politisch korrekt eingestuft – gerade im Hinblick auf die emanzipatorischen Bestrebungen von Minderheiten.

Das passt auch 2021 noch nicht ins nationalistisch-reaktionäre Weltbild, wo immer noch der Vatikan bestimmt, wer von wem den Segen erfährt. Das durfte im Zweifel auch mal ein Panzer sein, aber doch wirklich kein lesbisches Paar.

„Die LGBT-Szene“ sei „in die Kirche einmarschiert“, tobt Kelle etwa im „Focus“, um gleichsam zu unterstreichen, dass nicht nur das Private, sondern auch „das Geglaubte“ politisch sei. Wow, da wird mal fix der Glaube von der Institution abgekoppelt und als ein rein auf die kirchliche Lehre abzielender Akt verkauft. Dass das nicht funktioniert, merkt man allerdings an Kelle.

Sexualität nur zwischen Mann und Frau: Den Schöpfer kann man „nicht überstimmen“

„Sex meets Church“ heißt es weiter im Text, als habe die Kirche bis Mai 2021 ihre Keuschheit stets bewahrt. Jahrhundertealter sexueller Machtmissbrauch, sexualisierte Darstellungen auf jedem zweiten Kirchenbild – alles natürlich kein Sex, da müssen erst die „Gutchristen“ kommen. Denn, merke, den Schöpfer kann man „nicht überstimmen“, und in seiner Institution duldet er Sexualität nur zwischen Mann und Frau, und nur jene sind vor „Gott“ getraut. Das könnte zur These der unbefleckten Empfängnis passen, aber Kelle hat Glaubensbrüder an ihrer Seite.

Wie beispielsweise Michael Hesemann, seines Zeichens Historiker, Schriftsteller und einst „Deutschlands renommiertester Ufo-Forscher“ (Extrasolar-Planets). Auf Facebook können Außenstehende seine Ausführungen auf dem Lucy-Hesemann-Account lesen. „Himmelschreiende Verbrechen“, gar ein „Wochenende der Schande“, hätten „diese Männer“, die keine „Priester mehr“, sondern „Missbrauchstäter“ seien, zu verantworten.

Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Historiker spricht vom Triumph Satans

Solcherlei wird unter dem Namen des Mannes gepostet, der Kardinal Rainer Maria Woelki in Schutz genommen hat. Woelki wurde wegen verschleppter Aufarbeitung der katholischen Missbrauchsfälle kritisiert.

Ein „satanisch verzerrtes Gottesbild“ habe den Glauben ersetzt, und „Satan“ triumphiere, so Hesemann. Ganz schön viel Satan, den wer jetzt nochmal über die Kirche gebracht hat? Richtig, die „Gutchristen“, und die begreifen wohl Liebe als natürlichen Teil des institutionalisiert-katholischen Glaubens. Wie falsch sie doch liegen. (Katja Thorwarth)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa (Archivbild)

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