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Annalena Baerbock (Grüne) im Gespräch mit Olaf Scholz (SPD).
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Annalena Baerbock (Grüne) im Gespräch mit Olaf Scholz (SPD).

Bundestagswahl

Annalena Baerbock - selbst von der Konkurrenz in Schutz genommen

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Annalena Baerbock schießt also übers Ziel hinaus, will Schrauben drehen und einen doppelten Salto, ganz so, als spiele die Schwerkraft keine Rolle. Die Kolumne.

Das Schlimmste, was Annalena Baerbock zuletzt widerfahren ist, war nicht die Belehrung über richtiges Zitieren und das ordentliche Verfertigen eines Lebenslaufs. Sie wird es sogar ertragen haben, von einer schnippischen TV-Moderatorin gefragt zu werden: „Frau Baerbock, warum machen Sie sich toller, als sie sind?“

Blöde Frage, natürlich tritt man in der Politik nicht im Bescheidenheitskleid an. Als frühere Leistungssportlerin weiß sie durch die Erfahrung mit ihrem Sportgerät, das Trampolin, dass es hoch- und runtergehen kann. Es kommt dabei darauf an, Haltung und Rhythmus zu bewahren.

Kanzlerkandidatin Baerbock: Von der Konkurrenz in Schutz genommen

Das Unangenehmste dürfte gewesen sein, selbst von der Konkurrenz in Schutz genommen zu werden. Dabei ist die Klage verständlich, nicht zu viel Zeit und Energie zu verschwenden mit den Zitierweisen in einem Buch, das weder zur Erbauung noch zum Erkenntnisgewinn darüber beiträgt, was von einer grünen Politik zu erwarten ist. Allein die Annahme führt in die Irre, dass der Wahlkampf zur Bundestagswahl geeignet sei, den Fragen nach EEG-Umlage und der Berechnung des Rentenschlüssels den ihnen gebührenden Raum zu geben.

Aus meiner Jugend ist mir ein Sponti-Spruch in Erinnerung geblieben, der lautete: „Schluss mit dem Quatsch, jetzt wird diskutiert!“ Wir fanden das lustig, denn natürlich trat beim Diskutieren der ganze Quatsch erst offen zutage. Mühelos aber war es möglich, gegen den Unsinn der anderen die eigenen Überlegungen als guten Plan oder gar Idee ins Feld zu führen.

Bundestagswahl: Wahlkampf ist Problemhandeln

Es soll also hier eine Lanze gebrochen werden – ganz im Sinne des fast gleichnamigen ZDF-Moderators – für einen leidenschaftlichen Wahlkampf und all die Unverschämtheiten und Ungerechtigkeiten, die in ihm transportiert werden.

Wahlkampf ist Probehandeln, in dem es gerade nicht darauf ankommt, die in einer Koalition ausgehandelten Kompromisse fein austariert in Gesetzesform zu bringen. Zum Probehandeln gehört auch ein Energieüberschuss, der aus der kontrafaktischen Annahme hervorgeht, Politik sei die Umsetzung eines gerade gefassten klugen Gedankens. Die Wahlkämpferin also schießt übers Ziel hinaus, will Schrauben drehen und einen doppelten Salto, ganz so, als spiele die Schwerkraft keine Rolle.

In dem Film „Love, Actually“ (Tatsächlich ... Liebe) spielt Hugh Grant einen britischen Premierminister, der es ins Amt geschafft hat, weil er gut aussieht und zu sagen weiß, was die Leute hören wollen. Er verliebt sich in eine Mitarbeiterin aus Downing Street Nummer 10.

Annalena Baerbock im Wahlkampf macht sich toller als sie ist

In einer Szene vergreift sich der US-amerikanische Präsident an dieser, was den Premier zu einer pathetischen Rede über britische Tugenden veranlasst und die Bereitschaft, diese auch entschlossen zu vertreten. Grant wird aus persönlicher Verärgerung zum leidenschaftlichen Staatsmann.

Beobachten wir also den Wahlkampf nicht als Wächter über den Gebrauch der richtigen Worte und die Einhaltung von Tugenden, die ohnehin kaum noch jemand vorlebt. Fragen wir danach, auf was es sich lohnt, politische Leidenschaft zu verwenden, wie man sie erzeugt und vertritt.

Warum Frau Baerbock und all die anderen sich toller machen, als sie sind, ist übrigens leicht zu beantworten. Sie sind darum bemüht, das ungute Gefühl der kognitiven Dissonanz zu überwinden, jene Spannung, die entsteht, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Manchmal nennt man es Politik. (Harry Nutt)

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