EU-Parlament in Brüssel - Bundeskanzlerin Merkel
+
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trägt im Plenum des Europäischen Parlaments einen blauen Mundschutz mit dem Logo der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

FFF-Kolumne

Liebe Angela Merkel

  • vonGreta Waltenberg
    schließen

Ein Brief von „Fridays for Future“ über Deutschlands Führungsrolle in Europa, die Aufgaben der Kanzlerin und die unzureichenden Versprechen beim Klimaschutz.

Lange wurden Sie als Klimakanzlerin bezeichnet. Dass wir als FFF da nicht zustimmen können, ist Ihnen wohl selbst bewusst. Aber vielleicht zeigen Sie als Klimapräsidentin mehr Erfolg?

Seit letzter Woche hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne und dort einige große Aufgaben zu bewältigen. Mit den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie und deren gesellschaftliche Auswirkungen, gegen die Klimakrise und mit dem Haushalt für die nächsten sieben Jahre stellen Sie die Weichen für unsere Zukunft.

Hier schreiben alle zwei Wochen Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

Das Motto dieser Ratspräsidentschaft, „Gemeinsam. Europa wieder stark machen“, klingt zwar ein wenig wie „Make Europe great again“, aber zumindest gemeinsam und nicht als Egotrip. Sie haben dieses Motto so stark verinnerlicht, dass 20 Prozent Ihres Grußwortes zum Auftakt zumindest sinngemäß genau das aussagen. Und genau so wurden Sie in der Begründung Ihres Karlspreises für die Einheit Europas 2008 gelobt: „Europa hat [...] zu neuer gemeinsamer Kraft gefunden“.

Was bedeutet so ein starkes Europa? In Ihrem Programm für die nächsten sechs Monate stehen viele schöne Zauberwörter und Phrasen über die Transformation zu einem nachhaltigen Europa. Sie wollen die Klimaziele verschärfen, wobei wir bei uns selber wunderbar sehen, dass Ziele und Verträge (wie das Pariser Klimaschutzabkommen) lange nicht bedeuten, dass auch entsprechend gehandelt wird.

Oft ist die Rede von Klimadiplomatie, schön und gut – vergessen Sie nur nicht, dass sich keine Diplomatie mit Zahlen betreiben lässt. Klimaziele erreichen bedeutet, sich an die Wissenschaft zu halten. Die von Ihnen geforderten 50 bis 55 Prozent CO2-Reduktion bis 2030 tun dies nicht – sie sind nicht mit Paris vereinbar und bleiben deutlich hinter den in einer Studie genannten 68 Prozent zurück.

Das mit der Vorreiterrolle Deutschlands hat sich allerspätestens mit dem sogenannten Kohleausstiegsgesetz erledigt – vielleicht beweisen Sie sich ja als Klimapräsidentin besser.

Seien Sie, wie beim Karlspreis 2008 beschrieben, „eine große Europäerin, die mit Mut und Tatkraft, Zielstrebigkeit und Verhandlungsgeschick“ für die Bewältigung aller Krisen einsteht und sich so als Klimapräsidentin beweist. Sie hören von uns!

Mit klimafreundlichen Grüßen, Ihre Greta Waltenberg

Kommentare